<27.12.09>
Growing young
Es ist vier Uhr morgens und es regnet. Heute werde ich 40, fühle mich alt, höre meine Platten und erinnere mich, dass vor zehn Jahren alles anders war. 1999 trat Steffi Graf vom aktiven Sport zurück, Günter Grass gewann den Nobelpreis für Literatur, Joe DiMaggio, Willy Millowitsch und "Pille" DeForest Kelley starben. Die Ereignisse vom 11. September lagen noch in ferner Zukunft, "Wer wird Millionär?" lief zum ersten Mal über deutsche TV-Schirme, und das Weltraumteleskop "Hubble" sendete endlich scharfe Bilder ferner Galaxien.

Ja, die gute alte Zeit. Schildheuer.de gab es damals übrigens auch schon, wenn auch in völlig anderer Form. Ich hatte meine Homepage zunächst ganz Bruce Springsteen gewidmet, von der "Reunion"-Tour mit der E Street Band berichtete ich 1999-2000 nahezu täglich. Gelesen haben es meine Familie und vielleicht drei Dutzend Freunde, Bekannte und Fanclub-Mitglieder. Später kamen nach und nach Rubriken zu anderen Interessengebieten hinzu, die - bis auf die Reiseberichte - inzwischen allerdings wieder verschwunden sind, weil ich keine Abmahnung wegen nicht legal verwendeter Bildchen riskieren wollte. Meine Begeisterung für viele dieser Themen hat sich nichts desto weniger gehalten, wobei ich neben Bruce an erster Stelle den FC Bayern München und die Atlanta Braves nennen möchte. Manche Rubriken lese ich heute hingehen eher mit einem Stirnrunzeln - was hat mich nur an "Buffy, the Vampire Slayer" interessiert? Oh, Moment...

1999 wurde ich 30, und ich kann nicht sagen, dass ich mich sonderlich anders fühlte als heute mit 40. Schon damals musste ich mir eingestehen, dass ich erwachsen geworden war, mit einem seriösen Beruf, Haus, Auto, fester Freundin und was man sich sonst noch so unter einer soliden Lebensführung vorstellt. Zum Glück ist mir all dies erhalten geblieben, und ich hätte nichts dagegen, wenn sich an diesem Zustand so bald nichts ändern würde.

Eines vermisse ich allerdings aus meinen Tagen als Teen und Twen: die ZEIT! Heute besteht ein "normaler" Tag aus Aufstehen, Arbeiten, Abendessen, drei bis vier Stunden Freizeit und Schlafengehen. Nicht, dass ich mich beklagen würde - kein bisschen, ich habe einen Beruf, den ich an vielen Tagen gerne ausübe, bin privat überaus glücklich, und es gibt ja auch Wochenenden und Urlaubstage im Jahr. Aber die Zeit rennt! Und je älter ich werde, desto schneller rennt sie. Mein Gott, wie lang waren als Teenager sechs Wochen Sommerferien! Eine Ewigkeit. Man hatte zu Ferienbeginn das Gefühl, die Schule würde nie wieder anfangen. Überhaupt, die Schulzeit - wer hätte gedacht, dass sie jemals enden würde? Mit fünfzehn glaubte ich, ich würde wohl für immer am ConvoS bleiben. Ein Irrtum, und wenn ich daran denke, dass mein Abitur in diesem Jahr schon 20 Jahre zurückliegt, wird mir ganz schwindelig. Wo sind all die Jahre geblieben?

Jetzt ist es fünf Uhr - ich schreibe Berichte wie diesen so schnell ich kann aus Sorge zu kneifen - und ich höre "Thunder Road". Ich komme mir immer noch alt vor, aber das Lied und die Hoffnung, dass die besten Jahre noch vor mir liegen mögen sorgen dafür, dass ich mich zumindest etwas jünger fühle.

Und weil ich um diese Zeit und in dieser Stimmung einfach nicht in der Lage bin, etwas Eigenes oder gar Originelles zu schreiben, stehle ich auch den letzten Satz von jenem jungen Journalisten, dessen Kolumne aus dem "Real Paper" vom 22. Mai 1974 ich hier so schändlich kopiert habe: "I still feel the spirit and it still moves me".
 

<21.12.09>
Grumpf!
Na super! Soeben erfahre ich, dass Haloscan kürzlich von ECHO übernommen worden ist. Die Folge: Aus und vorbei ist es mit der Gratis-Kommentarfunktion im allgemeinen und für meine Homepage im besonderen.

