<23.12.08>
Der berühmteste lebende Mensch
In den letzten Wochen habe ich eine Biografie über Albert Einstein gelesen, in der beiläufig erwähnt wurde, dass Einstein einmal zur berühmtesten lebenden Persönlichkeit seiner Zeit gewählt worden ist. Dabei habe ich mich gefragt, wer diesen Titel wohl heutzutage gewinnen würde.

Wer also ist 2008 die berühmteste lebende Person? Keine ganz leicht zu beantwortende Frage, finde ich. Anknüpfend an Einstein fiel mir spontan Stephen Hawking ein, also ein anderer Physiker. Aber nein, Hawking ist mit Einstein überhaupt nicht zu vergleichen. Ich will Hawking nicht kleiner machen als er ist, aber seinen Bekanntheitsgrad verdankt er doch in erster Linie seiner Behinderung. Ich bezweifele, dass er sonst außerhalb eines interessierten Fachkreises überhaupt bekannt wäre, geschweige denn berühmt.

Andere Naturwissenschaftler kann man wohl auch ausschließen, ebenso die Mediziner, denn die Vertreter dieser Zünfte sind allesamt so berühmt, dass mir kein einziger weiterer Kandidat einfällt.

Wie wäre es aber mit einem Politiker? Also z.B. George W. Bush oder Barack Obama? Nein, denn wir suchen ja nicht die bekannteste, sondern die berühmteste Person. "Berühmt" zu sein setzt eine herausragende Lebensleistung voraus, die allgemein respektiert (um nicht zu sagen: gerühmt) wird. Obama hat noch nichts geleistet, er kann sich allerdings in acht Jahren noch einmal melden, wenn er die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt hat. Hingegen würde es mich sehr überraschen, wenn George W. Bush jemals etwas zustande brächte. Bekannt und nicht berühmt im o.g. Sinne ist ferner Massenmörder Osama Bin Laden.

Wie wäre es mit einem Schauspieler? Meines Erachtens ist es schon gar nicht leicht zu beantworten, wer eigentlich der berühmteste Schauspieler ist. Ich würde mich für Robert de Niro entscheiden, der sowohl die herausragende Leistung als auch den nötigen Bekanntheitsgrad hat. Andere würden Tom Cruise nennen, den ich jedoch bestenfalls als mittelmäßigen Schauspieler und ambivalente Persönlichkeit einstufen würde. Die großen Schauspielerinnen sind leider alle tot, alles was heute noch 'rumläuft ist Gemüse.

Bei den Sängerinnen und Sängern sieht es nicht viel besser aus. Michael Jackson kann man nicht als herausragende Persönlichkeit bezeichnen, auch wenn er wirklich nichts mit Kindern gehabt haben sollte, weil er psychisch nicht auf der Höhe ist. Als Musiker war er hingegen sicherlich einmal der berühmteste der Welt. Nein, statt seiner bin ich geneigt, Bruce Springsteen zu nennen, der sich seit 30 Jahren in der Spitzengruppe hält (seine Tournee 2008 war die weltweit zweitertragreichste nach Bon Jovi). Aber hat er in Asien und Südamerika wirklich Berühmtheit erlangt? Eher nicht. Auch dürften sich Anhänger klassischer Musik nicht für ihn interessieren, ebensowenig Fans des Trashmetal. An der fehlenden globalen Bedeutung ihrer Person und/oder ihrer Musikrichtung scheitern auch andere Kandidaten wie Bob Dylan, Madonna und Placido Domingo.

Literaten scheiden m.E. ganz aus. Man muss sich nur die Liste der Literaturnobelpreisträger ansehen um zu erkennen, dass es keinen zeitgenössischen Autoren von herausragender Bedeutung gibt. Brecht war groß, Hemingway auch, aber die sind tot.

