|
|

|

|
|
<23.12.08>
Der berühmteste
lebende Mensch
In den letzten
Wochen habe ich eine Biografie über Albert Einstein
gelesen, in der beiläufig erwähnt wurde, dass Einstein
einmal zur berühmtesten lebenden Persönlichkeit seiner
Zeit gewählt worden ist. Dabei habe ich mich gefragt,
wer diesen Titel wohl heutzutage gewinnen würde.
Wer also ist 2008 die berühmteste lebende Person? Keine
ganz leicht zu beantwortende Frage, finde ich.
Anknüpfend an Einstein fiel mir spontan Stephen
Hawking ein, also ein anderer Physiker. Aber nein,
Hawking ist mit Einstein überhaupt nicht zu vergleichen.
Ich will Hawking nicht kleiner machen als er ist, aber
seinen Bekanntheitsgrad verdankt er doch in erster Linie
seiner Behinderung. Ich bezweifele, dass er sonst
außerhalb eines interessierten Fachkreises überhaupt
bekannt wäre, geschweige denn berühmt.
Andere Naturwissenschaftler kann man wohl auch
ausschließen, ebenso die Mediziner, denn die Vertreter
dieser Zünfte sind allesamt so berühmt, dass mir kein
einziger weiterer Kandidat einfällt.
Wie wäre es aber
mit einem Politiker? Also z.B. George W. Bush oder
Barack Obama? Nein, denn wir suchen ja nicht die
bekannteste, sondern die berühmteste Person. "Berühmt"
zu sein setzt eine herausragende Lebensleistung voraus,
die allgemein respektiert (um nicht zu sagen: gerühmt)
wird. Obama hat noch nichts geleistet, er kann sich
allerdings in acht Jahren noch einmal melden, wenn er
die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt hat. Hingegen
würde es mich sehr überraschen, wenn George W. Bush
jemals etwas zustande brächte. Bekannt und nicht berühmt
im o.g. Sinne ist ferner Massenmörder Osama Bin Laden.
Wie wäre es mit einem Schauspieler? Meines Erachtens ist
es schon gar nicht leicht zu beantworten, wer eigentlich
der berühmteste Schauspieler ist. Ich würde mich für
Robert de Niro entscheiden, der sowohl die herausragende
Leistung als auch den nötigen Bekanntheitsgrad hat.
Andere würden Tom Cruise nennen, den ich jedoch
bestenfalls als mittelmäßigen Schauspieler und
ambivalente Persönlichkeit einstufen würde. Die großen
Schauspielerinnen sind leider alle tot, alles was heute
noch 'rumläuft ist Gemüse.
Bei den Sängerinnen und Sängern sieht es nicht viel
besser aus. Michael Jackson kann man nicht als
herausragende Persönlichkeit bezeichnen, auch wenn er
wirklich nichts mit Kindern gehabt haben sollte, weil er
psychisch nicht auf der Höhe ist. Als Musiker war er
hingegen sicherlich einmal der berühmteste der Welt.
Nein, statt seiner bin ich geneigt, Bruce Springsteen zu
nennen, der sich seit 30 Jahren in der Spitzengruppe
hält (seine Tournee 2008 war die weltweit
zweitertragreichste nach Bon Jovi). Aber hat er in Asien
und Südamerika wirklich Berühmtheit erlangt? Eher nicht.
Auch dürften sich Anhänger klassischer Musik nicht für
ihn interessieren, ebensowenig Fans des Trashmetal. An
der fehlenden globalen Bedeutung ihrer Person und/oder
ihrer Musikrichtung scheitern auch andere Kandidaten wie
Bob Dylan, Madonna und Placido Domingo.
Literaten scheiden m.E. ganz aus. Man muss sich nur die
Liste der Literaturnobelpreisträger ansehen um zu
erkennen, dass es keinen zeitgenössischen Autoren von
herausragender Bedeutung gibt. Brecht war groß,
Hemingway auch, aber die sind tot.