Zwar kann man seinen Haloscan-Account kostenpflichtig zu einem ECHO-Account "upgraden"; auch wird einem suggeriert, alles sei ganz einfach, man zahle seinen Obulus und alles liefe wie bisher. Doch einige Nachforschungen im Web haben ergeben, dass man sämtliche Seiten, auf denen Kommentare von Haloscan zu finden sind, von Hand eingeben muss, damit der Spider von ECHO sie finden und konvertieren kann. Das sind in meinem Fall einige hundert, denn ich habe seit 2005 ja jeden einzelnen Beitrag mit einer Kommentar-Option versehen. Und selbst wenn ich Lust hätte, diese Sisyphosarbeit anzugehen, würde das Resultat mit Sicherheit nicht ebenso rank und schlank sein wie jetzt bei Haloscan. Denn wenn ich mir die ganzen Features und Funktionen ansehe, die ECHO jetzt einführt, so stelle ich fest, dass die kein Mensch auf der Welt braucht:

- Wer will seine Kommentare mit Videobotschaften versehen?
- Wer will seine Kommentare mit Twitter verlinken?
- Wer will seinem Kommentar einen Avatar beifügen?

Und so weiter und so weiter. Mein spezielles Anliegen, die Kommentar-Option so schnell und vor allem so simpel wie möglich zu gestalten, wird bei ECHO nicht möglich sein. Und für diesen ganzen Mist soll ich auch noch zahlen. Nein, Danke!

Was bleibt, ist die Suche nach einem neuen Anbieter. Gratis-Alternativen wirft Google reichlich aus, nur basieren die leider alle auf PHP, und obwohl diese Skriptsprache heute absoluter Standard ist, unterstützt sie ausgerechnet mein Provider 1&1 nicht. Eigentlich ein Skandal, denn das ist so, als würde BMW seine Autos ohne Gaspedal ausliefern - bergab fahren sie ja trotzdem!

Ich stehe also gegenwärtig ohne Lösung für die Kommentare da. Dabei wäre es schon schön, wenn ich dieses interaktive Feature erhalten könnte. Natürlich besteht immer die Option, meine Homepage zu einem professionellen Anbieter wie Blogger, WordPress oder einem anderen "Großen" umzuziehen, bei denen eine Kommentarfunktion ohnehin implementiert ist. Dadurch ginge Vieles sicher auch einfacher und schneller. Aber es würde mich von deren Templates abhängig machen und mich der Freiheit berauben, meine Homepage so zu gestalten, wie ich das will. Im Übrigen sehen für mich all diese Blogs wie "von der Stange" aus, das heißt irgendwie gleich. Anpassungsmöglichkeiten hin oder her. Auch ein getunter Golf bleibt doch immer noch ein Golf.

Deshalb wäre ich für einen Tipp besonders dankbar, wo es einen Gratisanbieter für Kommentarfunktionen gibt. Am besten per E-Mail. Instacomment, Spipra, Pnyxe und Disqus habe ich schon gewogen und für zu leicht befunden. Meinetwegen darf er auch was kosten, nur sollte er zumindest die Option beinhalten, Kommentare einfach zu gestalten, keine nervigen Popups schalten und nicht auf PHP-Basis funktionieren.

Jedenfalls werden nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge ab dem 2. Januar 2010 alle Kommentar-Links unter den Beiträgen von 2005 bis 2009 - auch der zu diesem Beitrag - nicht mehr funktionieren. Alle bisherigen Kommentare werden dann verfallen. Ich habe sie natürlich schon auf meiner Festplatte archiviert, und vielleicht fällt mir doch noch eine Lösung ein, sie auch Online zu erhalten.

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<12.12.09>
Gute Stimmung bei Richard Rogler
Am 11. Dezember 2009 war Kabarettist Richard Rogler im "Ballenlager" in Greven mit seinem Programm "Stimmung" zu Gast. Auf den letzten Drücker hatten wir noch zwei Karten erstanden, und so wurden wir Zeugen dieser überaus gelungenen Veranstaltung.

