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[02.02.2012]
Cover Me
Mittlerweile gibt es 17 Studioalben von Bruce Springsteen, wobei ich "Wrecking Ball" mitzähle, obwohl es erst am 6. März erscheint. Damit ist es definitiv Zeit für das ultimative Ranking der Plattencover von Bruce Springsteen:
 

                 
   

  
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[28.01.2012]
Großer Bahnhof
Als ich letzten Donnerstag gegen 7.10 Uhr das Bahnhofsgebäude in Münster betrat, wollte ich mir vor der Abfahrt meines Zuges um 7.17 Uhr noch schnell ein Brötchen kaufen. Doch dort, wo die Woche zuvor noch eine Bäckerei ihren Platz hatte, fand ich diesen Anblick vor:
 

Wie man sieht: Der Bahnhof in Münster ist eine Baustelle. Was man nicht sieht: Dies ist der harmlosere Teil. Rundherum sieht es aus wie Dresden 1945, und das alles bei vollem Betrieb. Man kommt sich wirklich vor wie im Krieg, überall Schutt und Asche, dazu ein Höllenlärm von den Baumaschinen, deren Schall in den engen Bahnhofsgängen widerhallt. Seit Monaten geht das nun schon so, ein Ende ist nicht in Sicht. 2013, vielleicht, sagt die Bahn.

Der Bahnhof ist für mich ohnehin ein rotes Tuch, der Schandfleck unserer ansonsten so schönen Stadt. Mit dieser Meinung stehe ich sicherlich nicht allein. Ich kenne jedenfalls keinen Münsteraner, der anderer Ansicht wäre. Sogar Götz Alsmann, der ansonsten keine Gelegenheit auslässt, von seiner Heimatstadt zu schwärmen, lässt kein gutes Haar an diesem Großurinal mit Gleisanschluss. Als er im Bahnhof einmal gefragt wurde, wo denn die Toilette sei, antwortete er: "Der Bahnhof ist die Toilette". Ähnlich äußert sich "Wilsberg"-Autor Jürgen Kehrer in seiner "Gebrauchsanweisung für Münster", die - das wollen wir nicht vergessen - an Touristen und Neumünsteraner gerichtet und daher eigentlich in einem positiven Grundton geschrieben ist. Ich zitiere:

"Als ich 1974 nach Münster kam, um hier zu studieren, sah der Hauptbahnhof schon so wie heute aus - nur ein bisschen weniger heruntergekommen"

und

"Sollten Sie mit dem Zug kommen, [...] müssen Sie unbedingt die Augen verschließen, solange Sie sich im Bahnhofsgebäude befinden".

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Besonders bedauerlich ist, dass die gegenwärtig zu beobachtenden Arbeiten an diesem Zustand nicht das Geringste ändern werden. Sie dienen vielmehr lediglich dazu, Aufzüge und Rolltreppen zu installieren, die man bisher vergeblich sucht. Zu deren Einbau sah die Bahn sich wohl veranlasst, nachdem Prof. Dr. Werner Hoppe, bei dem ich selbst noch Vorlesungen gehört habe, auf einer der abgetretenen Treppen mit schwerem Gepäck stürzte, sich das Genick brach und noch im Bahnhof verstarb. Die Bahn kommentierte dies damals mit den Worten:

"Wenn man als älterer Mensch verreist - was man nicht tun muss - , dann muss man sich halt vorher erkundigen, wie man auf den Bahnsteig kommt.“

Die Zustände am Bahnhof und dieses menschenverachtende, hier wörtlich wiedergegebene Zitat haben damals einen Proteststurm losgetreten, der kaum zwei Jahre später zu den jetzigen Bauarbeiten geführt haben mag. Aufzüge und Rolltreppen gibt es also ab 2013, voraussichtlich. 2015 sollen dann das Rad und der aufrechte Gang folgen, und für 2017 ist eine Erklärung der Bahn zu der Frage angekündigt, ob die Erde nun rund oder eine Scheibe sei.

Ganz groß ist die Beschilderung der Bahn, die, sichtlich um ein wenig Ordnung im Chaos bemüht, ihren Drucker angeschmissen hat, um einige improvisierte Schilder zu produzieren:
 

Die Bahn gibt sich also dreisprachig, und ich nehme an, die Holländer werden sich geschmeichelt fühlen (die Franzosen weniger). Dennoch musste ich beim Anblick dieses Schildes schmunzeln, denn bei allem zu honorierenden Eifer der Bahnmitarbeiter bleibt doch unklar, an wen sich die holländische Variante eigentlich wendet. Sie kann doch nur für Personen von Nutzen sein, die a) kein Wort Deutsch verstehen, b) kein Wort Englisch verstehen, dafür c) holländisch verstehen und d) nicht intelligent genug sind, allein aus den Zahlen und dem Pfeil darauf zu schließen, dass hier wohl die Bahnsteige ausgeschildert sind. Auf wie viele Menschen auf der Welt treffen diese vier Voraussetzungen zu?

Mir stellte sich bei Anblick des Schildes auch noch eine andere Frage, die ich an diesem Donnerstagmorgen leider nicht beantwortet bekam: Wo zur Hölle geht es zu meinem Gleis 15?
   
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[22.01.2012]
Ich weiß, was Du die letzten Monate getan hast...
Es ist soweit. Die neue "RA" ist da! Im nunmehr 20. Jahrgang erstrahlt die Ausbildungszeitschrift von JURA INTENSIV, an der ich seit nunmehr 12 Jahren als Chefredakteur mitwirke, in neuem Glanz:
 

Natürlich sind die Veränderungen - oder, wie wir hoffen: Verbesserungen - nicht nur optischer Natur. Mit der Anpassung des Designs auf die neue Corporate Identity von JURA INTENSIV geht vielmehr eine umfassende inhaltliche Neugestaltung einher:

- Jede Entscheidung beginnt nun mit einer kurzen Einleitung, in der die zu entscheidenden juristischen Fragen vorgestellt und die Ansichten des Gerichts hierzu zusammengefasst werden.

- Im Anschluss daran folgt eine gegliederte, in den Gutachtenaufbau eingebundene Aufbereitung der Entscheidung. Diese Form erleichtert die Umsetzung des Entscheidungsinhalts in eine Klausur oder Hausarbeit. Erläuternde Marginalien helfen beim Verständnis.

- Die Volltextwiedergabe entfällt zugunsten einer gestrafften Aufbereitung, die schneller zum Kern des Problems führt. Durch Hinweise auf die Volltextfundstelle ist aber jederzeit gewährleistet, dass bei Interesse auch die übrigen Passagen der Entscheidung leicht auffindbar sind.

- Ein Fazit mit Urteilsanmerkungen und vertiefenden Hinweisen auf ähnliche Entscheidungen, abweichende Ansichten usw. rundet die Darstellung ab.

- Karteikarten im Mittelteil, passend zu den im Heft enthaltenen Entscheidungen, helfen bei der Wiederholung und Vertiefung.