Ebenso tief in der Krise steckt die Kunst. Heute gibt es
doch nur noch namenlose Kleckser, die allenfalls durch
Schockwerbung auf sich aufmerksam machen können und/oder
nur einem kleinen Expertenkreis bekannt sind. Picasso,
Dali, van Gogh, Monet oder meinetwegen auch Warhol - DAS
waren Namen. Picasso dürfte ohne Übertreibung die
berühmteste Persönlichkeit seiner Zeit gewesen sein,
aber leider hat er schon lange den Pinsel abgegeben.
Dann also Sport? Michael Schumacher ist der beste
Formel-1-Fahrer aller Zeiten, und ich nehme an, dass man
ihn weltweit kennt. Privat hat er sich nichts zu
schulden kommen lassen, aber er ist andererseits so
farblos, dass er als berühmte Persönlichkeit
ausscheidet. Zu einer Persönlichkeit gehört eben auch
Charisma, und das vermisse ich bei Schumi leider.
Überhaupt ist der Sport kein gutes Betätigungsfeld für
diese Wahl. Tiger Woods ist im Golf ebenso überragend
wie Schumi es in seinem Sport war, und dazu besitzt er
Charisma. Aber dann könnte man auch Roger Federer
nennen, oder Michael Phelbs oder Diego Maradona (dessen
privaten Lebenswandel einmal außer acht gelassen). Nein,
bei den Sportstars lässt sich kein eindeutiger Favorit
ausmachen. Nehmen wir nur Maradona: Man kann ja schon
darüber streiten, ob Maradona überhaupt der berühmteste
Fußballer ist, angesichts der Konkurrenz durch die
Herren Beckenbauer, Pele und Zidane. Wie soll er dann
der größte Sportler sein? Dann müsste Fußball
bedeutender sein als Formel 1, Tennis, Golf usw. Ob dies
der Fall ist, ist mindestens zu einem guten Teil
Ansichtssache. Und selbst wenn man eindeutig einen
berühmtesten Sportler küren könnte, wäre er dann
wirklich die größte Persönlichkeit überhaupt? Nehmen wir
Schumi: Wer wollte im Ernst einen Menschen, der nichts
anderes kann als ein Auto schnell im Kreis zu fahren,
zur berühmtesten lebenden Persönlichkeit küren?
Nein, die überragende Lebensleistung muss irgendwie die
Gesellschaft verändert haben. So wie Einstein unser
Weltbild verändert hat, muss die heutzutage berühmtetse
Person auch die Welt verändert haben. Zum Besseren
natürlich. Nur, leider sind viele Weltverbesserer tot,
wie Martin Luther King oder Mahatma Ghandi. Auch Papst
Johannes Paul II. lebt nicht mehr, und sein Nachfolger
hat nichts verbessert (und weil Johannes Paul II. tot
ist, muss ich auch nicht diskutieren, ob er etwas
verbessert hat). Wie wäre es denn mit dem Dalai Lama?
Der ist zumindest sehr bekannt und außerhalb Chinas
allgemein geachtet. Ob er die Welt verbessert hat,
vermag ich nicht zu beurteilen. Immerhin würde ich ihn
auf Platz 3 meiner persönlichen Liste setzen.
Zweiter wird Nelson Mandela. Zwar kann man sehr
darüber streiten, ob er es war, der die Rassentrennung
in Südafrika überwunden hat, aber unbestritten sind
seine Verdienste in der Folge des Machtwechsels. Wer
hätte gedacht, dass der Machtübergang trotz
jahrzehntelanger Unterdrückung der Schwarzen durch die
Weißen so vergleichsweise friedlich verlaufen würde?
Ohne Mandela wäre dies nicht möglich gewesen, vermutlich
hätte es ein Gemetzel gegeben.
Dass er meine persönliche Liste nicht anführt, liegt nur
daran, dass es noch eine andere Persönlichkeit gibt,
deren Verdienste noch bedeutender und noch globaler zu
bewerten sind als die Mandelas. Mit der Nennung dieses
Namens küre ich nun zugleich
meinen persönlichen Sieger: Ladies and Gentlemen, die
berühmteste lebende Persönlichkeit heißt...