Das "Ballenlager" in Greven ist - der Name lässt es erahnen - eine alte, für Events mit bis zu 600 Zuschauern umgebaute Lagerhalle. Weil sie nur ebenerdig bestuhlt ist und es keine Platzkarten gab, trafen wir bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Veranstaltung dort ein. Schließlich möchte man unter diesen Umständen nicht in der letzten Reihe hinter Marge Simpson sitzen. Wir waren schon einige Male bei Richard Rogler, und bisher waren alle Veranstaltungen mehr oder weniger ausverkauft. Doch an diesem Abend fanden sich gerade einmal 200 Zuschauer ein. Vielleicht lag es einfach daran, dass Greven ein kleines Kaff in der Provinz ist. In Köln hätte Rogler sicherlich mehr Zuschauer gezogen. Dennoch hatten wir auch in Greven einen deutlich größeren Andrang erwartet.

Rogler übrigens auch, denn gleich zu Beginn seines zweistündigen Programms beschwerte er sich scherzhaft darüber, dass er mit politischem Kabarett wohl auf das falsche Pferd gesetzt habe, denn für Politik interessiere sich heutzutage ja niemand mehr. Deshalb wolle er sich an diesem Abend auch ganz aus der Politik heraushalten.

Diesen Vorsatz hielt er genau zwei Minuten durch. Dann bekamen unsere Damen und Herren Politiker ihr verdientes Fett weg, vor allem die Kanzlerin, die weder richtig Klatschen noch richtig Winken kann und neidisch auf Carla Bruni ist ("Was hat die, was ich nicht habe?"). Fein beobachtet auch die Erziehungsmängel bei Pofalla, der Jugendwahn bei Münte und die Ernährungsprobleme bei Gabriel ("Wenn der so weiter macht, kann er demnächst mit sich selbst das Ozonloch stopfen").

Apropos Gabriel: Zur Höchstform läuft Rogler traditionell immer auf, wenn es um die SPD geht, den "Verein für Menschen, die auf natürlichem Weg keine Freunde finden". Nach dem Motto "Sex sells" habe man ja jetzt "Miss Germany" zur Generalsekretärin gemacht (gemeint war selbstverständlich Männer(alb-)traum Andrea Nahles). Obwohl, so richtig große Politiker habe die SPD ja nicht mehr. Früher, da gab es noch Namen - Brandt, Schmidt, Scharping! Scharping??? Ja, klar. Immerhin sei er der letzte SPD-Politiker, der noch im Amt eine große Auszeichnung erfahren habe. Willy Brandt habe den Friedensnobelpreis bekommen, Helmut Schmidt sei zum "Staatsmann Europas" gewählt worden, und Scharping habe gemeinsam mit Gräfin Pilati auf Mallorca das Seepferdchen bestanden! Großer Lacher, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob alle Anwesenden diese nicht näher erläuterte Anspielung verstanden haben.

Rogler spielte sein Programm sehr professionell und routiniert herunter, Spontaneität habe ich ein wenig vermisst. Nur einmal musste auch Rogler über sich selbst grinsen, als er den "Hessener" Roland Koch zum "Essener" gemacht hatte. Gekonnt verbesserte er sich mit den Worten, diese "Ehre" verdiene Koch eigentlich gar nicht.

Die äußeren Umstände waren für Rogler vielleicht auch nicht besonders einfach, ich hatte den Eindruck, dass er nicht bei bester Gesundheit war. Seine Hände zitterten etwas, und sein rechtes Auge bereitete ihm im hellen Scheinwerferlicht sichtbar Probleme. Dennoch, sein Programm war wirklich hervorragend, viel niveauvoller (und lustiger!) als diese ganze "Comedy"-Scheiße, die man im Verblödungs-TV (RTL, Sat.1, Pro7) heute ausschließlich serviert bekommt. Ja, ich gebe es unumwunden zu: Ich zahle mittlerweile gerne meine Rundfunkgebühren, denn die öffentlich-rechtlichen Sender - und nur diese - halten wenigstens ein gewisses Programmniveau aufrecht, in dem auch Sendungen wie die "MItternachtsspitzen" oder der "Scheibenwischer" Platz haben, über die Rogler bekannt geworden ist.