Ebenso tief in der Krise steckt die Kunst. Heute gibt es doch nur noch namenlose Kleckser, die allenfalls durch Schockwerbung auf sich aufmerksam machen können und/oder nur einem kleinen Expertenkreis bekannt sind. Picasso, Dali, van Gogh, Monet oder meinetwegen auch Warhol - DAS waren Namen. Picasso dürfte ohne Übertreibung die berühmteste Persönlichkeit seiner Zeit gewesen sein, aber leider hat er schon lange den Pinsel abgegeben.

Dann also Sport? Michael Schumacher ist der beste Formel-1-Fahrer aller Zeiten, und ich nehme an, dass man ihn weltweit kennt. Privat hat er sich nichts zu schulden kommen lassen, aber er ist andererseits so farblos, dass er als berühmte Persönlichkeit ausscheidet. Zu einer Persönlichkeit gehört eben auch Charisma, und das vermisse ich bei Schumi leider.

Überhaupt ist der Sport kein gutes Betätigungsfeld für diese Wahl. Tiger Woods ist im Golf ebenso überragend wie Schumi es in seinem Sport war, und dazu besitzt er Charisma. Aber dann könnte man auch Roger Federer nennen, oder Michael Phelbs oder Diego Maradona (dessen privaten Lebenswandel einmal außer acht gelassen). Nein, bei den Sportstars lässt sich kein eindeutiger Favorit ausmachen. Nehmen wir nur Maradona: Man kann ja schon darüber streiten, ob Maradona überhaupt der berühmteste Fußballer ist, angesichts der Konkurrenz durch die Herren Beckenbauer, Pele und Zidane. Wie soll er dann der größte Sportler sein? Dann müsste Fußball bedeutender sein als Formel 1, Tennis, Golf usw. Ob dies der Fall ist, ist mindestens zu einem guten Teil Ansichtssache. Und selbst wenn man eindeutig einen berühmtesten Sportler küren könnte, wäre er dann wirklich die größte Persönlichkeit überhaupt? Nehmen wir Schumi: Wer wollte im Ernst einen Menschen, der nichts anderes kann als ein Auto schnell im Kreis zu fahren, zur berühmtesten lebenden Persönlichkeit küren?

Nein, die überragende Lebensleistung muss irgendwie die Gesellschaft verändert haben. So wie Einstein unser Weltbild verändert hat, muss die heutzutage berühmtetse Person auch die Welt verändert haben. Zum Besseren natürlich. Nur, leider sind viele Weltverbesserer tot, wie Martin Luther King oder Mahatma Ghandi. Auch Papst Johannes Paul II. lebt nicht mehr, und sein Nachfolger hat nichts verbessert (und weil Johannes Paul II. tot ist, muss ich auch nicht diskutieren, ob er etwas verbessert hat). Wie wäre es denn mit dem Dalai Lama? Der ist zumindest sehr bekannt und außerhalb Chinas allgemein geachtet. Ob er die Welt verbessert hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Immerhin würde ich ihn auf Platz 3 meiner persönlichen Liste setzen.

Zweiter wird Nelson Mandela. Zwar kann man sehr darüber streiten, ob er es war, der die Rassentrennung in Südafrika überwunden hat, aber unbestritten sind seine Verdienste in der Folge des Machtwechsels. Wer hätte gedacht, dass der Machtübergang trotz jahrzehntelanger Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen so vergleichsweise friedlich verlaufen würde? Ohne Mandela wäre dies nicht möglich gewesen, vermutlich hätte es ein Gemetzel gegeben.

Dass er meine persönliche Liste nicht anführt, liegt nur daran, dass es noch eine andere Persönlichkeit gibt, deren Verdienste noch bedeutender und noch globaler zu bewerten sind als die Mandelas. Mit der Nennung dieses Namens küre ich nun zugleich meinen persönlichen Sieger: Ladies and Gentlemen, die berühmteste lebende Persönlichkeit heißt...