- Die "RA" legt traditionell großen Wert auf die Einbeziehung von Entscheidungen speziell für Referendarinnen und Referendare. Solche sind nunmehr besonders kenntlich gemacht. Soweit es sich anbietet, wird in diesen Fällen der Urteilsstil an Stelle des Gutachtenstils verwendet.

Und das Allerbeste: Der Preis für Abonnenten hat sich sogar noch etwas ermäßigt, von 65 auf 60 Euro pro Jahr oder 5 Euro pro Heft. Ehemalige Kursteilnehmer von JURA INTENSIV erhalten sogar noch einen weiteren Vorzugsrabatt von 10%.

Bewährtes haben wir natürlich erhalten. Vor allem ist die "RA" nach wie vor eine hochaktuelle Ausbildungszeitschrift auf höchstem Niveau.

Eine Leseprobe der neuen "RA" gibt es hier. Zum Internetauftritt der "RA" geht es hier, direkt zum Abonnement für Kurzentschlossene führt dieser Link.
 
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[19.01.2012]
Bring on the Wrecking Ball
Es ist soweit. Wie sein Publisher Shorefire Media heute bekanntgab, wird Bruce Springsteens 17. Studioalbum am 6. März 2012 unter dem Titel "Wrecking Ball" erscheinen.

 

"Wrecking Ball" ist kein wirklich neuer Titel für Springsteenfans. Gegen Ende der Tour 2009 spielte Bruce mit seiner E Street Band einige Konzerte im alten Giants Stadium, das anschließend abgerissen wurde. "Wrecking Ball" wurde aus Anlass dieses Events geschrieben, dort zum ersten Mal gespielt und im Anschluss daran bereits als Single veröffentlicht.
 

 

Ich nehme an, dass es sich bei dem Album Track Nr. 7 um den selben Song handelt, zumal auch das Design des Albums dem der damaligen Single sehr ähnlich ist. Wenn Shorefire also mitteilt, dass das Album "11 neue Songs" enthalte, so stimmt das nicht ganz.

Ein Blick auf die Songliste...

1. We Take Care of Our Own
2. Easy Money
3. Shackled and Drawn
4. Jack of All Trades
5. Death to My Hometown
6. This Depression
7. Wrecking Ball
8. You’ve Got It
9. Rocky Ground
10. Land of Hope and Dreams
11. We Are Alive

...offenbart zudem, dass mit "Land of Hope and Dreams" ein weiteres Lied dabei ist, das sogar noch einen längeren Bart hat. Schon 2001 war es auf "Live in NY City" enthalten, 2003 dann noch einmal auf "The Essential Bruce Springsteen". Ich kann mir diese Veröffentlichung kaum erklären, denn wer würde ein Lied herausbringen, das über 10 Jahre alt ist und das es schon 2x zu kaufen gab? Andererseits wird es kaum ein neues Lied sein, denn wer bringt schon zwei verschiedene Lieder unter dem selben Titel heraus? (Gut, Bruce hat es schon einmal geschafft, "Brothers under the Bridges" gibt es tatsächlich doppelt).

Ich vermute, dass er "Land of Hope and Dreams" unbedingt 'draufhaben wollte, weil "Wrecking Ball" ja ein sozialkritisches Album sein soll, wie man hört, das aber - so spekuliere ich - mit einer hoffnungsvollen Note enden sollte. Jedenfalls deuten "Land of Hope and Dreams" und der letzte Titel "We are Alive" darauf hin. Ich vermute daher, dass wird das altbekannte Lied präsentiert bekommen, allerdings vielleicht in einem neuen Arrangement. Dergleichen ist bei Bruce schon mehrfach vorgekommen.

Nicht anders liegen die Dinge bei den beiden Bonustracks, die auf der Deluxe-Edition enthalten sein werden:

12. Swallowed Up
13. American Land

"American Land" wurde bereits auf den "Seeger Sessions" 2006 veröffentlicht. Meines Erachtens ist es zusammen mit "Gypsy Biker" das beste Springsteen-Lied des letzten Jahrzehnts. Thematisch passt es sicher nicht schlecht in den Kontext, auf das Arrangement bin ich auch hier gespannt. Dennoch ist es natürlich kein neues Lied.

Immerhin, auch für den beinharten Fan bleiben mindestens 10 nagelneue Songs übrig. Das ist natürlich ein Grund zum Jubeln. Dass das Album von einer Tour mit der E Street Band begleitet werden wird, auf der ich natürlich dabei sein werde

                                            ...WATCH OUT, COLOGNE !!!...

stand ja schon länger fest, steigert die Freude aber natürlich noch einmal. Im Internet wird schon wild spekuliert, wie der Big Man ersetzt werden soll. Ich hoffe und erwarte: gar nicht. Niemand kann Clarence Clemons ersetzen. Ich erinnere mich noch an die Tour 1992/93, wo erst gar kein Saxofonspieler dabei war, dann aber gelegentlich Crystal Taliefero das Solo in "Born to Run" spielte, also eine zierliche Frau an Stelle des gewaltigen Clarence. Das fand ich überragend gut.

Bis zur Tour und zum Album heißt es natürlich noch ein bisschen warten. Das erste Lied des Albums, "We Take Care of Our Own", gibt es aber bereits als Gratis-Video auf Youtube:
 

 

Wenn das ganze Album von dieser Qualität ist, dann kann ich nur sagen: SUPER! Es geht gleich ins Ohr, und ich mag den kämpferisch-aufrüttelnden Grundton des Liedes sehr, zumal er das ausdrückt, was ohnehin jeder weiß: Wenn man sich nicht selbst um die eigenen Angelegenheiten kümmert, bleibt man auf der Strecke. Scheint in den USA nicht anders zu sein als in Deutschland.

Also, gute Zeiten für Springsteenfans. Hoffentlich ist bald 6. März!
 

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[01.01.2012]
Loriot...
...ist einer der großen Helden meiner Generation. Zwar ist Vicco von Bülow, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, im letzten Jahr leider verstorben. Aber seine Weltsicht ist zeitlos, und deshalb möchte ich am Neujahrestag meinen kurzen Ausblick auf 2012 mit ihm beginnen:

In meinem Besitz befindet sich ein kleines Sammelbändchen mit Interviews, die Loriot zwischen 1968 und 2009 gegeben hat. Besonders die späteren Interviews haben es mir angetan, weil sie ein hervorragendes, seltenes Beispiel dafür sind, wie sich jemand im Alter klug äußern kann, ohne altklug zu klingen.

An dieser Stelle soll es aber um ein frühes Interview gehen. 1986 wollte Gero von Boehm für den Südwestrundfunk wissen, ob er nun Optimist oder Pessimist sei. Loriot nahm sich etwas Zeit für die Antwort und äußerte sich wie folgt: "Im Kleinen" sei er Pessimist, "im Großen" Optimist. Dass dieses oder jenes konkrete Vorhaben klappen werde, glaube er zumeist nicht. Wenn also eine Entscheidung mit ungewissem Ausgang zu treffen sei oder das Pendel in einer bestimmten Situation zufällig zu seinen Gunsten oder Ungunsten ausschlagen könnte, so glaube er eher an den negativen Ausgang. Im Großen und Ganzen werden die Dinge aber schon gut gehen, meint er. Ende gut, alles gut gewissermaßen.

