<23.12.06>
Wie man eine Lichterkette installiert

In der beliebten Rubrik "Kleiner Weihnachtshelfer" hatte ich im ersten Teil aufgezeigt, wie man das Schneeschaufeln überlebt. Da Schnee in diesem Jahr an Weihnachten nicht zu erwarten ist, wende ich mich einem anderen beliebten Thema zu: Lichterketten.

Zu jedem anständigen Weihnachten gehört ein Tannenbaum. Und zu jedem Tannenbaum gehört eine festliche Beleuchtung. Am besten sind natürlich echte Kerzen. Aber wer schon einmal versucht hat, eine brennende Gardine zu löschen oder einen unterversicherten Hausrat bei der Versicherung abzurechnen, wird offenes Feuer in der Nähe brennbarer Einrichtungsgegenstände scheuen. Es bleibt die gute, alte Lichterkette. Damit deren Installation nicht auf der Krankenstation, im Irrenhaus oder in langen Diskussionen mit der Ehefrau endet, gehe man nach folgender Anleitung vor:

1. Auswahl
Die Geschmäcker sind verschieden. Nicht jeder möchte gleich viele Lichter am Baum haben. Aber für eine Tanne von 2 Meter Höhe - darunter ist es mE kein Baum, sondern ein Bäumchen - sollten es nicht weniger als 150 Lichter sein, wenn man eine einigermaßen ausgewogene Beleuchtung ohne dunkle Stellen anstrebt. Am besten eignen sich dann zwei Ketten, eine zu 100 und eine zu 50 Lichtern, denn die lassen sich flexibler einsetzen als eine lange Kette.

2. Auspacken
Dieser Punkt ist im ersten Jahr noch recht einfach, denn ab Werk sind die Ketten (meistens) so verpackt, dass es auch dem Laien gelingt, gleich zu Punkt 3 überzugehen. Hat man die Kette aber bereits einmal in Gebrauch gehabt, sieht sie meistens so aus:
 


 
Schaubild 1: Gebrauchte Lichterkette

Kriegsentscheidend ist in dieser Lage, die Kette so zu entwirren, dass sich aus ihr ein Kreis legen lässt, ohne dass die Lichter noch ineinander verknotet sind:
 


 
Schaubild 2: Entwirrte Lichterkette

Gelingt es auch nach ca. einer halben Stunde nicht, einen solchen Kreis zu legen, sollte man den Versuch aufgeben und im Baumarkt eine neue Kette erwerben. Allein wegen dieser Möglichkeit empfiehlt es sich auch, die Lichter nicht erst am 24. Dezember anzubringen, wenn womöglich alle Geschäfte schon geschlossen sind.

3. Funktionsprüfung
Zu allererst steckt man den Stecker einmal in die Dose, um zu überprüfen, ob die Kette wirklich funzt. Ich kann mich an eine Geschichte von meinem Schwiegervater erinnern, der 300 Lichter an seinem Tannenbaum hatte und danach feststellen musste, dass sie nicht funktionierten, weil eine der 300 in Reihe geschalteten Glühlampen defekt war - welche auch immer! Modernere Ketten funktionieren übrigens auch noch, wenn die eine oder andere Lampe defekt ist.

4. Anbringen der Kette
Zweckmäßigerweise fängt man unten am Baum an und werkelt sich langsam um den Baum herum nach oben. Unten ist der Baum breiter, dort benötigt man also wesentlich mehr Kerzen. Merkt man unterwegs, dass man nicht hinkommt, lässt es sich nach oben hin wesentlich leichter korrigieren als nach unten hin. Außerdem ist die Steckdose zumeist unten, und würde man oben anfangen, müsste man das Kabel vom Stecker bis zur ersten Lampe am Baum hochlaufen lassen.

5. Die einzelnen Lichter
Wichtig ist, dass die Lichter aufrecht stehen. Sonst sieht man sie im Extremfall gar nicht, weil ihr Licht unter den Zweigen verborgen ist, oder sie sehen zumindest nicht nach Kerzen aus:
 

 
Schaubild 3: Links eine falsch angebrachte Kerze, rechts
steht die Kerze korrekt.