In seinem Programm "Stimmung" verzichtet Rogler übrigens gänzlich auf seine bekannte Bühnenfigur "Camphausen", nicht aber auf den scheinbaren Widerspruch zwischen äußerer Frustration und innerer Erregung, die seine Camphausen-Auftritte stets durchzogen. In den letzten 20 Jahren habe sich nichts verändert in Politik und Gesellschaft, meinte Rogler in einem der wenigen nachdenklichen Momente, auch durch das Kabarett nicht. Im nächsten Moment schon feuerte er aber wieder eine Salve gegen die Bonzen aus dem Umweltausschuss des Bundestages ab, die für 9.000 Euro pro Nase nach Afrika geflogen seien, um sich über das Serengeti-Projekt zu unterrichten, nur um verdutzt festzustellen, dass sich dieses auf Deutschland nicht übertragen lasse, weil es hier an 30.000 Quadratkilometern freier Savannenlandschaft fehle. Rogler ist eben ganz Camphausen, Camphausen ganz Rogler.

Seine Art von Humor traf offensichtlich nicht nur - wie gewohnt - meinen Geschmack, sondern auch den der übrigen Gäste, denn Rogler wurde am Ende mit mehr als nur freundlichem Applaus verabschiedet. "Zugaben" gab es bei ihm übrigens nicht, man sei hier nicht bei irgendeiner Payback-Aktion, meinte er. Die gingen ihm sowieso auf die Nerven, in seinem Kombi habe er zum Beispiel über Wochen nichts mehr transportieren können, weil auf seiner Ladefläche zehn Basketbälle herumgelegen hätten, die ihm sein Aral-Tankwart für jeweils 50 Liter Sprit aufgenötigt habe. Gestern erst sei er wieder tanken gewesen und habe die Bälle in einem Anfall von Wut zurück in die Tanke geworfen, woraufhin sich der Tankwart nur höflich bedankt und gemeint habe, für jeweils fünf Bälle gebe es einen Winkelschleifer. Er könne nach der Show also noch zwei Heimwerker unter den Zuschauern glücklich machen, wenn sie ihn nur kurz zu seinem Wagen begleiten wollten...

Wer die Gelegenheit hat, Richard Rogler live zu sehen, sollte unbedingt hingehen. Für 20 Euro bekommt man zwei Stunden allerbeste Unterhaltung geboten. Stimmung auf hohem Niveau zum günstigen Preis - mündiger Bürger, was willst Du mehr?

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<05.12.09>
Losglück?
Heute war WM-Auslosung. Deutschland spielt also in Gruppe D, zusammen mit Serbien, Ghana und Australien. Damit kann man gut leben, war nachher unisono zu hören. Also haben wir wieder unser traditionelles Losglück gehabt?

Nun, in der aktuellen FIFA-Weltrangliste (Stand: 20.11.2009) belegen unsere Gegner die Plätze 20 (Serbien), 21 (Australien) und 37 (Ghana). Zusammen mit uns (Platz 6) komme ich in der Addition auf 84, geteilt durch vier Mannschaften also auf einen Gruppendurchschnitt von 21. Zum Vergleich:

Gruppe A:       Gruppe B:        Gruppe C:     Gruppe D:
Mexiko      15  Argentinien  08  Algerien  28  Deutschland 06
Frankreich  07  Südkorea     52  England   09  Ghana       37
Uruguay     19  Griechenland 12  Slowenien 33  Australien  21
Südafrika   86  Nigeria      22  USA       14  Serbien     20
--------------  ---------------  ------------  --------------
127:4  = 31,75  94:4    = 22,50  84:4 = 21,00  84:4   = 21,00

Gruppe E:     Gruppe F:      Gruppe G:          Gruppe H:
Dänemark  26  Italien    04  Brasilien      02  Spanien    01
Japan     43  Paraguay   30  Elfenbeinküste 16  Schweiz    18
Kamerun   11  Slowakei   34  Nordkorea      84  Chile      17
Holland   03  Neuseeland 77  Portugal       05  Honduras   38
------------  -------------  ----------------   -------------
83:4 = 20,75  135:4 = 33,75  104:4     = 26,75  74:4  = 18,50 


Gruppe H mit Spanien hat also den niedrigsten Durchschnitt, dann kommt Gruppe E mit unseren holländischen Freunden, aber dann schon - nur um 0,25 Ranglistenpunkte geschlagen - "unsere" Gruppe D, gleichauf mit der "englischen" Gruppe C. Übrigens heißt es wie immer: Freilos Italien! Und ich war auch sehr überrascht zu sehen, dass Gastgeber Südafrika in der FIFA-Rangliste so weit hinten steht. Ich meine, ich wusste ja, dass sie keine besonders gute Mannschaft haben, aber gleich die Schlechteste von allen, zwei Plätze hinter Nordkorea und neun hinter Neuseeland? Gut, sie hatten keine Quali-Spiele, und Freundschaftsspiele zählen in der Rangliste ungleich weniger, aber dennoch, das wird nicht einfach gegen Frankreich, Uruguay und Mexiko.