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich hatte mir diese Tatsache zwar noch nie bewusst gemacht, aber ich bin auch im Kleinen Pessimist und im Großen Optimist.

Das gilt auch für das kommende Jahr 2012. Ein Beispiel: Wir stecken mitten in der Eurokrise, und im Kleinen bin ich Pessimist, was z.B. die Kosten unseres nächsten USA-Urlaubs angeht, denn im Zweifel wird der Euro im Verhältnis zum Dollar weiter fallen, die Reise sich also verteuern. Ich habe auch wenig Zutrauen in das Krisenmanagement von Frau Merkel oder Herrn Sarkozy (auch wenn ich einräumen muss, dass Frau Merkel in der ganzen Panik die Einzige zu sein scheint, die noch mit klarem Kopf denkt und mit ruhiger Hand lenkt). Am Ende des Tages glaube ich aber nicht, dass diese Krise das Ende des Wohlstandes in Europa bedeuten wird. Irgendwie ist es immer weiter gegangen, und so wird es auch diesmal weiter gehen. Wahrscheinlich werden irgendwann die vernünftigen Leute die Oberhand gewinnen, und in zwei Jahren wird man sich fragen, worüber man sich eigentlich aufgeregt hat.

Oder nehmen wir ein erfreulicheres Thema - den Fußball! Mein Verein ist noch in allen drei Wettbewerben gut dabei, und die deutsche Nationalelf geht als Favorit in die kommende Europameisterschaft. Im Grunde glaube ich zwar nicht, dass der FC Bayern 2012 tatsächlich die Champions League gewinnen oder Deutschland Europameister werden wird, aber irgendwann werde ich schon noch einmal einen großen Titelgewinn erleben.

Auf der persönlichen Ebene sieht es ähnlich aus. Zwar glaube ich nicht, dass ich Ende 2012 meinen Vorsätzen entsprechend tatsächlich fünf Kilo weniger wiegen werde als heute, aber ich werde wohl auch nicht an Übergewicht sterben, jedenfalls nicht so bald.

Übrigens habe ich über die Feiertage nicht nur Loriot gelesen, sondern - wie man sieht - auch an schildheuer.de ein wenig gebastelt. Herausgekommen ist ein neues Design, von dem ich zwar nicht glaube, dass es von Anfang an fehlerfrei läuft, das sich am Ende des Tages aber hoffentlich doch bewähren wird. Finis coronat opus, hat Ovid einmal gesagt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr 2012.

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[18.12.2011]
Weihnachtsbaumtransport für Cabriofahrer
In meiner alljährlichen Reihe "Franks kleiner Weihnachtshelfer" wende ich mich in diesem Jahr einem Problem zu, das sicherlich nicht nur mich beschäftigt: Wie transportiert man als Cabriofahrer einen Weihnachtsbaum sicher nach Hause?
 

Schaubild 1: Weihnachtsbaum und Cabrio

I. Das Problem
Vorausgeschickt sei, dass unter meine Definition von "Weihnachtsbaum" nur Tannen von mindestens 1,85m Höhe fallen. Alles andere ist ein Weihnachtsbäumchen. Schon gar nicht kommen mir irgendwelche Plastikteile ins Haus, wir sind hier ja nicht in Amerika!

Wie dem auch sei: Genau aus meinen Ansprüchen an die Beschaffenheit eines Weihnachtsbaumes resultiert das Problem, denn Schaubild 1 lässt bereits erahnen, dass die meisten Cabrios - hier sehen wir exemplarisch einen Mercedes SLK 200 - einfach nicht für den Transport von Gegenständen mit derartigen Ausmaßen geschaffen sind.

Schaubild 2: Kofferraum

Schaubild 2 verdeutlicht, dass die naheliegendste Transportmöglichkeit, nämlich der Kofferraum, keine wirkliche Alternative ist. Ein Baum von 1,85m passt einfach nicht in diese bessere Streichholzschachtel. Zwar könnte man den Baum notdürftig hineinstopfen, davon rate ich jedoch aus mehreren Gründen dringend ab: Erstens wäre er nicht verkehrssicher unterzubringen, im schlimmsten Fall könnte er sogar während der Fahrt herausfallen, und zweitens würde die halb geöffnete Kofferraumklappe die Zweige beschädigen.

II. Die Lösung:
Es bleibt nur eine Alternative übrig: Der Beifahrersitz! Auf Schaubild 3 ist zu erkennen, dass sich ein Weihnachtsbaum von durchschnittlicher Größe dort recht bequem und sicher unterbringen lässt, wenn man den Sitz ganz weit zurücksetzt und den Fußraum voll ausnutzt. Natürlich ist es dabei hilfreich, wenn man sich für einen möglichst schlanken Baum entschieden hat.

Schaubild 3: Baum auf Beifahrersitz

III. Der nächste Level
So weit, so gut. Was aber tun, wenn man einen Beifahrer dabei hat? Diese Konstellation dürfte schließlich nicht ganz selten vorkommen, denn häufig hat die Frau den nötigen Geschmack für die Auswahl und der Mann die nötigen Muskeln für den Abtransport zum Parkplatz (und das nötige Kleingeld für's Bezahlen). Weihnachtsbäume kauft man also zusammen! In dieser Situation rate ich, in fünf Schritten zu verfahren:

1. Man einige sich, welche Person fährt und welche den Beifahrer gibt. Nach meiner Erfahrung sollte man immer die Frau fahren lassen, denn erstens kommen auf den Beifahrer nicht zu unterschätzende körperliche Belastungen zu, die man dem feinen Geschlecht nicht wirklich zumuten möchte, und zweitens kürzt das spontane Einlenken des Mannes die Diskussion ab, an deren Ende er doch unvermeidlich zweiter Sieger wäre.

2. Der Beifahrer setze sich auf den Beifahrersitz (hier nicht im Bild), wobei der Sitz wiederum ganz nach hinten geklappt werden sollte. Unter Umständen kann es darüber hinaus hilfreich sein, die Fensterscheibe herunterzulassen.

3. Sodann stopfe man den Baum wiederum auf den Beifahrersitz, wobei man so agieren sollte, als existiere der Beifahrer gar nicht. Dessen Anweisungen und späteren Hilferufe sind zu ignorieren. Gleichzeitig halte man das ganze mit einer Kamera fest, denn man möchte seinen Verwandten ja zeigen, wie romantisch der Weihnachtsbaumkauf war. Gegen das Fotografieren kann der Beifahrer sich ja auch nicht mehr wehren. Schaubild 4 zeigt, warum nicht:

Schaubild 4: Baum auf Beifahrer

Man sieht, dass der Beifahrer noch bequem sitzen kann. Dass er einen Nadelbaum im Gesicht hat, sollte man schlicht ignorieren. Die Fahrerin kann ihn dabei durch Kommentare wie "Stell' Dich nicht so an" oder "Das machst Du ganz toll" unterstützen.