6. Platz lassen
Ein Tannenbaum besteht nicht nur aus Lichtern! Kugeln, Schleifen, Lametta und dergleichen brauchen auch ihren Platz. Es empfiehlt sich daher dringend, Lücken frei zu lassen. Da man die Kugeln üblicherweise an den Enden der Zweige anbringt, sollte man die Lichter eher etwas weiter innen am Stamm drapieren:
 


 
Schaubild 4: Die Lichter sind weiter innen angebracht,
so dass das Ende der Zweige für Kugeln udgl. frei bleibt

7. Gesamtergebnis überprüfen
Ist der Baum fertig bestückt, sollte man das Gesamtergebnis eines kritischen Blickes würdigen, bevor man die Ehefrau zur Endabnahme herbei ruft. Ideal ist, wenn das Lichterbild die dreieckige Struktur des Baumes wiedergibt. In diesem Fall kann man sich sicher sein, für eine ausgewogene Beleuchtung gesorgt zu haben:
 

 
Schaubild 5: Zweimal der fertige Baum.
Die Lichter ergeben ein Dreick.

Die Erstellung des abgebildeten Werkes (Baum 2,10 m, 175 Lichter) hat vom Auspacken bis zum Endstadium ca. 90 Minuten gedauert, und es hat - wie jedes Jahr - einen Riesenspaß gemacht! Daher noch ein letzter Tipp: Man sollte während der Arbeit keine Motorsäge zur Hand haben, denn sonst kann man mit Sicherheit irgendwann der Versuchung nicht mehr widerstehen, sich abzureagieren und es der Tanne samt Kette heimzuzahlen!

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<21.12.06>
Schade, schade...

Okay, es geht nicht anders. Ich sehe es ein und füge mich. Man kann in Deutschland als Privatmann keine vernünftige Internet-Homepage betreiben, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen oder sich gar strafbar zu machen.

Gerade in jüngster Vergangenheit haben wieder einige große Magazine wie FOCUS und SPIEGEL (Heft 46/06) über Fälle berichtet, in denen arg- und wehrlose Betreiber von privaten Homepages mit Abmahnungen überzogen wurden, nur weil sie ein Foto verwendet hatten, dass sie von irgendwo her aus dem Internet kopiert hatten. In einem extremen Fall kostete die Verwendung eines Auszugs aus einem Stadtplan als Anfahrtskizze einen Schachclub über 1000 Euro an Anwalts- und Lizenzgebühren. Grundlage dieser Abmahnungen sind Verstöße gegen das deutsche Urheberrecht, das selbstverständlich auch im Internet gilt. Und wenn man ein fremdes Foto oder einen fremden Text verwendet, verstößt man gegen die Urheberrechte des Fremden. Findet der über eine Suchmaschine seine urheberrechtlich geschützten Werke auf Seiten Dritter wieder, steht man schon mit einem Bein über dem Abgrund. Es fehlt noch ein Anwalt, und schon flattert einem eine Abmahnung nebst Anforderung von Lizenzgebühren und Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung ins Haus. Die Kosten hierfür können leicht mehrere tausend Euro betragen, denn die Anwaltskosten sind als Schaden auch ersatzfähig, und sie bemessen sich nach dem sogen. Streitwert, der in diesen Fälle nahezu beliebig in die Höhe getrieben werden kann. Und selbst wenn einem der Streitwert (gerne 30.000 Euro und mehr für die Verwendung eines einfachen Fotos) zu hoch erscheint, müsste man einen Prozess führen, der ein erhebliches Risiko birgt. Und unterliegt man tatsächlich vor Gericht (oder schließt einen Vergleich), liegen die dafür angefallenen Kosten noch einmal in ähnlicher Höhe. Da lässt man es lieber gleich ganz sein und zahlt.

Um es klar zu sagen: Urheberrechtsschutz muss sein. Ich persönlich finde aber dieses Abmahnwesen, wo Anwälte für den Aufwand von 2 Minuten für einen Schriftsatz, der vorformuliert auf dem PC gespeichert ist und teilweise hundertfach 'rausgehauen wird, von privaten Homepagebetreibern vierstellige Summen einfordern, einfach schäbig. Das mag Mindermeinung in meinem Berufsstand sein, aber das ist mir egal.

Trotzdem, die Rechtslage gibt es her, also wird es gemacht. Zwar will unsere Justizministerin Zypries den Abmahnwahn eindämmen, indem die Anwaltskosten für geringe Fälle auf 50 Euro beschränkt werden sollen. Aber wer Frau Zypries kennt der weiß, dass das noch Jahre dauern kann, wenn überhaupt was kommt. Und Sicherheit gäbe eine solche Regelung auch nicht, denn selbst wenn man die 50 Euro für den Anwalt noch riskieren wollte - von der Forderung von Lizenzgebührens ist man keinesfalls geschützt.