...Michail Gorbatschow. Den kalten Krieg zu beenden und
den Kommunismus zu überwinden ist eine große,
herausragende Leistung, die (selbstverständlich) mit dem
Friedensnobelpreis gekürt wurde. Und auch wenn man darüber
streiten darf, ob Genosse Gorbatschow alles genau so
wollte, wie es sich nachher abgespielt hat, so hat seine
liberale Politik doch unzweifelhaft unzähligen Menschen
eine nie gekannte Freiheit gegeben. Dass er auch knapp
zwanzig Jahre nach seiner Zeit an der Macht noch einen
großen internationalen Bekanntheitsgrad hat, dürfte
ebenfalls außer Frage stehen. Privat hat er sich auch
nie etwas zu schulden kommen lassen, und dass er
Charisma hatte, musste ihm am Ende selbst Ronald Reagan
bescheinigen.
Also, Glückwunsch an Gorbi!
- Zurück zur
Homepage
|
|
<13.12.08>
Greg Maddux retired
Greg Maddux,
mein Lieblings-Baseballspieler, hat am letzten Montag in
seiner Heimatstadt Las Vegas seinen Abschied vom aktiven
Sport verkündet. Er beendet damit eine glanzvolle
Karriere, die ihm in fünf Jahren einen Platz in der
"Hall of Fame" des Baseballs in Cooperstown einbringen
wird. Grund genug für mich, einen kleinen Rückblick zu
wagen:
Greg begann seine Karriere 1986 bei den Chicago Cubs, für die
er auch den ersten seiner insgesamt vier "Cy Young
Awards" für den besten Pitcher der Liga gewann. 1993
wechselte er dann zu meinem Lieblingsverein, den Atlanta
Braves. Dort spielte er für 11 extrem erfolgreiche
Jahre, gekrönt vom Gewinn der World Series 1995, bevor
er wieder zu den Cubs zurückging. Seine letzten
Stationen waren dann die LA Dodgers, die San Diego
Padres und zuletzt wieder die LA Dodgers, mit denen er
2008 noch einmal die Playoffs erreichte.
Warum interessiere ich mich eigentlich für diesen
Spieler? Auf den ersten Blick gibt es doch gar nichts
Besonderes an ihm. Sicher, er hat eine sehr erfolgreiche
Karriere hingelegt. Er dürfte in seiner Generation
unstreitig der beste Pitcher (Werfer) der Major League
Baseball gewesen sein. Schwer zu sagen, welchen Platz er
historisch einnimmt, aber unter einigen tausend Pitchern
in der über 130jährigen Geschichte des professionellen
Baseballs steht er sicherlich in den Top 10, meines
Erachtens sogar in den Top 5.
Aber große Erfolge haben auch andere errungen. Das ist
es also nicht allein. Nein, es ist vielmehr die Art und
Weise, wie er zu seinen Erfolgen gekommen ist. Das fängt
bei seiner Erscheinung an. Niemand, der Greg Maddux auf
der Straße trifft, würde in ihm einen herausragenden
Sportler sehen. Er ist ein wenig korpulent, trägt eine
Brille und sieht insgesamt aus wie ein Buchhalter. Genau
der Typ, der beim Straßenspiel als letzter gewählt würde
und ins Tor müsste. Und dennoch entpuppte sich
ausgerechnet dieser etwas weichlich wirkende Junge aus
Texas als überragendes Pitchertalent. Nicht wegen eines
besonders harten Wurfs, nein, diesbezüglich lagen seine
Werte immer deutlich unter dem Durchschnitt. Greg hat
seine Erfolge vielmehr zwei anderen Faktoren zu
verdanken: Seinem Verstand und seiner exzellenten
Kontrolle über den Ball. Er konnte unglaublich genau
werfen, und er sah während des Spiels Dinge, die keinem
anderen auffielen. Eine solche Spielintelligenz kann man
nicht lernen, sie ist angeboren. Er konnte die
Schlagmänner reihenweise zur Verzweiflung bringen, indem
er ihnen immer genau den Wurf servierte, mit dem sie
gerade nicht rechneten. Kein Zufall natürlich, sondern
das Resultat genauer Beobachtungsgabe und akribischer
Vorbereitung. Dass in einer Zunft, die überwiegend aus
Muskelbergen besteht, die Dir einen Baseball mit 100 mph
zwischen die Augen setzen können, ausgerechnet der eine
der Beste von allen ist, der selten über 85 mph kommt
und aussieht wie ein Muttersöhnchen, hat mich einfach
fasziniert.