4. Man schlage die Beifahrertür zu. Dabei sollte man erst gar nicht versuchen, diese behutsam zu schließen, denn Tanne und rechtes Bein des Beifahrers werden so oder so im Weg sein. Also empfehle ich ein schwungvolles Zuschlagen, das die unvermeidlichen Schmerzen für den Beifahrer zumindest kurz hält.

5. Nun steht einem gefahrlosen Abtransport nichts mehr entgegen. Schaubild 5 zeigt noch einmal die Endstellung, hier aus der Sicht nachfolgender Fahrzeuge.

Schaubild 3: Baum auf Beifahrersitz

IV. Vertiefungshinweise
Bisher erschienen in der Rubrik "Franks kleine Weihnachtshelfer" folgende Beiträge:

 
[03.12.11]
Lospech?

Der deutschen Fußballnationalmannschaft wurde am vergangenen Freitag bei der Auslosung der EM-Vorrundengruppen 2012 ein "Hammerlos" zugeteilt: Wir spielen in Gruppe B gegen Holland, Portugal und Dänemark. Nachher waren sich alle Experten einig: Keine Gruppe ist so schwer wie diese. Aber hat uns das Losglück wirklich verlassen? Oberflächlich betrachtet schon, aber eine genauere Analyse zeigt: Nein, ganz im Gegenteil!

A. Die Vorrunde
Deutschland bestreitet sein erstes Spiel bei der EM am 9.6.2012 gegen Portugal. Diese Partie wird ganz, ganz wichtig, denn das zweite Spiel geht gegen Holland, und sollten wir den Auftakt verpatzen, stünden wir gegen einen ebenbürtigen Gegner schon mächtig unter Druck. Jedoch müsste schon viel schief laufen, um gegen Portugal zu verlieren. Die letzten beiden Spiele bei großen Turnieren haben wir gegen sie gewonnen (3:1 bei der WM 2006 und 3:2 bei der EM 2008), und damals hatte Portugal eine bessere Mannschaft als jetzt, während unser Team deutlich schlechter war. An einem normalen Tag sollten wir also gegen die Portugiesen gewinnen.

Im zweiten Spiel gegen Holland wäre alles offen. Das glanzvolle 3:0 in Hamburg täuscht m.E. ein wenig, denn dort ging es um nichts, wir hatten ein Heimspiel und die Holländer waren stark ersatzgeschwächt. Dennoch, diese Mannschaft liegt uns, weil sie selbst das Spiel machen will, wodurch Räume für unsere schnellen Konterangriffe entstehen. Ich bin daher sehr optimistisch, dass wir auch in dieser Partie bestehen können.

Weniger schön finde ich den Gegner Dänemark. Gegen die Dänen sind wir eigentlich immer Favorit, und dennoch verlieren wir immer sang- und klanglos, wenn es um etwas geht (WM 1986: 0:2, EM 1992: 0:2). Das muss natürlich nicht wieder passieren, und ein Vorteil könnte sein, dass wir gegen sie erst im letzten Spiel antreten müssen, denn Deutschland ist eine Turniermannschaft, die sich stetig steigert, und mit etwas Glück geht es für die Dänen schon um nichts mehr.

Wenn ich wetten müsste, würde ich aus drei Spielen auf zwei Siege und ein Unentschieden tippen, mit etwas Pech auf zwei Siege und eine Niederlage, mit viel Pech auf einen Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage. Selbst wenn das dritte Szenario eintreten sollte, könnte es als Gruppenzweiter noch für das Viertelfinale reichen. Bei der WM 1986 beispielsweise war das so.

Noch ein Punkt scheint mir hierzu erwähnenswert: Gruppen mit vier guten Mannschaften sind m.E. weitaus weniger gefährlich als Gruppen mit drei ambitionierten Mannschaften und einer Graupe, denn gegen die Graupe gewinnen alle, sodass die drei guten Mannschaften im Endeffekt so stehen, als hätte es die vierte Mannschaft gar nicht gegeben. Dann darf man sich folglich in den direkten Duellen keinen Patzer leisten, und man darf in diesen Spielen auch kein Pech haben. Ein unberechtigter Elfmeter für den Gegner oder eine unberechtigte rote Karte gegen das eigene Team können dann schon das Aus bedeuten. Nehmen sich aber alle vier Mannschaften gegenseitig Punkte ab, kann man sich wesentlich eher einen Fehler leisten.

Gerade in einer Gruppe mit vier guten Teams können ein Sieg, ein Remis und eine Niederlage also oft zum Weiterkommen reichen, in einer Gruppe mit lediglich drei guten Teams käme mit dieser Bilanz so gut wie sicher das Aus.

Zwischenergebnis: Die Gruppe ist schwer, sollte für Deutschland aber machbar sein. Der Gruppensieg ist möglich, zumindest der zweite Platz sehr wahrscheinlich. Dass am Ende zwei der drei Konkurrenten tatsächlich besser sind als wir, ist nur mit viel Pech vorstellbar. Beim letzten EM-Sieg 1996 hatten wir auch eine "Todesgruppe" mit Italien, Russland und dem späteren Finalteilnehmer Tschechien, und dennoch sind wir mit 7 Punkten und ohne Gegentor locker da durchgegangen.

B. Das Viertelfinale
Bis hierher ist die Auslosung - wie gezeigt - zwar nicht wirklich schlecht, aber sicherlich auch nicht wirklich gut. Insbesondere Holland war der unbequemste Gruppenkopf, denn alternativ wäre man entweder zu den deutlich schwächeren Polen oder Ukrainern gelost worden, was die Gruppenphase deutlich erleichtert hätte, oder man hätte die Spanier bekommen, was den Vorteil gehabt hätte, dass man diesem Wunderteam jedenfalls bis zum Endspiel nicht wieder begegnet wäre.

Aber ab dem Viertelfinale wird die Auslosung für uns richtig günstig, und darauf kommt es schließlich an! Wenn wir die Vorrunde nicht überstehen sollten, hätten wir ohnehin keinen Grund uns zu beschweren, denn über drei Spiele entscheidet die Qualität. In einem K.O.-Spiel geht es hingegen immer auch um Zufälle, und deshalb ist gerade in diesen Partien das Losglück unter Umständen entscheidend für den späteren Titelgewinn, siehe Italien 2006, Frankreich 1998 oder Deutschland 1954.

Und ab dem Viertelfinale meinte es Fortuna gut mit uns, sehr gut sogar, denn wir spielen überkreuz mit der Gruppe A, in der sich nur Fallobst befindet (Polen, Tschechien, Russland und Griechenland). An einem normalen Tag sollten wir gegen keines dieser Teams Schwierigkeiten bekommen. Deshalb wäre es zumindest für das Viertelfinale sogar relativ gleichgültig, ob wir Erster oder Zweiter in unserer Gruppe werden - die Teams in Gruppe A sind alle in etwa gleich schlecht.