Ich habe mich angesichts dieser Ausgangslage entschlossen, sämtliche Bereiche meiner Homepage, die nicht zu 100% frei von Urheberrechten Dritter sind, vom Netz zu nehmen. Das tut mir sehr Leid für alle Fans von Horatio Hornblower, Bruce Springsteen, Bayern München, Greg Maddux und all den anderen Helden meiner Seiten, aber es geht nicht anders. Das Risiko ist mir einfach zu groß geworden, denn mit der Bekanntheit meiner Seiten steigt auch die Gefahr, dass mal ein schwarzes Schaf von Rechtsanwalt hier vorbei schaut und noch etwas Geld verdienen will.

Anlass war übrigens die Reaktion von nicht weniger als drei (!) Lesern auf einen Beitrag über Eva Green, den manch einer vielleicht schon vermisst haben wird. In diesem hatte ich auch vier Fotos benutzt, die im Internet zu finden waren, und besagte Leser hatten mich darauf aufmerksam gemacht, dass dergleichen mächtig riskant sein kann, wenn der betreffende Fanclub erst einmal davon weiß. Deshalb ist dieser Beitrag gänzlich aus dem Weblog verschwunden. Das erste (und letzte) Mal, dass ich einen Beitrag komplett wieder löschen musste! In einigen weiteren (älteren) Beiträgen musste ich ein paar Links löschen und zwei Bilder 'rausnehmen (u.a. leider das von Beckham beim Elfmeter), ansonsten müsste im Bereich Weblog alles wasserdicht sein.

Weiterhin Online halten werde ich meine Biografie (die gehört mir!), das Weblog und meine Reiseseiten. Die "Frage des Tages" natürlich auch. Und - um noch etwas Positives zu vermelden - ich habe sogar eine neue Rubrik geschaffen, die "Top 10", die jetzt im Menü am linken Rand aufrufbar ist. Dort sind Links zu den 10 besten Beiträgen eines jeden Jahres enthalten, die es verdient haben, verewigt zu werden. Bei der Auswahl habe ich mich von besonders positiven Rückmeldungen, teilweise aber auch einfach von meinem persönlichen Geschmack leiten lassen. Ferner habe ich darauf geachtet, dass die ausgewählten Beiträge nicht allzu sehr auf tagesaktuelle Dinge bezogen waren, so dass sie sich auch nach längerer Zeit noch zu lesen lohnen.

Wenn sich irgendwann einmal etwas an der Rechtslage zugunsten so harmloser Internet-Nutzer wie meiner Wenigkeit ändert, werde ich sicher auch alle anderen Bereiche wieder online stellen, aber bis dahin streiche ich die Segel. Mit einer Träne im Knopfloch, wie sich jeder denken kann, denn ich habe unzählige Stunden in diese Seiten investiert und viel positives Feedback erhalten.

Schade, schade.

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<15.12.06>
Neulich bei Karstadt

"Das Zweitschlimmste am Leben eines Prominenten ist, wenn man ständig in der Öffentlichkeit erkannt wird. Das Schlimmste ist, wenn man nicht mehr erkannt wird." So sprach, glaube ich, einmal der große deutsche Philosoph Dieter Thomas Heck. Nun bin ich kein Prominenter und werde wie Millionen andere Normalbürger wohl nie nachvollziehen können, ob der Satz zutrifft oder nicht. Aber im Kleinen, im ganz Kleinen, hatte ich letzte Woche ein Erlebnis, das mich ein bisschen von der Glitzerwelt der Reichen und Schönen erahnen ließ. Der Reihe nach:

Ich wollte noch eben schnell bei Karstadt Geschenkpapier einkaufen. Nun muss man wissen, dass sich der Stand mit dem Geschenkpapier bei Karstadt in Münster direkt neben der Bücherabteilung befindet, und da ich gerne lese, wagte ich trotz fortgeschrittener Mittagspause noch einen kleinen Abstecher dorthin. Mehr oder weniger planlos in den Regalen stöbernd fiel mir plötzlich eine recht attraktive junge Dame auf, die mich zu beobachten schien und die verlegen zur Seite sah, als sich unsere Blicke kreuzten.