Hinzu kam, dass mit ihm eine Jugenderinnerung wieder
auflebte. Als Teenager interessierte ich mich in puncto
Sport eigentlich nur für Fußball, und Karl-Heinz
Rummenigge war mein großes Idol. Er war auch der Grund,
warum ich Bayernfan geworden bin, während alle um mich
herum für Gladbach, Schalke oder Dortmund waren. Als
Kalle damals seinen Wechsel zu Inter Mailand bekannt
gab, war ich sehr verunsichert, weil ich mich innerlich
fragte, ob mit Kalles Abgang wohl auch mein Interesse am
FC Bayern nachlassen würde. Erfreut und erleichtert
stellte ich jedoch schließlich fest, dass dem nicht so
war. Damals habe ich auch oft darüber nachgedacht, zu
wem ich wohl gehalten hätte, wenn Kalle mit Inter gegen
den FCB gespielt hätte. Zum Glück hat es dieses Spiel
nie gegeben (bei Inter gegen den HSV war ich übrigens
für Inter, und dann machte Kalle auch noch das Siegtor
in Hamburg!!!). Heute kenne ich die Antwort: Ich wäre
für Bayern gewesen, ein 5:4 hätte es sein sollen, mit
vier Rummenigge-Toren für Inter.
Was Kalle Rummenigge im Fußball war, das war Greg Maddux
im Baseball. Als Kalle Rummenigge die Bayern 1984 gen
Mailand verließ, war ich ganze 14 Jahre alt. Als Greg
Maddux 2004 von den Atlanta Braves zu den Chicago Cubs
zurückging, hatte ich 20 Jahre mehr auf dem Buckel, und
dennoch fühlte ich exakt die selbe Ungewissheit wie
damals: Würde mein Interesse an den Atlanta Braves oder
gar am Baseball insgesamt nachlassen? Zu wem würde ich
halten, wenn Greg mit seinem neunen Verein gegen die
Braves anzutreten hätte?
Wie schön, dass auch die Antworten exakt die selben
waren: Ich bin immer noch Bravesfan, und wenn Greg gegen
Atlanta den Mound betrat, was mehrfach vorkam, hoffte
ich immer auf ein 0:0 bis zum 8. Inning, dann auf einen
Pitcherwechsel und schließlich ein 1:0 für die Braves.
Irgendwie erleichtert es mich, dass mein Interesse in
puncto Fußball und Baseball eben nicht nur einem
Spieler, sondern einem Team und der Sportart insgesamt
gilt.
Trotzdem ist es schade, dass Spieler wie Kalle und Greg
nicht mehr aktiv sind. Ich befürchte, es wird so schnell
keinen Sportler mehr geben, für den ich eine ähnliche
Begeisterung empfinden kann. Trotz eines weinenden
Auges überwiegt anlässlich des Rücktritts von Greg
Maddux jedoch die Dankbarkeit für die vielen tollen
Jahre, besonders natürlich die im Trikot der Braves. Zum
Schluss noch ein Blick auf Gregs "Career Totals" nach 23
Jahren:
|
W |
L |
ERA |
G |
GS |
CG |
SHO |
IP |
H |
R |
ER |
BB |
K |
|
355 |
227 |
3.16 |
744 |
740 |
109 |
35 |
5008.1 |
4726 |
1981 |
1756 |
999 |
3371 |
- Zurück zur
Homepage
|
|
<05.12.08>
Der Prophet im eigenen
Lande
Die
Sportkommentare auf FOCUS Online waren schon immer
schlecht. Aber was da heute über Premiere-Sportchef
Marcel Reif
zu lesen war, setzt allem die Krone auf. Hier
Auszüge:
"Dünkelhaft und
missmutig vermittelt er den Eindruck, als habe ihn sein
Arbeitgeber ins Fußballstadion strafversetzt.