...Michail Gorbatschow. Den kalten Krieg zu beenden und den Kommunismus zu überwinden ist eine große, herausragende Leistung, die (selbstverständlich) mit dem Friedensnobelpreis gekürt wurde. Und auch wenn man darüber streiten darf, ob Genosse Gorbatschow alles genau so wollte, wie es sich nachher abgespielt hat, so hat seine liberale Politik doch unzweifelhaft unzähligen Menschen eine nie gekannte Freiheit gegeben. Dass er auch knapp zwanzig Jahre nach seiner Zeit an der Macht noch einen großen internationalen Bekanntheitsgrad hat, dürfte ebenfalls außer Frage stehen. Privat hat er sich auch nie etwas zu schulden kommen lassen, und dass er Charisma hatte, musste ihm am Ende selbst Ronald Reagan bescheinigen.

Also, Glückwunsch an Gorbi!

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<13.12.08>
Greg Maddux retired
Greg Maddux, mein Lieblings-Baseballspieler, hat am letzten Montag in seiner Heimatstadt Las Vegas seinen Abschied vom aktiven Sport verkündet. Er beendet damit eine glanzvolle Karriere, die ihm in fünf Jahren einen Platz in der "Hall of Fame" des Baseballs in Cooperstown einbringen wird. Grund genug für mich, einen kleinen Rückblick zu wagen:

Greg begann seine Karriere 1986 bei den Chicago Cubs, für die er auch den ersten seiner insgesamt vier "Cy Young Awards" für den besten Pitcher der Liga gewann. 1993 wechselte er dann zu meinem Lieblingsverein, den Atlanta Braves. Dort spielte er für 11 extrem erfolgreiche Jahre, gekrönt vom Gewinn der World Series 1995, bevor er wieder zu den Cubs zurückging. Seine letzten Stationen waren dann die LA Dodgers, die San Diego Padres und zuletzt wieder die LA Dodgers, mit denen er 2008 noch einmal die Playoffs erreichte.

Warum interessiere ich mich eigentlich für diesen Spieler? Auf den ersten Blick gibt es doch gar nichts Besonderes an ihm. Sicher, er hat eine sehr erfolgreiche Karriere hingelegt. Er dürfte in seiner Generation unstreitig der beste Pitcher (Werfer) der Major League Baseball gewesen sein. Schwer zu sagen, welchen Platz er historisch einnimmt, aber unter einigen tausend Pitchern in der über 130jährigen Geschichte des professionellen Baseballs steht er sicherlich in den Top 10, meines Erachtens sogar in den Top 5.

Aber große Erfolge haben auch andere errungen. Das ist es also nicht allein. Nein, es ist vielmehr die Art und Weise, wie er zu seinen Erfolgen gekommen ist. Das fängt bei seiner Erscheinung an. Niemand, der Greg Maddux auf der Straße trifft, würde in ihm einen herausragenden Sportler sehen. Er ist ein wenig korpulent, trägt eine Brille und sieht insgesamt aus wie ein Buchhalter. Genau der Typ, der beim Straßenspiel als letzter gewählt würde und ins Tor müsste. Und dennoch entpuppte sich ausgerechnet dieser etwas weichlich wirkende Junge aus Texas als überragendes Pitchertalent. Nicht wegen eines besonders harten Wurfs, nein, diesbezüglich lagen seine Werte immer deutlich unter dem Durchschnitt. Greg hat seine Erfolge vielmehr zwei anderen Faktoren zu verdanken: Seinem Verstand und seiner exzellenten Kontrolle über den Ball. Er konnte unglaublich genau werfen, und er sah während des Spiels Dinge, die keinem anderen auffielen. Eine solche Spielintelligenz kann man nicht lernen, sie ist angeboren. Er konnte die Schlagmänner reihenweise zur Verzweiflung bringen, indem er ihnen immer genau den Wurf servierte, mit dem sie gerade nicht rechneten. Kein Zufall natürlich, sondern das Resultat genauer Beobachtungsgabe und akribischer Vorbereitung. Dass in einer Zunft, die überwiegend aus Muskelbergen besteht, die Dir einen Baseball mit 100 mph zwischen die Augen setzen können, ausgerechnet der eine der Beste von allen ist, der selten über 85 mph kommt und aussieht wie ein Muttersöhnchen, hat mich einfach fasziniert.