Zwar kommt es nicht alle Tage vor, dass mich junge Damen beobachten, aber ganz so selten ist es nun auch wieder nicht. Berufsbedingt komme ich nämlich mit vielen Studierenden Mitte zwanzig in Kontakt, deren Kenntnisse im öffentlichen Recht ich als Dozent eines großen deutschen Repetitoriums im Rahmen von Schulungskursen zu verbessern versuche. So habe ich im Laufe der Jahre vielen hundert Kursteilnehmern vorgestanden, und dass ich einigen von ihnen auch privat einmal über den Weg laufe, ergibt sich fast zwangsläufig. Dem Dozenten außerhalb des Kurses zu begegnen scheint etwas Besonderes zu sein, jedenfalls fällt mir gelegentlich auf, dass man mich mustert oder hinter meinem Rücken tuschelt.

An die erste Begegnung dieser Art erinnere ich mich noch genau, es muss 1997 gewesen sein. Ich saß im Kino und hörte hinter mir ein unaufhörliches Geplapper, das meine Aufmerksamkeit erregte, weil ich mehrmals meinen Namen vernommen zu haben glaubte. Als ich mich leicht genervt umdrehte, um die Schnatterliesen in Augenschein zu nehmen, blickte ich in die verdutzten Gesichter von drei oder vier Kursteilnehmerinnen, die sich offensichtlich über mich und meine Begleitung unterhielten und denen es anscheinend sehr peinlich war, dass ich sie gesehen und gehört hatte.

Der häufigste Ort der Begegnung ist jedoch die Fußgängerzone. Kommen mir aktuelle Kursteilnehmer entgegen, sagen sie zumeist nur kurz "Hallo", und mehr erwidere ich dann auch nicht, weil ich mich nicht anbiedern will. Ehemalige hingegen sprechen mich des Öfteren an und erzählen mir locker-freundlich, wie es ihnen nach dem Rep. so ergangen ist. Darüber freue ich mich immer sehr, und natürlich interessiert mich auch jeder einzelne Fall, selbst wenn ich mich manchmal an den Namen der betreffenden Person nicht mehr erinnern kann. Meistens muss ich das übrigens auch gar nicht, denn viele stellen sich mir nochmals höflich vor. Soziale Kontakte dieser Art sind eine der erfreulichsten Begleiterscheinungen in meinem Beruf. Wen würde es nicht freuen zu erfahren, dass aus einem grünen Anfänger etwas geworden ist, und dass dieser grüne Anfänger auch Jahre später offenbar noch der Meinung ist, man selbst habe etwas dazu beigetragen?

Wenn ich mir auch Namen nicht merken kann - für Gesichter habe ich ein sehr gutes Gedächtnis, und die junge Dame bei Karstadt hatte ich noch nie gesehen. Der wahrscheinlichste Fall - ehemalige Kursteilnehmerin - schied also aus. Was könnte noch der Grund dafür sein, dass sie mich jetzt schon zum zweiten Mal über ihren Buchrand hinweg ansah? Hatte ich vielleicht Spinat auf dem Hemd? Kurzer Blick, nein, alles in Ordnung. Eine Kaufhausdetektivin? Nein, ausgeschlossen, viel zu auffällig. Was sonst?

Nun, lange musste ich auf die Aufklärung nicht warten, denn kaum hatte ich mir Gedanken gemacht, legte besagte junge Dame auch schon ihr Buch zur Seite und kam auf mich zu:

Sie: "Hallo, Entschuldigung, ich glaube wir kennen uns".
Ich: "Zu mir oder zu Dir?"
Sie: "Bitte?"
Ich: "Ach nichts. Ich meinte nur, ich kann mich leider gar nicht erinnern..."
Sie: "Du hast doch eine Homepage im Internet."


Ich weiß nicht, ob man es mir angesehen hat, aber an dieser Stelle war ich platt (was nicht oft vorkommt). Noch nie hatte mich jemand Unbekanntes in der Öffentlichkeit auf meine HP angesprochen. Woher sie das denn wisse, fragte ich, nachdem ich meine Fassung wieder erlangt hatte. Nun, sie habe ihrem Freund - GRUMPF - Karten für einen Auftritt von "Herbert Knebels Affentheater" schenken und diese nett verpacken wollen, habe zu diesem Zweck nach Bildern von Hebbert und Konsorten im Internet gesucht und sei dabei irgendwie auf meine Seite gestoßen. Dort habe sie neben den gesuchten Bildern auch einen Bericht von mir über eine Lesung entdeckt, auf der sie zufällig auch gewesen sei. Sie habe sich köstlich über den Bericht amüsiert und schaue seitdem relativ regelmäßig auf meinen Seiten vorbei. Ja, und an dem Foto auf meiner Startseite habe sie mich wieder erkannt. Ich sei sehr witzig, meinte sie. Meinen Namen kannte sie auch, ungefähr jedenfalls.