Premiere-Abonnenten zahlen hohe Gebühren, weil sie sich
auf Übertragungen freuen, Stadionbesucher reisen weit
für ihr Hobby, aber der meist maulende Reif verdirbt
ihnen die gute Laune."
Oder:
"Er ist ein
Spielverderber, ein Partyschreck, ein Joykiller. Der
nölende Reif vermiest Millionen ihr Vergnügen. Sie
würden gern einen Euro mehr zahlen, wenn sie mit der
Optionstaste einen anderen Kommentator wählen könnten.
Oder – billiger – sein Sender schickt ihn mal zur
Schach-Olympiade."
Erst dachte ich, der Autor - ein Herr Moritz Rodach -
erlaubt sich einen Scherz. Aber nein, er meint es ernst.
Dieser Autor ist offensichtlich ein großer Fan der
Dahlmann-Generation, die jede noch so unwichtige Aktion
MEGA, GEIL, HYPER, SUPER oder - Dahlmanns Lieblingswort
- WAHNSINN findet. Und natürlich darf man ein Spiel
nicht einfach kommentieren, mit einer gewissen Distanz
zum Geschehen gar, sondern muss mitschreien wie der Fan
in der Südkurve! Darauf freut man sich ja schließlich,
wenn man ein Fußballspiel einschaltet. Und der böse
Onkel Marcel verdirbt einem den ganzen Spaß. Und dies
laut Rodach sogar "dem Stadionbesucher, der weit für
sein Hobby gereist" ist! Ja, klar, selbiger hat
wahrscheinlich einen Fernseher mit ins Stadion gebracht,
damit er Reif auf premiere hören kann (bzw. muss). Oder
wird Reif gar auf die Stadionlautsprecher geschaltet?
Mit den auf dem Rasen gezeigten Leistungen hat Reifs
Kommentar natürlich nichts zu tun. Da wird ja
ÜBERRAGENDES geboten in der Bundesliga. Einfach GEIL,
wie da gespielt wird. MEGA! Bochum gegen Cottbus,
ehrliche Malocher, Ost gegen West, wer käme da nicht ins
Schwärmen? Bielefeld gegen Gladbach, da ist die Hütte
voll, da wird gekämpft um jeden Zentimeter, hellwach
sind die Jungs, da geht es um Existenzen. SUPER, da
freue ich mich drauf. Da reise ich weit, da habe ich
gute Laune. Oder - HYPER, HYPER - der KSC zu Gast in
Stuttgart, einfach GALAKTISCH, dieses Schwabenderby, so
voller Emotionen, da brennt der Rasen, Party pur!
Und dann erst unsere Stars. Der Weltfußball gibt sich ja
die Klinke in die Hand in der Bundesliga. ÜBERRAGEND,
diese Typen. Kuranyi zum Beispiel, was der am Ball kann,
dafür habe ich keine Worte. Doch, eines: WAHNSINN! Als
Schalke-Fan freut man sich die ganze Woche darauf, ihn
zu sehen, und dann kommt da dieser alte Joykiller und
ruiniert einem das ganze Spiel. Hat der Reif doch
tatsächlich die Stirn, nach einer hundertprozentigen
Torchance anzumerken, dass man den auch hätte versenken
dürfen, für fünf Mio im Jahr! Der spinnt wohl. Unser
Kevin, der hat das nicht verdient. Wenn den einer
ausbuht, dann wir selbst! Das ist Party, das ist Joy.
Außerdem kriegt er sechs Mio im Jahr, nicht fünf.
Nein.