Hinzu kam, dass mit ihm eine Jugenderinnerung wieder auflebte. Als Teenager interessierte ich mich in puncto Sport eigentlich nur für Fußball, und Karl-Heinz Rummenigge war mein großes Idol. Er war auch der Grund, warum ich Bayernfan geworden bin, während alle um mich herum für Gladbach, Schalke oder Dortmund waren. Als Kalle damals seinen Wechsel zu Inter Mailand bekannt gab, war ich sehr verunsichert, weil ich mich innerlich fragte, ob mit Kalles Abgang wohl auch mein Interesse am FC Bayern nachlassen würde. Erfreut und erleichtert stellte ich jedoch schließlich fest, dass dem nicht so war. Damals habe ich auch oft darüber nachgedacht, zu wem ich wohl gehalten hätte, wenn Kalle mit Inter gegen den FCB gespielt hätte. Zum Glück hat es dieses Spiel nie gegeben (bei Inter gegen den HSV war ich übrigens für Inter, und dann machte Kalle auch noch das Siegtor in Hamburg!!!). Heute kenne ich die Antwort: Ich wäre für Bayern gewesen, ein 5:4 hätte es sein sollen, mit vier Rummenigge-Toren für Inter.

Was Kalle Rummenigge im Fußball war, das war Greg Maddux im Baseball. Als Kalle Rummenigge die Bayern 1984 gen Mailand verließ, war ich ganze 14 Jahre alt. Als Greg Maddux 2004 von den Atlanta Braves zu den Chicago Cubs zurückging, hatte ich 20 Jahre mehr auf dem Buckel, und dennoch fühlte ich exakt die selbe Ungewissheit wie damals: Würde mein Interesse an den Atlanta Braves oder gar am Baseball insgesamt nachlassen? Zu wem würde ich halten, wenn Greg mit seinem neunen Verein gegen die Braves anzutreten hätte?

Wie schön, dass auch die Antworten exakt die selben waren: Ich bin immer noch Bravesfan, und wenn Greg gegen Atlanta den Mound betrat, was mehrfach vorkam, hoffte ich immer auf ein 0:0 bis zum 8. Inning, dann auf einen Pitcherwechsel und schließlich ein 1:0 für die Braves. Irgendwie erleichtert es mich, dass mein Interesse in puncto Fußball und Baseball eben nicht nur einem Spieler, sondern einem Team und der Sportart insgesamt gilt.

Trotzdem ist es schade, dass Spieler wie Kalle und Greg nicht mehr aktiv sind. Ich befürchte, es wird so schnell keinen Sportler mehr geben, für den ich eine ähnliche Begeisterung empfinden kann. Trotz eines weinenden Auges überwiegt anlässlich des Rücktritts von Greg Maddux jedoch die Dankbarkeit für die vielen tollen Jahre, besonders natürlich die im Trikot der Braves. Zum Schluss noch ein Blick auf Gregs "Career Totals" nach 23 Jahren:
 

W L ERA  G GS CG SHO IP H R ER BB K
355 227 3.16 744 740 109 35 5008.1 4726 1981 1756 999 3371


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<05.12.08>
Der Prophet im eigenen Lande
Die Sportkommentare auf FOCUS Online waren schon immer schlecht. Aber was da heute über Premiere-Sportchef Marcel Reif zu lesen war, setzt allem die Krone auf. Hier Auszüge:

"Dünkelhaft und missmutig vermittelt er den Eindruck, als habe ihn sein Arbeitgeber ins Fußballstadion strafversetzt. Premiere-Abonnenten zahlen hohe Gebühren, weil sie sich auf Übertragungen freuen, Stadionbesucher reisen weit für ihr Hobby, aber der meist maulende Reif verdirbt ihnen die gute Laune."