Für jede Mannschaft aus Gruppe A wäre es schon ein großer Erfolg, überhaupt das Viertelfinale zu erreichen. Natürlich würden sie im Viertelfinale trotzdem alles geben, aber unterbewusst werden sie sich sicherlich sagen, dass sie eine achtbare EM gespielt haben, selbst wenn sie gegen einen Turnierfavoriten wie Deutschland ausscheiden sollten. Ob die Griechen oder Tschechen nach einem Rückstand noch die Moral hätten, gegen Deutschland zurückzukommen, wage ich zu bezweifeln.

Wie gut wir es getroffen haben, zeigt auch ein Blick auf die anderen Viertelfinalpartien: In Gruppe C spielen Italien und Spanien, in Gruppe D sind Frankreich und England favorisiert. Spanien gegen Frankreich und Italien gegen England sind m.E. Spiele von einem ganz anderen Kaliber als z.B. Deutschland gegen Griechenland und Holland gegen Tschechien.

Zwischenergebnis: Erreichen wir das Viertelfinale, stehen wir sehr wahrscheinlich auch im Halbfinale.

C. Das Halbfinale
Ab hier wird es sehr spekulativ, weil sich kaum abschätzen lässt, auf wen wir treffen könnten. Immerhin: Unsere Gruppengegner Holland, Dänemark und Portugal können es nicht sein, und zumindest in puncto Holland ist das auch gut so. Nun wirkt es sich als Vorteil aus, dass man nicht in einer Gruppe mit Polen oder der Ukraine war.

Mein besonderes Augenmerk liegt auf den Spaniern. Schon jetzt steht fest: Wir vermeiden sie, wenn wir in unserer Gruppe den selben Rang belegen wie die Spanier in ihrer. Sollten die Spanier also ihre Gruppe gewinnen, wovon ich ausgehe, müssten wir auch Gruppenerster werden, sonst käme es - Siege im Viertelfinale vorausgesetzt - zu einem Halbfinale gegen den amtierenden Welt- und Europameister. Natürlich wäre auch diese Partie offen, aber das Spanien-Experiment würde ich mir lieber für das Endspiel aufbewahren, wenn's eben geht.

Die Alternative zu Spanien wäre der Sieger aus dem Italien-Viertelfinale, also wahrscheinlich Italien selbst, oder eben ihr Gegner aus Gruppe D, wo Frankreich und England gegenüber der Ukraine und Schweden Favorisiert sind. Man sieht: England, Frankreich und Italien sind auch nicht wesentlich schlechter als Spanien, wobei ich besonders den Italienern gerne aus dem Weg ginge, denn gegen die haben wir bei einem Turnier noch nie gewonnen. England wäre ganz gut, die sind schlechter als wir und können keine Elfmeter schießen. Auch gegen die Franzosen wären wir Favorit.

Zwischenergebnis: Man sollte es so einrichten, dass man in der Gruppe den selben Rang belegt wie Spanien, und dann hoffen, dass ein Team aus Gruppe D die Italiener 'rauswirft.

D. Das Endspiel
Hier ist keine Prognose möglich, es kann gegen jeden gehen, und mit Sicherheit würde dort ein Gegner warten, der uns ebenbürtig ist. Im Grunde möchte ich auch gar nicht über das Endspiel nachdenken, denn ich hasse Endspiele, weil meine Mannschaften diese mehrheitlich verlieren (ich habe bewusst zwölf große Endspiele miterlebt, und neun davon wurden verloren). Aber wenn es jemals ein Turnier gegeben hat, in dem die Aussichten auf den finalen deutschen Sieg wirklich gut waren, dann dieses.

Gesamtergebnis: Wenn man nur auf die Vorrunde schaut, haben wir ein schweres Los erwischt, aber auch kein so schweres, wie es auf den ersten Blick scheint. Ab dem Viertelfinale hätten wir jedoch gar nicht mehr Glück haben können.
   

 
[14.11.11]
Lesung von und mit Kehrer und Lüpkes

Die Thalia-Bücherei in Münster hatte letzten Dienstag das Autorenpaar Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer zu einer Lesung eingeladen. Kehrer ist einem breiten Publikum als Autor der in Münster spielenden Detektivserie "Wilsberg" bekannt, las an diesem Abend aber aus seiner "Gebrauchsanweisung für Münster". Lüpkes schreibt ebenfalls hauptsächlich Kriminalromane, wobei ich ihrer Homepage entnommen habe, dass sie auch ein Sachbuch veröffentlicht hat und sich als Sängerin betätigt. An diesem Abend gab es von ihr aber keine Gesangseinlagen, sondern einen Auszug aus ihrem Krimi "Taubenkrieg" zu hören.
 

Die Thalia-Bücherei hatte sich wie immer große Mühe gegeben, einen ansprechenden Rahmen für die Lesung zu organisieren. Auf den interessierten Kulturfreund warteten nicht nur Bier und Wasser, sondern sogar von Hand geschmierte Schinkenstullen! Dergleichen fällt besonders positiv auf, da man es im Grunde nicht erwarten kann. Ein Wässerchen, okay, aber wer rechnet damit, bei einer Lesung Bier und Schnittchen serviert zu bekommen, und das auch noch gratis? Ich wollte ursprünglich nichts kaufen, habe mir am Ende aber doch eine "Gebrauchsanweisung für Münster" zugelegt, um diesen Aufwand zu belohnen. Eine freundliche Widmung von Herrn Kehrer gab's natürlich dazu.

Jürgen Kehrer gehörte auch der erste Teil des Abends. Seine "Gebrauchsanweisung für Münster" ist eine Art alternativer Reiseführer, der auf die üblichen Restaurant- und Hoteltipps verzichtet und stattdessen mehr über Land und Leute erzählt. Offenbar ein erfolgreiches Konzept, denn "Gebrauchsanweisungen" gibt es mittlerweile für unzählige Städte und Länder. Ich hatte mit vor Jahren eine "Gebrauchsanweisung für Schottland" gekauft, die ich ganz hervorragend fand.* Nicht zuletzt deswegen interessierte mich die Lesung von Herrn Kehrer, denn in der Folgezeit hatte ich mir noch einige andere "Gebrauchsanweisungen" gekauft, deren Qualität in Sprache und Inhalt doch arg schwankte. Da ich glaubte, über Münster ein wenig mitreden zu können, war ich natürlich sehr gespannt, was Kehrer zu Papier gebracht hat, und vor allem wie.

* Hierzu ein Tipp: Man sollte die "Gebrauchsanweisungen" zweimal lesen, einmal vor und einmal nach dem Besuch des entsprechenden Ortes. Meine Erfahrung ist, dass man jeweils ein anderes Buch liest, weil man Vieles mit anderen Augen sieht, wenn man einmal dort war.