Natürlich habe ich mich artig für die Komplimente bedankt und sicher hätte ich meinen einzigen Fan auch zu einem Kaffee eingeladen, aber leider ließ die fortgeschrittene Mittagspause dies nicht mehr zu. Also habe ich ihr weiterhin viel Spaß gewünscht und mich höflich verabschiedet.

Wie ich immer auf die Ideen für meine Artikel komme, wollte sie zum Schluss noch wissen. Keine Ahnung, habe ich ehrlich geantwortet.

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<07.12.06>
Essen Motorshow

Die Motorshow in Essen ist eine der größten Messen für Automobile und Tuning weltweit. Über 400.000 Besucher tummeln sich an zehn Messetagen in den Grugahallen in Essen, und wir waren letzen Sonntag mitten unter ihnen.

Nun bin ich kein großer Autokenner, wenngleich ich mich durchaus an einem schnittigen Sportwagen oder einem liebevoll restaurierten Oldtimer erfreuen kann. Ich bin auch kein Seemann und kein Maschinenbauer vor dem Herrn, und dennoch habe ich der "Boot" in Düsseldorf ebenso schon einmal einen Besuch abgestattet wie der Hannovermesse. Neben den jeweiligen Exponaten ist es für mich nämlich vor allem interessant, in eine Sozialsphäre einzutauchen, die mir im Alltag eher selten geboten wird. Und so wie die Freizeitkapitäne auf der "Boot", die Filzomas auf der "Artwent" und die Ingenieure auf der Hannovermesse ein eigenes Völkchen sind, das zu beobachten sich gelohnt hat, so sind es auch die "Fachbesucher" der Essen Motorshow.

Ganz billig war das Vergnügen allerdings nicht, denn an der Kasse waren stolze 16 Euro Einlass fällig. Gut, man konnte sie offenbar verlangen, denn die Hallen waren trotzdem proppenvoll:
 

Geboten wurde einem auch einiges für's Geld, denn die Motorshow erstreckte sich auf sämtliche Hallen der nicht gerade kleinen Essener Gruga. Vier räumlich gut voneinander getrennte Hauptkategorien ließen sich unterscheiden, nämlich Tuning, Oldtimer, Straßen- und Rennautos. Diese unterschiedlichen Kategorien zogen natürlich auch unterschiedliche Besucher an, wobei der Tuning-Bereich der mit Abstand interessanteste war:

Der durchschnittliche Besucher der Tuninghallen der Essen Motorshow ist zwischen 18 und 25 Jahre alt, männlich und Ausländer, vorzugsweise mit Vorfahren aus dem ost- oder südeuropäischen Raum. Ich habe selten so viele picklige Jünglinge mit Gel in den Haaren und einem brandneuen Doppelauspuff unter dem Arm gesehen wie an diesem Sonntag Vormittag. Die meisten jener Fahranfänger waren in Begleitung ihrer gleich gesinnten und gleich gestylten Kollegen, mit denen sie sich in einer Sprache unterhielten, in der wohl einzelne deutsche Vokabeln vorkamen, aber vorwiegend solche, deren Bedeutung ich nicht kenne. "Boa krass ey wie dat funzt." Einige hatten auch ihre Freundinnen mitgebracht, wobei Freundin und Kollegen sich ausschlossen. Besagte Freundinnen entsprachen zu 95% dem Frisösen-Klischee, das offenbar gar kein Klischee ist. Ohne Makeup, das jedem Showgirl im Moulin Rouge Ehre gemacht hätte, ging bei den Damen gar nichts. Und Stiefel, überall Stiefel! Knielang, vorzugsweise aus schwarzem Leder und vorzugsweise zu Minirock oder Jeans, wobei die Jeans stets in den Stiefeln getragen wurde. Übrigens bewies sehr zu meinem Leidwesen nicht jede Passantin bei der Entscheidung zwischen Minirock oder Jeans die nötige Demut vor der eigenen Figur.