Diese Zahlen sind natürlich sehr irreführend. Erstens hat die FIFA-Weltrangliste nur einen begrenzten Aussagewert. Zweitens und vor allem kann man in fast jeder Gruppe eine Mannschaft komplett vergesen, weil sie nicht ernsthaft für einen der ersten beiden Plätze in Betracht kommt. Wenn ich die Mannschaft mit dem jeweils schlechtesten Ranking einmal streiche, ergibt sich folgendes Bild:

Gruppenstärke mit 4 Teams   Gruppenstärke mit 3 Teams
1. Gruppe H (18,50)         1. Gruppe G (07,66)
2. Gruppe E (20,75)         2. Gruppe H (12,00)
3. Gruppe D (21,00)         3. Gruppe E (13,33)
   Gruppe C (21,00)         4. Gruppe A (13,66)
5. Gruppe B (22,50)         5. Gruppe b (14,00)
6. Gruppe G (26,75)         6. Gruppe D (15,66)
7. Gruppe A (31,75)         7. Gruppe C (17,00)
8. Gruppe F (33,75)         8. Gruppe F (22,66)

Fazit: Über unsere Gruppe können wir uns wirklich nicht beschweren. Allerdings sind bis auf die echte "Killergruppe" G (Brasilien) und die "Kindergruppe" F (Italien) alle Gruppen sehr ausgeglichen. Hätten Frankreich und Slowenien die Plätze getauscht, wäre es perfekt gewesen. Alles in allem wurde aber auch so brillant gelost!

Am spannendsten wird es m.E. in den Gruppen A und G zugehen. In Gruppe A (Frankreich, Uruguay, Mexiko und Gatsgeber Südafrika) kommen alle Mannschaften für ein Weiterkommen in Frage, in Gruppe G befinden sich mit Brasilien, Portugal und der Elfenbeinküste drei sehr ambitionierte Mannschaften, von denen eine schon in der Vorrunde nach Hause fahren muss.

Soviel zu den Gruppen. Eigentlich war das schon viel zu viel, denn um ganz ehrlich zu sein: Die Gruppen interessieren mich wenig bis gar nicht. Das Entscheidende trug sich bereits in den ersten zwei Minuten der Auslosung zu: Welcher Kopf kommt in welche Gruppe? Denn dadurch entscheidet sich, welche Mannschaften im Achtel- und Viertelfinale gegeneinander antreten müssen. Und DAS ist doch wirklich wichtig, denn wer zweifelt daran, dass wir die Vorrunde überstehen werden (zur Erinnerung: Deutschland ist noch NIE bei einer WM in der Vorrunde gescheitert)?

Und da sieht es nicht schlecht aus, meine ich. Wir treten gegen die Köpfe der Gruppen A-C an, also gegen Südafrika, England und Argentinien. Okay, statt Südafrika setze ich einmal Frankreich ein, den nach FIFA-Ranking wahren Kopf der Gruppe A. Dann ergibt das eine Liste von ganz ordentlichen Gegnern, aber Frankreich, England und Argentinen lesen sich für meine Augen immer noch wesentlich besser als Holland, Brasilien, Italien und Spanien, die Köpfe der Gruppen E-H, auf die wir nun frühestens im Halbfinale treffen können.

Bei den potenziellen Gruppenzweiten sieht es etwas neutraler aus: Mexiko, USA und Nigeria könnten unsere Gegner sein, in den Gruppen E-H stehen z.B. Dänemark, Paraguay, Portugal und die Schweiz zur Wahl. Würden wir Gruppenerster, träfen wir im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe C, also vielleicht die USA. Würden wir nur Zweiter, drohte - genau wie 2006 - ein frühes Duell mit England. Ich glaube aber nicht, dass es so kommen wird, denn England sollte Gruppe C ebenso gewinnen wie wir Gruppe D. Meine Tipps lauten:

Vorrundensieger:
Gruppe A: Frankreich, Mexiko
Gruppe B: Argentinien, Nigeria
Gruppe C: England, USA
Gruppe D: Deutschland, Serbien
Gruppe E: Holland, Dänemark
Gruppe F: Italien, Paraguay
Gruppe G: Brasilien, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz

Daraus errechnen sich folgende Playoffs:

Achtelfinale:
Frankreich - Nigeria      (Sieger: Frankreich)
Argentinien - Mexiko      (Sieger: Argentinien)
Deutschland - USA         (Sieger: Deutschland)
England - Serbien         (Sieger: England)
Holland - Paraguay        (Sieger: Holland)
Italien - Dänemark        (Sieger: Italien)
Brasilien - Schweiz       (Sieger: Brasilien)
Spanien - Portugal        (Sieger: Spanien)

Viertelfinale:
Frankreich - England      (Sieger: England)
Argentinien - Deutschland (Sieger: Deutschland)
Italien - Spanien         (Sieger: Spanien)
Holland - Brasilien       (Sieger: Holland)

Halbfinale:
Spanien - Deutschland     (Sieger: Spanien)
Holland - England         (Sieger: Holland)

Finale:
Spanien - Holland         (Sieger: Spanien)


Wie man sieht, traue ich den Afrikanern überhaupt nichts zu. Natürlich kann ich mich auch irren. Die Elfenbeinküste hat die Chance, sich in Gruppe G gegen Brasilien oder Portugal durchzusetzen, aber wer würde darauf wetten? Ebenso könnte Gastgeber Südafrika über sich hinauswachsen, aber ich glaube eher, dass der Heimvorteil in einen Nachteil umschwenken wird, wenn sie gleich das Auftaktspiel gegen Mexiko verlieren. Vielleicht kommt Algerien weiter, kann sein, aber die besten Chancen hat m.E. fast Ghana in der deutschen Gruppe. Selbst wenn eine afrikanische Mannschaft weiter kommt, ist im Achtelfinale Schluss.

Argentinien und Brasilien fliegen bei mir im Viertelfinale 'raus. Argentinien hat sich nur mit Mühe qualifiziert, und ihr "Trainer" Maradona hat natürlich überhaupt keine Ahnung vom Trainergeschäft. Ich glaube daher nicht, dass sie eine besonders gute Rolle spielen werden. Und bei Brasilien sehe ich bis auf Kaka plötzlich keine Superstars mehr. Gut, sie werden nicht noch einmal den Fehler von 2006 machen und auf müde Altstars setzen, aber WEN haben die eigentlich noch?

Nein, ich sehe die Europäer ganz klar vorne. Spanien scheint zur Zeit unschlagbar, wobei ich allerdings ganz mutig sage: Wenn sie einer schlägt, dann wir! Wir spielen für sie unangenehm, hart am Mann, kompakt, nie aufgebend. Das mögen sie nicht. Da sie jedoch die eindeutig bessere Mannschaft haben, sehe ich sie gleichwohl als Weltmeister, aber ganz ohne Hoffnung wäre ich im direkten Duell gegen sie nicht. Ehrlich gesagt würde ich trotz 2008 lieber gegen sie spielen als gegen Italien. Auch Holland muss nicht unbedingt sein, obwohl wir bei einer WM noch nie gegen sie verloren haben, glaube ich (ich erinnere mich spontan an zwei Siege und ein Remis).

Warten wir's ab. Ebenso wie Jogi Löw bin ich jedenfalls schon voll im WM-Fieber!

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<01.12.09>
Wie man ein Geschenk richtig verpackt
Mein alljährlicher "kleiner Weihnachtshelfer" hat sich für viele Leserinnen und Leser bereits zu einem unentbehrlichen Ratgeber entwickelt. Schneeschaufeln, Lichterketten anbringen, juristisch korrektes Wichteln und weihnachtliches Gestalten einer Homepage wollen eben gelernt sein. 2009 nun wende ich mich einem leidigen Thema zu, das vor allem uns Männer alle Jahre wieder beschäftigt: Wie verpacke ich mein Geschenk richtig?

Nun, bevor ich mich der Lösung dieses Problems zuwende, möchte ich - ganz Jurist - das Wort "richtig" zunächst einmal definieren. Unter einer "richtigen" Verpackung verstehe ich eine solche, die unter vertretbarem Zeit- und Kostenaufwand zustande kommt und dabei gleichzeitig das Geschenk so herausputzt, dass die Freude des Beschenkten über das Geschenk mit der Verpackung größer ist als ohne sie.