Nun kann eine Lesung von ca. 30 Minuten natürlich immer nur ein Aperitif sein, und da ich die "Gebrauchsanweisung für Münster" bis heute nicht ausgelesen habe, kann ich mir auch kein Gesamturteil erlauben. Aber das Vorgetragene klang schon einmal recht gut. Natürlich wurden als erstes die in Münster "Leeze" genannten Fahrräder erwähnt (wobei Kehrer dies zu einem kleinen Ausflug in die Münsteraner Geheimsprache Masematte nutzte); sodann gab Kehrer eine Episode um den in Münster sehr bekannten ehemaligen Zoodirektor Landois zum Besten, dessen schillernde Persönlichkeit sich natürlich sehr gut für einen Leseabend eignete, und zum Abschluss erfuhren wir noch etwas über die lokale Küche, wenn sie denn diesen Namen verdient, denn in Westfalen mag man es eher deftig, und das ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Am Ende wurde Kehrer mit freundlichem Applaus bedacht, und dies völlig zu Recht. Seine Lesung war kurzweilig und daher so unterhaltsam, wie Auszüge aus einem Reiseführer nur sein können.

Nach einer Pause kam Sandra Lüpkes an die Reihe, die ihr neues Buch "Taubenkrieg" mitgebracht hatte. Lüpkes ist - wie bereits erwähnt - ein Multitalent, doch ihr Hauptwerk ist eine Krimireihe um die Ermittlerin Wencke Tydmers, aus der "Taubenkrieg" die aktuellste Episode darstellt.

Lüpkes schien zu ahnen, dass vielleicht nicht jeder der anwesenden ca. 100 Besucher mit ihrem Werk vertraut war, und stellte deshalb in einer kleinen Vorrede zunächst ihre Hauptfigur kurz vor. Das klang spannend. Nur leider kam Wencke Tydmers in der anschließenden Lesung gar nicht vor. Lüpkes legte den Schwerpunkt vielmehr auf eine Szene in einem Bordell, in der ein verdeckter Ermittler von einer Rockergang enttarnt und zum Entsetzen seiner Kollegen übel misshandelt wird. Zum Glück wurden weniger die Misshandlungen als vielmehr die (ein wenig klischeehaften) Erlebnisse des homosexuellen Kollegen jenes verdeckten Ermittlers in dem Bordell beschrieben.

Lüpkes' Pech war, dass ihr Thema sich weniger für eine Lesung eignete als das von Herrn Kehrer, denn der Autor eines Kriminalromans will ja den Plot (oder gar die Auflösung) nicht verraten, sodass die vorgetragenen Fragmente aus einer dem Zuhörer unbekannten Geschichte für dessen Ohr immer etwas zusammenhanglos bleiben müssen. Zudem sind sie natürlich zwangsläufig weitaus weniger launig als beispielsweise die kleinen Münstergeschichten von Herrn Kehrer.

Hätte ich die Veranstaltung zu organisieren gehabt, hätte ich daher in jedem Fall Lüpkes zuerst lesen lassen, denn dann hätte sich die Veranstaltung zum Ende hin gesteigert (ganz abgesehen davon, dass es sich ohnehin angeboten hätte, der Dame den Vortritt zu lassen). An Lüpkes' Stelle hätte ich vielleicht auch eine andere Passage ausgewählt. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen gehabt, wenn die Hauptdarstellerin des Buches darin vorgekommen wäre.

Alles in Allem war es aber in jedem Fall ein sehr gelungener Abend, zu dem neben den beiden sehr sympathischen Autoren die bereits erwähnte perfekte Organisation von Thalia beitrug. Wir kommen gerne wieder.
   

 
[05.11.11]
Nach dem Schweini-Schock: Quo vadis, FCB?

Als Mario Gomez am vergangenen Mittwoch das zwischenzeitliche 3:0 für den FC Bayern im Champions-League-Heimspiel gegen den SSC Neapel erzielte, sah die Münchener Fußballwelt noch rosig aus. Doch das änderte sich schnell. Zwar wurde das Spiel am Ende mit 3:2 gewonnen, aber neben den zu verschmerzenden Gegentoren und dem unberechtigten Platzverweis gegen Holger Badstuber trübte vor allem ein Ereignis die Freude: Bastian Schweinsteiger, der beste Bayernspieler der Saison 2011/12,  wurde nach einem harmlos aussehenden Allerweltsfoul mit Schlüsselbeinbruch vom Platz getragen. Die Hinrunde ist damit für ihn beendet. Die Frage ist nun: Wird der FC Bayern dennoch die hohen Erwartungen erfüllen können?

Nun, eines ist sicher: Schweini wird nicht gleichwertig zu ersetzen sein. Er spielt bisher eine überragende Saison. Ich habe mit zwei Ausnahmen alle bisherigen Bayernspiele 2011/12 live gesehen und kann nur sagen, dass ich in über 30 Jahren noch nie einen Spieler gesehen habe, der die "6" so gut interpretiert wie Schweini in diesem Jahr (mit Ausnahme von Michael Ballack vielleicht). Defensiv gewinnt er jeden Zweikampf, von hinten heraus spielt er absolute Weltklassepässe, und zuletzt setzte er auch noch offensive Akzente mit Toren und Vorlagen. Seine Spielintelligenz und seine Handlungsschnelligkeit suchen Ihresgleichen. Vor allem aber zeichnen ihn seine Führungsqualitäten aus - er macht seine Mitspieler besser, als Vorbild und Motivator auf dem Platz. Da kann einem als Fan schon bange werden, wenn dieses "Herzstück" (O-Ton Heynckes) aus der Mannschaft herausgerissen wird.

Dennoch: Panik ist fehl am Platze, denn Ersatz steht natürlich zur Verfügung. Wir sind schließlich der FC Bayern! Vor allem zwei Ideen stehen zur Diskussion:

Man könnte Toni Kroos zurückziehen und ihm den Schweini-Part übertragen. Kroos spielt auch eine sehr gute Saison, und er könnte mit mehr Verantwortung durchaus auch noch einen Sprung machen. Allerdings kommt er nicht ganz an Schweinis Leistung heran. Die Frage wäre auch, wer seine bisherige Position einnehmen soll. Alabas Name fiel in diesem Zusammenhang mehrfach, und tatsächlich hat sich der Junge in diesem Jahr enorm verbessert. Aber ein Kroos ist er noch nicht. Etwas offensiver wäre die Variante, Kroos durch Olic zu ersetzen. Man könnte auch Müller nach innen ziehen und Alaba oder Olic auf Außen setzen.

Diese Varianten haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie rütteln eine bisher genial funktionierende Mannschaft gehörig durcheinander. Ich glaube und hoffe daher nicht, dass Heynckes in diese Richtung tendiert.