Über den Tuninghallen lag ein Geruch, den ich als gelungene Mischung aus Fett und Nikotin beschreiben möchte. Kein Wunder, denn es gab an jeder Ecke eine Pommesbude, und die Raucherquote unter den Tuningfreunden beträgt offensichtlich 100%. Außerdem war es sehr stickig, ja fast heiß. Mal ein Fenster auf Kippe zu stellen oder die Klimaanlage in Betrieb zu nehmen ist offenbar niemandem eingefallen. Etwas besser war es in den Oldtimerhallen und dort, wo die großen Automobilkonzerne ausstellten, schon allein deshalb, weil dort weniger Menschen waren. 80% des Betriebes spielte sich im Bereich Tuning ab.

Mit Tuning kann ich persönlich übrigens nicht viel anfangen. Richtig witzig finde ich nur die Showcars mit Whirlpool auf der Rückbank, LCD-Monitoren in den Kopfstützen und beleuchtetem Unterboden. Solche gab es in Essen natürlich auch, wenngleich weniger als ich erwartet hatte. Bei normalen Autos mit Straßenzulassung wirkt Tuning auf mich aber in aller Regel eher prollig als edel, selbst bei werksnahen Tunern wie AMG.

Meine persönlichen Messehighlights fanden sich daher an anderer Stelle, vor allem bei den Oldtimern. Klare Nummer 1 (nicht nur auf meiner Liste) war ein wunderbar erhaltener Mercedes 300 SL, natürlich mit Flügeltüren und natürlich in silber. Zu allem Überfluss hatte der Aussteller jenes zum "Sportwagen des Jahrhunderts" gekürten Automobils auch noch einige junge Damen eingestellt, die unablässig die Motorhaube abstaubten. Was gibt es erotischeres als Frauen in knapper Bekleidung, die einen 300 SL abstauben? Urteilen sie selbst, meine Damen und Herren:
 

Toll war auch der Stand mit allen Formel-1-Autos der abgelaufenen Saison 2006, unter ihnen das Weltmeisterauto von Fernando Alonso:
 

Aus der Nähe betrachtet wirken die Boliden geradezu winzig. Ich würde z.B. nie und nimmer in ein solches Cockpit passen, obwohl ich nun nicht zu den Größten und Breitesten im Lande gehöre. In einer solchen Schleuder mit 320 km/h über den Asphalt zu donnern muss ein irres Gefühl sein.

Selbstverständlich waren die Formel-1-Autos ebenso unverkäuflich wie der 300 SL und die meisten anderen Oldtimer, unter denen viele Einzelstücke waren, die sicherlich Millionen bringen würden. Gleichwohl ist die Essen Motorshow in erster Linie eine Verkaufsmesse, auf der es so ziemlich alles gibt, was mit Autos zu tun hat. Vom Michael-Schumacher-Rennanzug für Dreijährige über 22-Zoll-Felgen in jeder Form bis hin zum kompletten Replica-Bausatz eines Porsche 550 Spyder. Letzterer war übrigens gar nicht einmal so teuer, für 15.500 Euro hätte man die Karosserie schon bekommen. Gekauft habe ich ihn mir natürlich trotzdem nicht, denn erstens würde ich den Bausatz nie zusammen bekommen und zweitens muss ich ja nicht unbedingt sterben wie James Dean.

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<05.12.06>
Artvent in Herten

Was tun? Diese Frage stellt sich uns an manch verregnetem Sonntag. Die Antwort liefert oft ein Blick in den Veranstaltungskalender NRW. So auch an diesem Wochenende. Es boten sich die Ausstellung "Artvent" im Stadtschloss von Herten und die "Essen Motorshow" in der Grugahalle an. Beide haben wir besucht, und beide hatten ihren eigenen Charme:

Die "Artwent" sollte, wie der gewitzte Name schon suggeriert, eine gelungene Mischung aus Kunst und Advent darstellen. Ca. 40 Aussteller würden, so war es prospektiert, Ausgefallenes zu bezahlbaren Preisen anbieten. Das kann man sich ja mal ansehen, dachten wir. Gesagt, getan. Schon auf dem Parkplatz vor dem Schloss in Herten staunten wir dann nicht schlecht, als uns eine schätzungsweise 70jährige Oma entgegen kam, deren Kleidung von den Schuhen bis zum Hut ausschließlich aus Filz bestand (in jeweils unterschiedlichen Farben übrigens). Gut, Filz ist meines Wissens nach ein Material, das man in der Adventszeit gerne verwendet, um lustige Sterne zu Basteln oder Untersetzer auszuschneiden. Aber Schuhe? Nun, jeder wie er mag, und kalte Füße wird sie bei 13 Grad am 3. Dezember nicht bekommen haben.