Hierzu eines vorweg: Natürlich kann man sich dicke Bücher zum Thema Einpacken kaufen. Nur werden darin leider ausschließlich Beispiele für Verpackungen präsentiert, die jeden Zeit- und Kostenaufwand sprengen: Oma Berta faltet die Geldscheine für Enkel Kevin in vierstündiger Kleinarbeit zu Laubfröschen, Opa Heinrich wuchtet für Omas neue Bluse eine Schaufensterpuppe ins Wohnzimmer, und Vatter schüttet zur Präsentation der gemeinsamen Nordseereise mit Mutti einen Deich im Garten auf.

Nein, jedenfalls für Männer ist das nichts, schon gar nicht für berufstätige. Deshalb lege ich meinen folgenden Tipps die Prämisse zugrunde, dass zu Verpackungszwecken das gute, alte Geschenkpapier zur Anwendung kommen soll. Um selbiges mit möglichst ökono-mischem Zeitaufwand verwenden und gleichzeitig ein möglichst attraktives Erschei-nungsbild erzielen zu können, habe ich ein Schema entwickelt, das ich seit Jahren mit großem Erfolg anwende, wobei es sich selbstverständlich nicht nur an Weihnachten, sondern überhaupt immer eignet, wenn Geschenke einzupacken sind:

Ebene 1 ist selbsterklärend: Am Anfang steht natürlich der Kauf des Geschenks.

Ebene 2: Am einfachsten ist es, wenn das Geschenk bereits im Geschäft verpackt ist bzw. verpackt wird. Manche Geschenke beinhalten ihre eigene Verpackung, z.B. der immer wieder gern gesehene Frühstückskorb. Bei anderen gehört eine kostenlose Verpackung im Geschäft zum Standard, z.B. bei Büchern oder Parfüm. Hat man das Glück, sich für ein solches Geschenk entschieden zu haben, muss man sich keine weiteren Sorgen machen.

Ebene 3: Bedarf das Geschenk einer eigenen Verpackung, ist es Glück im Unglück, ein viereckiges Geschenk (oder jedenfalls ein Geschenk in einem viereckigen Karton, wie z.B. ein Elektrogerät) gewählt zu haben. Denn im Grunde gibt es für Verpackungskünstler nur zwei Sorten von Geschenken: Viereckige und Sonstige. Bei viereckigen Geschenken ist alles kein Problem, man kann sie ohne große Mühe mit Geschenkpapier umwickeln, und es sieht immer gut aus. Bei allen anderen Geschenken sieht eine Umwicklung mit Geschenkpapier hingegen immer scheiße aus. Bei Geschenken ganz ohne Kanten (z.B. einem Fußball) sogar richtig scheiße, egal was man macht und wieviel Mühe man sich gibt.

Ebene 4: Für diese Problemfälle gibt es daher meinen wichtigsten Tipp überhaupt: Mach' es viereckig! Eine passende Schachtel ist schnell gefunden, und schwupps ist alles geritzt. Für kleinere Geschenke gibt es sogar passende Geschenkboxen, die selbst das Umwickeln mit Geschenkpapier entbehrlich machen. Eine wirklich sehr segensreiche Erfindung.

Ebene 5: Echte Härtefälle sind unförmige Geschenke, die sich auch nicht viereckig machen lassen. Dies ist besonders bei großen Geschenken der Fall, Fahrrad aufwärts würde ich sagen. Und auch Lebewesen sind problematisch, eine Katze beispielsweise wird sich kaum in eine Schachtel pressen lassen (jedenfalls nicht lebend). Da hilft nur eines: Mach' ein Surrogat viereckig! Das Auto passt nicht in einen Karton, aber der Autoschlüssel in jedem Fall. Den Wellensittich kann man nicht einpacken, wohl aber das Vogelfutter. Damit sollte wieder alles in Butter sein.

Allerdings gibt es einen ganz geringen Prozentsatz von Geschenken, die weder im Geschäft verpackt werden, noch viereckig sind, noch sich viereckig machen lassen, noch surrogierbar sind. Steht man mit dem Geschenkpapier in der Hand vor einem solchen, versagt selbst das obige Schema. Dann hilft nur noch Umtauschen. Auf dem Weg zurück zum Geschäft sollte man sich allerdings eine letzte Frage stellen: Musste es wirklich unbedingt der rosa Elefant sein?

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