Das meines Erachtens kleinere Übel wäre, Schweini durch einen Bankspieler zu ersetzen und die übrigen Stammkräfte auf ihren bisherigen Positionen zu belassen. Das würde zwar einen Qualitätsverlust bedeuten, das Mannschaftsgefüge aber intakt halten. Und es ist ja nicht so, dass wir auf der "6" keine Alternativen hätten: Tymo und Luiz Gustavo spielen dort bereits, Heynckes hat auch Alaba für diese Position ins Spiel gebracht, und Daniel Pranjic haben wir auch noch in der Hinterhand.

Klar, keiner dieser Spieler reicht an Schweini heran. Alle vier strahlen keine Torgefahr aus, sind nicht so handlungsschnell, nicht so ballsicher und nicht so zweikampfstark wie Schweini, und erst Recht haben sie keine Führungsqualitäten. Wenn ich mich unter ihnen entscheiden müsste, würde ich gegen Augsburg ein Experiment wagen und neben Tymo oder Luiz Gustavo David Alaba spielen lassen. Gegen den Aufsteiger kann er nicht viel kaputt machen, und wenn das Experiment gelingt, wäre die Übergangslösung gefunden, denn Alaba hat von den Genannten sicherlich das größte Potenzial.

Übrigens habe ich Arjen Robben bei all diesen Betrachtungen bewusst außen vor gelassen. Selbst wenn Aleinikov in der Hinrunde noch drei Spiele machen sollte, was alles andere als sicher ist, wird er kein Faktor werden. Mit ihm rechne ich frühestens in der Rückrunde wieder, und dann auch nur bis zur nächsten Verletzung, also bis ca. Mitte Februar.

So oder so: Was kann man von der neu aufgestellten, durch Schweinis Fehlen arg geschwächten Bayernelf bis zur Winterpause noch erwarten? Nun, sehen wir uns die drei laufenden Wettbewerbe einmal an.

A. DFB-Pokal
Die geringsten Probleme dürften im DFB-Pokal lauern. Dort steht vor der Winterpause nur noch eine Runde an, nämlich das Achtelfinale, in dem der FC Bayern beim VfL Bochum antreten muss. Bochum hat keine schlechte Mannschaft, immerhin klopfte der VfL im letzten Jahr als Relegationsteilnehmer laut an die Bundesligatür, aber eine konzentrierte Leistung sollte dort zum Sieg genügen, mit welchem Kader auch immer.

B. Champions League
Auch in der Champions League sieht es gut aus. Zwar könnte der FCB theoretisch noch ausscheiden, bereits ein Punkt aus den verbleibenden zwei Spielen würde jedoch die sichere Qualifikation für das Achtelfinale bedeuten, und der sollte auch ohne Schweini und Robben im Heimspiel gegen das bisher punktlose Villareal möglich sein.

Eine andere Frage ist, ob es zum Gruppensieg langt. Gegenüber Neapel wäre Bayern mit einem Punkt gegen Villareal auch bereits vorne, Manchester City könnte es aber noch einmal spannend machen, wenn sie den Rückstand auf die Bayern konstant halten. Dazu müssten sie in Neapel mindestens ebenso viele Punkte holen wie Bayern zu Hause gegen Villareal, also wahrscheinlich drei. Unterstellt dass sie das schaffen, und ich zweifle nicht daran, denn sie hauen im Moment alles weg (Erster in der Premier League und zuletzt 3:0 in Villareal), käme es zu einem echten Endspiel um den Gruppensieg in Manchester. Bayern hat das Hinspiel 2:0 gewonnen, City bräuchte also einen Sieg mit 3 Toren Vorsprung, wenn der Abstand bis dahin konstant bleibt. Holten sie gar zwei oder drei Punkte auf, würde ihnen jeder Sieg zum Gruppensieg genügen.

Ich glaube nicht, dass Manchester City gegen Bayern mit 3:0 oder höher gewinnt, auch ohne Schweini nicht. Allerdings wäre Schweini gerade in einem solchen Spiel als ordnende Hand extrem wertvoll gewesen. Wenn City früh ein Tor macht, könnte es ohne ihn durchaus brenzlig werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt m.E. aber nicht besonders hoch. Wir kassieren keine Tore, schon gar keine frühen. Andererseits glaube ich nicht, dass Bayern in Manchester gewinnt, und - ehrlich gesagt - auch nicht, dass man dort ein Remis erreicht. Deshalb wären ein Heimsieg gegen Villareal oder eine Schützenhilfe von Napoli extrem wertvoll. Ich hoffe, dass zumindest eines von beiden eintritt. Dann müsste man nur sehen, dass man in Manchester nicht untergeht.

C. Bundesliga
In der Bundesliga haben die Bayern noch sechs Spiele zu absolvieren: Augsburg auswärts, Dortmund zu Hause, Mainz auswärts, Bremen zu Hause, Stuttgart auswärts und Köln zu Hause. Das ist ein Monster-Programm, denn mit Dortmund, Bremen und Stuttgart stehen gleich drei CL-Anwärter vor der Tür. Zudem verlieren die Bayern regelmäßig in Mainz und spielen daheim gegen Köln unentschieden.

Der einzige relativ sichere Sieg sollte in Augsburg gelingen, das seinerseits große Verletzungssorgen hat. Zudem glaube ich an Heimerfolge gegen Bremen und Köln sowie zumindest ein Unentschieden in Mainz. In Stuttgart und gegen Dortmund bin ich weniger optimistisch, für zwei Unentschieden aus diesen Partien würde ich sofort unterschreiben. Käme es so, würde Bayern also 12 Punkte aus den letzten sechs Spielen erzielen, das ergäbe insgesamt 37 Punkte für die Hinrunde und damit ziemlich sicher die Herbstmeisterschaft. Selbst 35 Punkte sollten dafür langen, zumal die Verfolger aus Dortmund und Schalke noch gegeneinander spielen müssen. Schalke spielt auch noch gegen Bremen, allerdings zu Hause, das werden sie wahrscheinlich gewinnen.

Alles in allem wäre ich hochzufrieden, wenn der gegenwärtige Vorsprung von 4 Punkten auf den Zweiten gehalten werden könnte. Einen Ausbau der Tabellenführung kann ich mir angesichts des Restprogramms und der Verletzungssorgen beim besten Willen nicht vorstellen.

D. Fazit
Im DFB-Pokal dürfte sich Schweinis Ausfall nicht bemerkbar machen. Wenn man in Bochum ausscheiden sollte, dann wegen Leichtsinns und nicht wegen irgendwelcher Verletzungen. In der Champions League könnte er bei ungünstigem Verlauf allerdings den Gruppensieg kosten, das Weiterkommen sollte aber nicht gefährdet sein. In der Bundesliga erwarte ich eine gewisse Schwächung der Bayern, die auch Punkte kosten wird. Dennoch sollte die Herbstmeisterschaft errungen werden, vielleicht mit einem Vorsprung von drei Punkten.
   

 
[30.09.11]
A Star is (re)born!