Um zum Einlass zu gelangen, musste man den Schlosshof überqueren, auf dem bereits zwei Zelte aufgebaut waren. Eines davon hatte Kerzen und Adventskränze zu verkaufen. Die hätte man leicht klauen können, denn es handelte sich um eines dieser üblichen weißen Hochzeits- und Partyzelte, die einem beim ersten Windstoß um die Ohren fliegen. Und auf dem Schlossplatz kumulierte sich der ohnehin schon böige Wind zu einem regelrechten Sturm, so dass die drei Verkäuferinnen jede an einer Zeltwand standen und je zwei Stützpfeiler verzweifelt mit ausgestreckten Armen festhielten, um das Zelt vor dem Einsturz zu bewahren. Hätte ich das Zelt leer geräumt, wäre es glatt weggeflogen, wenn auch nur eine von ihnen losgelassen hätte um mir nachzustellen. Natürlich habe ich nichts dergleichen versucht, aber Hilfe für die Damen war auch nicht in Sicht. Hart verdientes Brot.

An der Kasse angelangt waren dann 2,50 Euro pro Nase fällig, eingesammelt von einer schätzungsweise 16jährigen Schülerin, die ebenfalls eine Filzhaube trug, welche übrigens mindestens genauso schön war wie die der Oma auf dem Parkplatz. Vielleicht Verwandtschaft? Nein, denn wie sich herausstellte, ist Filz überhaupt DAS Material im Advent 2006. Jedenfalls in Herten. An diversen Ständen wurden Handtaschen, Schuhe, Röcke, Handschuhe, Hüte und Mützen, ja selbst Nasenwärmer aus Filz feil geboten. Die Nasenwärmer hätte ich um ein Haar gekauft, denn zum einen hatte ich durch den Wind draußen einen ganz kalten Zinken, und zum anderen gab es sie im Partnerlook. Aber wir konnten uns dann doch nicht entscheiden, wer jetzt das mausgrau bekommt und wer steingrau tragen muss. Jedenfalls wurde man den Verdacht nicht los, dass die Hertener im Kollektiv eine Filzfabrik geplündert und beschlossen hatten, ihre Beute auf dieser Veranstaltung zu Geld zu machen.

An den wenigen Nicht-Filz-Ständen gab es nichts Besonderes, von Kunst jedenfalls keine Spur. Eine Ausstellerin hatte alte Zeitungen zu Pappmaché verarbeitet, schwarz angepinselt und daraus wunderschöne Töpfe und Teller gebastelt, die sie für nur ca. 50 Euro pro Stück anbot. Gut, man durfte sie nicht benutzen, denn Feuchtigkeit hätte das Werk wieder zerstört, aber ich gehe davon aus, dass ihre potenziellen Kunden sie auch nicht hätten benutzen wollen. Ein anderer hatte faustgroße Steine in der Mitte durchgesägt, eine Glasplatte dazwischen geklebt und das Ganze wieder zusammen geleimt. Auf diese wundersame Weise gewann er also einen Stein mit einer Glasplatte in der Mitte. Auf meine Frage, was das denn darstellen solle, erntete ich nur jenen verwirrten Blick, der großen Künstlern eigen ist, wie ich vermute.

Neben den Filzklamotten, die den Verkäufern quasi aus der Hand gerissen wurden, gab es auch noch jede Menge andere Kleidung für die Dame Ü50 zu kaufen. Alles Handarbeit, versteht sich. Eine Mittfünfzigerin war sich nicht zu schade, live on stage eine Hose anzuprobieren, auf deren Hinterteil in silber "Papa Noel" aufgestickt war. Dass es keine Umkleidekabine gab, störte sie offensichtlich nicht. Die Hose wurde dann aber doch nicht gekauft, weil die Pünktchen über dem "e" von "Noël" fehlten. Das konnte man ohne Anprobe auch nicht feststellen, nehme ich an.