Oder:

"Er ist ein Spielverderber, ein Partyschreck, ein Joykiller. Der nölende Reif vermiest Millionen ihr Vergnügen. Sie würden gern einen Euro mehr zahlen, wenn sie mit der Optionstaste einen anderen Kommentator wählen könnten. Oder – billiger – sein Sender schickt ihn mal zur Schach-Olympiade."

Erst dachte ich, der Autor - ein Herr Moritz Rodach - erlaubt sich einen Scherz. Aber nein, er meint es ernst. Dieser Autor ist offensichtlich ein großer Fan der Dahlmann-Generation, die jede noch so unwichtige Aktion MEGA, GEIL, HYPER, SUPER oder - Dahlmanns Lieblingswort - WAHNSINN findet. Und natürlich darf man ein Spiel nicht einfach kommentieren, mit einer gewissen Distanz zum Geschehen gar, sondern muss mitschreien wie der Fan in der Südkurve! Darauf freut man sich ja schließlich, wenn man ein Fußballspiel einschaltet. Und der böse Onkel Marcel verdirbt einem den ganzen Spaß. Und dies laut Rodach sogar "dem Stadionbesucher, der weit für sein Hobby gereist" ist! Ja, klar, selbiger hat wahrscheinlich einen Fernseher mit ins Stadion gebracht, damit er Reif auf premiere hören kann (bzw. muss). Oder wird Reif gar auf die Stadionlautsprecher geschaltet?

Mit den auf dem Rasen gezeigten Leistungen hat Reifs Kommentar natürlich nichts zu tun. Da wird ja ÜBERRAGENDES geboten in der Bundesliga. Einfach GEIL, wie da gespielt wird. MEGA! Bochum gegen Cottbus, ehrliche Malocher, Ost gegen West, wer käme da nicht ins Schwärmen? Bielefeld gegen Gladbach, da ist die Hütte voll, da wird gekämpft um jeden Zentimeter, hellwach sind die Jungs, da geht es um Existenzen. SUPER, da freue ich mich drauf. Da reise ich weit, da habe ich gute Laune. Oder - HYPER, HYPER - der KSC zu Gast in Stuttgart, einfach GALAKTISCH, dieses Schwabenderby, so voller Emotionen, da brennt der Rasen, Party pur!

Und dann erst unsere Stars. Der Weltfußball gibt sich ja die Klinke in die Hand in der Bundesliga. ÜBERRAGEND, diese Typen. Kuranyi zum Beispiel, was der am Ball kann, dafür habe ich keine Worte. Doch, eines: WAHNSINN! Als Schalke-Fan freut man sich die ganze Woche darauf, ihn zu sehen, und dann kommt da dieser alte Joykiller und ruiniert einem das ganze Spiel. Hat der Reif doch tatsächlich die Stirn, nach einer hundertprozentigen Torchance anzumerken, dass man den auch hätte versenken dürfen, für fünf Mio im Jahr! Der spinnt wohl. Unser Kevin, der hat das nicht verdient. Wenn den einer ausbuht, dann wir selbst! Das ist Party, das ist Joy. Außerdem kriegt er sechs Mio im Jahr, nicht fünf.

Nein.