Herbert Knebels Affentheater gastierte mit seinem neuen Programm "Der Letzte macht dat Licht aus" am Freitag in Telgte. Ehrensache, dass wir zugegen waren. Und Glück für uns, dass die Jungs tatsächlich pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne erschienen, obwohl sie sich im Stau auf der A1 (verlängertes Wochenende!) noch gefragt hatten, ob die Fahrt inne Provinz überhaupt lohnt - "die Holländer da verstehen uns doch sowieso nich". Kurz hinter Münster haben sie dann aber bemerkt, dass Telgte doch noch in Deutschland liegt! Sorge also unbegründet - das Publikum verstand Herbert Knebel, Ozzy Ostermann, Ernst Pichel und den Trainer ganz hervorragend.

 

Womit wir beim Stichwort sind: "hervorragend". Um es vorwegzunehmen, "Der Letzte macht dat Licht aus" ist mit Abstand das beste vom Affentheater seit mindestens zehn Jahren, deutlich besser als "Nix wie weg!" und kein Vergleich mit "Love is in Sie Er". Und das sage ich, obwohl wir "nur" eine Vorpremiere zu sehen bekamen, wie es auf unseren Karten hieß, nämlich die erst vierte Vorstellung des neuen Programms. Ich hatte eigentlich einige Brüche und vielleicht Textunsicherheiten erwartet, aber davon war nichts zu merken, der Auftritt war locker und trotzdem perfekt.

Überragend fand ich die Musiknummern. Eine gewisse Bandbreite ist man vom "Affentheater" ja gewohnt, doch diesmal spannten sie den Bogen ganz weit, von Deep Purple ("Smoke on the water" = "Feuer in der Wohnung") über Evita Peron ("Don't cry for me Argentina" - "Hör' mir auf mit Argentinien") bis zu Udo Jürgens und Chris Roberts (in einem genialen Medley aus "Siebzehn Jahr' blondes Haar" = "Siebzig Jahr, graues Haar" und "Du kannst nicht immer Siebzehn sein" = ""Du kannst nicht immer Siebzig sein"). Urkomische Texte und super Sound, das Publikum ging voll mit.
 

Wie man überhaupt sagen kann, dass die Stimmung in Telgte sehr gut war. Ich hatte im Vorfeld meine Bedenken, denn erfahrungsgemäß sind die Knebel-Auftritte in der Provinz mit denen im Ruhrgebiet nicht zu vergleichen, und als ich vor dem Einlass die ganzen Mittfünfziger sah, die Herren im Freizeithemd von kik und die Damen in der guten Bluse, dachte ich schon, ich hätte mich im Tag geirrt und sei bei Hansi Hinterseer gelandet. Meine Frau konnte mich gerade noch davon abhalten, die Heizdecken aus dem Kofferraum zu holen, die ich zu Verkaufszwecken bei Gelegenheiten wie dieser immer mitführe. Aber ich hatte mich wohl getäuscht, nur einmal wurde ganz kurz geschunkelt.

Die Sketche waren auch allesamt sehr gelungen. Geboten wurde die übliche Mischung aus Solo-Nummern von Hebbert und gemeinsamen Runden des ganzen Affentheaters, wobei mir aufgefallen ist, dass der Trainer etwas mehr in den Vordergrund trat und Ernst Pichel dafür etwas zurückgenommener agierte. Diverse Themen wurden abgehandelt, darunter natürlich Fußball (wobei man endlich erfuhr, zu welchen Vereinen die vier halten), das Älterwerden und die ganzen Bekloppten auffe Welt, von Sandro dem Starbucks-Verkäufer (Frage: "Möchten Sie Ihren Kaffee tall, large oder extra large? Antwort: "Wat schmeckt denn am besten?") über Maradona ("War dat nicht diese Sängerin?") bis hin zu Hugh Hefner ("Wenn der nich so viel Kohle hätt', würden die ganzen Bunnys ihm auch nich mehr die Stange halten!").
 

Politisches war demgegenüber überhaupt nicht zu hören. Das soll beileibe keine Kritik sein, denn Herbert Knebels Affentheater macht schließlich kein Kabarett, sondern - wie sie selber am liebsten sagen - "unterhaltende Kleinkunst". Auch auf Kostüms (z.B. einen weiteren Auftritt von Guste) wurde völlig verzichtet, mit einer kleinen Ausnahme zum Schluss (dazu sogleich). Einen "roten Faden" gab es wie immer nicht, das Programm besteht aus lose aneinander gereihten Sketchen und Musikbeiträgen, die nur durch die Protagonisten verknüpft werden. Dennoch gab es keine Brüche, ganz im Gegenteil, die Jungs spielten wie aus einem Guss.

Einen echten Schwachpunkt konnte ich diesmal überhaupt nicht ausmachen. In den Programmen der letzten Jahre waren dies immer die Momente, in denen Hebbert von der Bühne ging und sich eine verdiente Auszeit nahm, weil ohne seine überragende Präsenz einfach etwas fehlte. Aber diesmal überbrückten Ozzy, Ernst und der Trainer diese Phasen mit Musikstücken vom Allerfeinsten, darunter "Daddy Cool" = "Ozzy Cool" von Boney M. Super gemacht.
 

Der Saal in Telgte war natürlich ausverkauft. Man muss sich die Location wie die Aula einer Schule vorstellen, ebenerdig bestuhlt, mit mäßiger Akustik und noch mäßigerer Sicht auf den billigen Plätzen, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Richtig heiß her ging es gegen Ende, als Hebbert im Elvis-Kostüm zu den Zugaben auf die Bühne kam und "Suspicious Minds" zum Besten gab, ausnahmsweise nicht eingedeutscht. Soweit ich mich erinnern kann, war es seit "Jutendeiten" aus den 90er Jahren erst das zweite Mal, dass das Affentheater einen Song auf Englisch spielte.

Übrigens hatte nicht Hebbert sein Kostüm von Elvis geklaut, sondern umgekehrt - der King hatte es sich in den 50er Jahren während seines Militäraufenthalts in Heidelberg bei Hebbert ausgeliehen, als dieser es auf Montage beim Gerüstbau anne Kaserne trug (sein Blaumann war gerade inne Wäsche). Erst Präzilla hat et dann wieder zurückgeschickt, als der King es nicht mehr brauchte, wegen seinen Tod...
 

Wir verließen das Bürgerhaus in Telgte nach zweieinhalb Stunden (darunter zwanzig Minuten Pause) in begeisterter Stimmung. Zugleich war ich erleichtert und überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass die Jungs den Abwärtstrend der letzten 10 Jahre noch einmal stoppen könnten. Mit "Der Letzte macht dat Licht aus" ist ihnen dieses Kunststück aber vollauf gelungen. Ich kann einen Besuch des Programms daher nur vollauf empfehlen.
   

Wrecking Ball
Bahnhof peinlich Springsteen Weihnachtsbaum Herbert Knebel
Loriot Kehrer Bruuuce EURO  Münster
FOCUS Lüpkes Schweini 2012 Affentheater Route 66 Nationalelf Cabrio Cover Art
Volksverdummung
RA Bundesliga FC Bayern Schildheuers Examen