Marcel Reif ist nicht nur der beste Sportreporter in
Deutschland, er ist m.E. der einzige, der diese
Bezeichnung noch verdient. Zur Erinnerung: "Reporter"
kommt von "report", was bekanntlich "berichten"
bedeutet, nicht "verkaufen". Viele andere kommen mir vor
wie Marktschreier, die ihr Produkt an den Mann bringen
wollen. Lautstärke ersetzt Qualität. Bei den
öffentlich-rechtlichen Sendern ist es nicht ganz so
schlimm, aber dort sitzen leider inkompetente
Vollidioten, die vom Fußball keine Ahnung haben. Nur ein
Beispiel: Natürlich war am 1:1-Ausgleich unserer Jungs
gegen die Engländer beim letzten Länderspiel allein der
englische Torwart schuld. Bela Rethy hatte schließlich
auch irgendwo aufgeschnappt, dass England ein
Torwartproblem hat. "Calamity James" heißt der ja mit
Spitznamen. Dass aber John Terry in jener Szene den Ball
dreimal auf die Tribüne dreschen oder wenigstens zum
Keeper hätte zurückspielen können, ohne das irgend etwas
passiert wäre, blieb völlig unerwähnt. Stattdessen
versuchte Terry Helmes zu blocken, mitten auf dem Feld,
und das auch noch so ungeschickt, dass Helmes nicht
einmal besondere Mühe hatte, sich durchzusetzen.
Vielleicht hätte James rufen sollen, aber Terry hatte
Helmes ja ohnehin bemerkt, was also wäre gewonnen
gewesen? Und selbst wenn der Keeper ein Mitverschulden
gehabt haben mag - Terrys Rolle gänzlich zu verschweigen
zeugt von einer Ahnungslosigkeit, die ich einfach
unwürdig finde.
Bei Marcel Reif gibt es fachliche Fehlleistungen diessr
Art nicht. Er sagt einfach was er sieht, und das
zumeist in sehr höflicher Form. Wenn ein Spiel wirklich
schlecht ist, dann nennt er das Niveau "höchst
überschaubar", obwohl er auch "grottenschlecht" sagen
könnte. Dahlmann würde bei einem 0:0 zwischen Cottbus
und Frankfurt hingegen von "brennendem Rasen", einer
"irren Spannung", einer "echten Schlacht" usw. faseln,
und "gewinnen können Sie auch noch was, liebe
Zuschauer".
Übrigens es ist auch
nicht so, dass Reif nicht lobt. Nur muss man sich das
Lob eben ehrlich verdienen. Ribery kommt bei ihm gut
weg, ebenso Hoffenheim, deren Stil er erfrischend und
deren Konzept er professionell findet. Und das trifft es
eben genau - erfrischendes Spiel, professionelles
Konzept. Klar, man kann die Tore von Ibisevic auch als
GEIL, WAHNSINN usw. bezeichnen, aber was ist dadurch
gewonnen? Haben sich die Herren Dahlmann und Co. mal
überlegt, was das Wort "Wahnsinn" wirklich bedeutet?
Und, let's face it, außer Ribery und Hoffenehim gibt es
in der Bundesliga in diesem Jahr wenig zu loben. Hertha
vielleicht noch, aber die kommentiert Reif selten.
Hinzu kommt, dass Reif Analysen bietet, die man von
anderen Reportern praktisch überhaupt nicht mehr hört.
Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, Nebensätze, aber
gerade diese machen für mich die Klasse von Reif aus. Er
kann z.B. direkt nach dem Lob für Ribery die Bemerkung
anschließen, dass Bayern arg von ihm abhänge, wie der
Saisonverlauf zeige. Klinsmann, so seine
Schlussfolgerung, habe mit dem Ab und Auf der Bayern
weitaus weniger zu tun als Riberys Verletzung. Da hat er
Recht, finde ich, aber darum geht es gar nicht, denn
selbst wenn man diese Auffassung nicht teilt - dass er
so etwas überhaupt äußert, statt nur ständig Superlative
über den Sender zu schreien, empfinde ich als derart
erfrischend und niveauvoll, dass ich auch zehn Euro mehr
zahlen würde, wenn ich Reif immer hören könnte.
Vielleicht ist Reif einfach nichts für den schlichten
Verstand eines Herrn Moritz Rodach von FOCUS Online.
Wenn man Partygeschrei hören will, ist er der Falsche,
das gebe ich zu.