Marcel Reif ist nicht nur der beste Sportreporter in Deutschland, er ist m.E. der einzige, der diese Bezeichnung noch verdient. Zur Erinnerung: "Reporter" kommt von "report", was bekanntlich "berichten" bedeutet, nicht "verkaufen". Viele andere kommen mir vor wie Marktschreier, die ihr Produkt an den Mann bringen wollen. Lautstärke ersetzt Qualität. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist es nicht ganz so schlimm, aber dort sitzen leider inkompetente Vollidioten, die vom Fußball keine Ahnung haben. Nur ein Beispiel: Natürlich war am 1:1-Ausgleich unserer Jungs gegen die Engländer beim letzten Länderspiel allein der englische Torwart schuld. Bela Rethy hatte schließlich auch irgendwo aufgeschnappt, dass England ein Torwartproblem hat. "Calamity James" heißt der ja mit Spitznamen. Dass aber John Terry in jener Szene den Ball dreimal auf die Tribüne dreschen oder wenigstens zum Keeper hätte zurückspielen können, ohne das irgend etwas passiert wäre, blieb völlig unerwähnt. Stattdessen versuchte Terry Helmes zu blocken, mitten auf dem Feld, und das auch noch so ungeschickt, dass Helmes nicht einmal besondere Mühe hatte, sich durchzusetzen. Vielleicht hätte James rufen sollen, aber Terry hatte Helmes ja ohnehin bemerkt, was also wäre gewonnen gewesen? Und selbst wenn der Keeper ein Mitverschulden gehabt haben mag - Terrys Rolle gänzlich zu verschweigen zeugt von einer Ahnungslosigkeit, die ich einfach unwürdig finde.

Bei Marcel Reif gibt es fachliche Fehlleistungen diessr Art nicht. Er sagt einfach was er sieht, und das zumeist in sehr höflicher Form. Wenn ein Spiel wirklich schlecht ist, dann nennt er das Niveau "höchst überschaubar", obwohl er auch "grottenschlecht" sagen könnte. Dahlmann würde bei einem 0:0 zwischen Cottbus und Frankfurt hingegen von "brennendem Rasen", einer "irren Spannung", einer "echten Schlacht" usw. faseln, und "gewinnen können Sie auch noch was, liebe Zuschauer".

Übrigens es ist auch nicht so, dass Reif nicht lobt. Nur muss man sich das Lob eben ehrlich verdienen. Ribery kommt bei ihm gut weg, ebenso Hoffenheim, deren Stil er erfrischend und deren Konzept er professionell findet. Und das trifft es eben genau - erfrischendes Spiel, professionelles Konzept. Klar, man kann die Tore von Ibisevic auch als GEIL, WAHNSINN usw. bezeichnen, aber was ist dadurch gewonnen? Haben sich die Herren Dahlmann und Co. mal überlegt, was das Wort "Wahnsinn" wirklich bedeutet? Und, let's face it, außer Ribery und Hoffenehim gibt es in der Bundesliga in diesem Jahr wenig zu loben. Hertha vielleicht noch, aber die kommentiert Reif selten.

Hinzu kommt, dass Reif Analysen bietet, die man von anderen Reportern praktisch überhaupt nicht mehr hört. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, Nebensätze, aber gerade diese machen für mich die Klasse von Reif aus. Er kann z.B. direkt nach dem Lob für Ribery die Bemerkung anschließen, dass Bayern arg von ihm abhänge, wie der Saisonverlauf zeige. Klinsmann, so seine Schlussfolgerung, habe mit dem Ab und Auf der Bayern weitaus weniger zu tun als Riberys Verletzung. Da hat er Recht, finde ich, aber darum geht es gar nicht, denn selbst wenn man diese Auffassung nicht teilt - dass er so etwas überhaupt äußert, statt nur ständig Superlative über den Sender zu schreien, empfinde ich als derart erfrischend und niveauvoll, dass ich auch zehn Euro mehr zahlen würde, wenn ich Reif immer hören könnte.

Vielleicht ist Reif einfach nichts für den schlichten Verstand eines Herrn Moritz Rodach von FOCUS Online. Wenn man Partygeschrei hören will, ist er der Falsche, das gebe ich zu.