- Zurück zur
Homepage
|
|
<01.12.08>
Wie man eine Homepage
weihnachtlich gestaltet
Alle Jahre
wieder gebe ich in meinem kleinen Weihnachtshelfer
nützliche Tipps rund um das heilige Fest. Auf diese
Weise habe ich bereits
Leben gerettet, zahllose Menschen vor dem
Wahnsinn bewahrt und ein wenig
Licht in das juristische Dunkel der Wichtelei
gebracht. In diesem Jahr nun dreht sich alles um das
unsere Zeit so beherrschende Thema: Die Optik.
In diesen Tagen verspüre ich das Bedürfnis,
die Menschen im weltweiten Netz an jener christlichen Vorfreude
auf das Fest teilhaben zu lassen, die mein Herz so reich
erfüllt. Nichts ist seliger als Teilen, das wussten
schon St. Martin und Walter Ulbricht. Auf einer Homepage
richtige Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, ist
allerdings kein ganz leichtes
Unterfangen, wie ich erfahren musste. Um potenziellen
Nachahmern die vielen Stunden des Grübelns, Probierens
und Scheiterns zu ersparen, die ich in den vergangenen
Tagen durchlebte, habe ich nachfolgend die wichtigsten
Schritte rekapituliert:
1. Festlegung des Farbschemas
Hier gibt es keine Kompromisse. Der Tannenbaum ist grün,
die Kutte vom Nikolaus rot, der Schnee weiß. In meinem
Fall heißt das:
Jetzt müssen nur noch
schwupps alle Grafiken entsprechend angepasst (das
heißt: neu erstellt) werden - und fertig! Dieser Prozess
dauert kaum mehr als eine Woche, ist also nicht der Rede
wert. Ein Mouseover über das folgende Bild zeigt die
sich schließlich ergebende Metamorphose:
2. Einbau kleiner Accessoires
Schon mal nicht schlecht, aber noch ein bisschen
lieblos. Abhilfe schaffen ein paar geschickt
eingestreute Weihnachtssymbole. Hierbei ist darauf zu
achten, dass sie in das Farbschema passen. Zipfelmütze
(rot) und Mistelzweig (grün) bieten sich an, vielleicht
auch ein Schneemann (weiß). Natürlich kann es auch ein
Rentier sein (wichtig: die rote Nase), meinetwegen auch
ein Kind in einer Krippe.
Am schönsten ist es, wenn die Symbole hübsch in das
Gesamtdesign integriert werden. Vom quer
über den Bildschirm fliegenden Engel oder dem in die Ecke
kotzenden Rentier rate ich daher ab. In meinem Fall
wurden die Accessoires in die
Tabellen und Schriften eingebaut, aus denen meine Homepage
besteht.
Ganz wichtig: Die entsprechenden Grafiken darf man nicht
einfach aus dem Netz saugen, wenn man weiterhin ruhig
schlafen will. Eine zwischen Weihnachten und Neujahr
zugestellte Abmahnung lässt die Weihnachtsfreude ganz
schnell wieder abklingen. Mein Tipp: Cliparts! Wer hat
nicht noch eine alte CD mit "100.000 Cliparts" zu Hause
herumfliegen? Ich besitze nicht weniger als drei davon,
und frei verwendbare Weihnachtssymbole enthielten sie mehr als genug.
3. Die persönliche Note
Zu einer Weihnachtshomepage gehört auch ein
Weihnachtsfoto. Dazu baut man zunächst einen Schneemann:
Sodann postiert man
sich neben jenem Schneemann und fotografiert sich
mittels einer Digitalkamera zusammen mit ihm. Um
peinlichen Nachfragen von Freunden oder Nachbarn aus dem
Weg zu gehen, sollte man einen einsamen Moment abwarten
und den Selbstauslöser verwenden. Sodann überarbeitet man
das Foto digital und baut es in die Homepage ein. Fertig
ist das Wunderwerk:
4. Schluss
Nun will die Seite nur noch hochgeladen und
getestet werden. Ist auch das geschafft, kann man sich
wieder unter den Lebenden zurückmelden. Idealerweise hat
man alles bis zum 23.12. fertig, dann bleibt noch ein
ganzer Tag Zeit, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.
- Zurück zur
Homepage |
|
|
|
|
|