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<01.12.08>
Wie man eine Homepage weihnachtlich gestaltet
Alle Jahre wieder gebe ich in meinem kleinen Weihnachtshelfer nützliche Tipps rund um das heilige Fest. Auf diese Weise habe ich bereits Leben gerettet, zahllose Menschen vor dem Wahnsinn bewahrt und ein wenig Licht in das juristische Dunkel der Wichtelei gebracht. In diesem Jahr nun dreht sich alles um das unsere Zeit so beherrschende Thema: Die Optik.

In diesen Tagen verspüre ich das Bedürfnis, die Menschen im weltweiten Netz an jener christlichen Vorfreude auf das Fest teilhaben zu lassen, die mein Herz so reich erfüllt. Nichts ist seliger als Teilen, das wussten schon St. Martin und Walter Ulbricht. Auf einer Homepage richtige Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, ist allerdings kein ganz leichtes Unterfangen, wie ich erfahren musste. Um potenziellen Nachahmern die vielen Stunden des Grübelns, Probierens und Scheiterns zu ersparen, die ich in den vergangenen Tagen durchlebte, habe ich nachfolgend die wichtigsten Schritte rekapituliert:

1. Festlegung des Farbschemas
Hier gibt es keine Kompromisse. Der Tannenbaum ist grün, die Kutte vom Nikolaus rot, der Schnee weiß. In meinem Fall heißt das:
 

Aus

 

 
 

 
 
 

 
 
 

wird

 

 
 

 
 
 

 
 
 

Jetzt müssen nur noch schwupps alle Grafiken entsprechend angepasst (das heißt: neu erstellt) werden - und fertig! Dieser Prozess dauert kaum mehr als eine Woche, ist also nicht der Rede wert. Ein Mouseover über das folgende Bild zeigt die sich schließlich ergebende Metamorphose:
 

2. Einbau kleiner Accessoires
Schon mal nicht schlecht, aber noch ein bisschen lieblos. Abhilfe schaffen ein paar geschickt eingestreute Weihnachtssymbole. Hierbei ist darauf zu achten, dass sie in das Farbschema passen. Zipfelmütze (rot) und Mistelzweig (grün) bieten sich an, vielleicht auch ein Schneemann (weiß). Natürlich kann es auch ein Rentier sein (wichtig: die rote Nase), meinetwegen auch ein Kind in einer Krippe. Am schönsten ist es, wenn die Symbole hübsch in das Gesamtdesign integriert werden. Vom quer über den Bildschirm fliegenden Engel oder dem in die Ecke kotzenden Rentier rate ich daher ab. In meinem Fall wurden die Accessoires in die Tabellen und Schriften eingebaut, aus denen meine Homepage besteht.
 

Ganz wichtig: Die entsprechenden Grafiken darf man nicht einfach aus dem Netz saugen, wenn man weiterhin ruhig schlafen will. Eine zwischen Weihnachten und Neujahr zugestellte Abmahnung lässt die Weihnachtsfreude ganz schnell wieder abklingen. Mein Tipp: Cliparts! Wer hat nicht noch eine alte CD mit "100.000 Cliparts" zu Hause herumfliegen? Ich besitze nicht weniger als drei davon, und frei verwendbare Weihnachtssymbole enthielten sie mehr als genug.

3. Die persönliche Note
Zu einer Weihnachtshomepage gehört auch ein Weihnachtsfoto. Dazu baut man zunächst einen Schneemann:

 

Sodann postiert man sich neben jenem Schneemann und fotografiert sich mittels einer Digitalkamera zusammen mit ihm. Um peinlichen Nachfragen von Freunden oder Nachbarn aus dem Weg zu gehen, sollte man einen einsamen Moment abwarten und den Selbstauslöser verwenden. Sodann überarbeitet man das Foto digital und baut es in die Homepage ein. Fertig ist das Wunderwerk:
 

4. Schluss
Nun will die Seite nur noch hochgeladen und getestet werden. Ist auch das geschafft, kann man sich wieder unter den Lebenden zurückmelden. Idealerweise hat man alles bis zum 23.12. fertig, dann bleibt noch ein ganzer Tag Zeit, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

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