Eine unverzeihliche Sünde der Veranstalter sei zum Abschluss nicht verschwiegen: Es gab keine Fressbuden! Man weiß doch, dass auf jeder, aber auch jeder Ausstellung die Fressbuden viel besser laufen als die eigentlichen Verkaufsstände. Wenn man schon keine CPM anbieten wollte, weil es nicht zum intendierten Niveau gepasst hätte, so wären zumindest ein Waffelstand und eine Bude mit Glühwein angebracht gewesen. So verließen wir den "Artvent" in Herten ohne Filznasenwärmer, aber mit knurrendem Magen.

Von der Essen Motorshow, die mindestens ebenso viel zu bieten hatte, berichte ich dann ein anderes Mal.

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<02.12.06>
Casino Royale

Der neue James-Bond-Film "Casino Royale" läuft seit einiger Zeit im Kino. Ich bin zwar kein besonders großer Fan der Bond-Filme, sehe sie aber hin und wieder ganz gerne. Und wenn ein neuer Hauptdarsteller geboten wird, zahle ich sogar an der Kinokasse, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. So geschehen letzten Dienstag.

Eines vorweg: Nachdem ich an dieser Stelle neulich einen anderen Kinofilm besprochen habe, erreichten mich einige Zuschriften mit Beschwerden darüber, dass ich zuviel über den Inhalt verraten hätte, ohne zuvor Spoiler-Alarm gegeben zu haben. Nun, ich hatte den Titel jenes Beitrags "Deutschland, ein Sommermärchen" genannt und gehofft, den geneigten Leser würde bereits angesichts dieser Überschrift die Vorahnung beschleichen, dass ich in dem Artikel den gleichnamigen Film besprechen und nicht den Gebrüdern Grimm Konkurrenz machen würde. Da dem aber offensichtlich nicht in jedem Fall so war, warne ich also an dieser Stelle ausdrücklich vor SPOILERN im nachfolgenden Text und bitte jeden Leser, welcher sich die Spannung erhalten möchte, die nachfolgenden Zeilen erst nach dem eigenen Kinobesuch zu lesen. Und wenn eingefleischten Bond-Fans unter den Lesern die nachfolgende Betrachtung laienhaft und unwissend vorkommen mag, so liegt das daran, dass ich in puncto Bond laienhaft und unwissend bin. Ich gebe hier nur meine persönlichen Eindrücke wieder, entschuldige mich bereits vorab für Defizite und bitte ausdrücklich um Verzicht auf belehrende E-Mails. Okay, nun zur Sache:

Der Hauptdarsteller
Im Vorfeld hatte man in Bezug auf den Hauptdarsteller Daniel Craig eigentlich nur Negatives gehört. Auf Fotos sah er wirklich nicht aus wie der typische Bond, jedenfalls nicht im Vergleich zu seinem Vorgänger Pierce Brosnan, und diese Optik dürfte auch der (einzige) Grund für die Kritik gewesen sein, denn gesehen hatte zu diesem Zeitpunkt ja noch niemand etwas von den neuen Film. Erklärt wurde der Personalwechsel bekanntlich damit, dass man einen neuen, härteren Bond präsentieren wollte, den der zynisch-smarte Brosnan nicht hätte spielen können. Nun, dieses Ziel wurde erreicht. Craig verkörpert einen deutlich physischeren Bond als seine Vorgänger. Dafür fehlt ihm ähnlich wie weiland Timothy Dalton vielleicht etwas die Ausstrahlung, das natürliche Charisma.

Hauptdarsteller: 2

Die Story
Nachdem der Film endlich in den Kinos war, drehte sich die öffentliche Meinung völlig. Der Film wurde praktisch überall gelobt, und auch Craig hatte sich praktisch über Nacht etabliert. Besonders hervorgehoben wurde, dass der Film endlich wieder eine echte Story aufweisen sollte, nachdem die letzten Bonds eher eine Aneinanderreihung von Actionsequenzen waren. Jene Story geht bekanntlich auf das allererste Buch von Ian Fleming mit James Bond als Titelhelden zurück, so dass der Film chronologisch vor allen anderen Filmen spielt. Eigentlich gibt es sogar zwei Stories, denn neben der Rahmenhandlung, also der Entwicklung von James Bond zu 007,  kämpft der Titelheld quasi nebenbei noch gegen den Bösewicht Le Chiffre.

Den Lobeshymnen über diese Geschichte kann ich mich allerdings überhaupt nicht anschließen. Sie ist im Gegenteil völlig simpel: Der Bösewicht spekuliert mit ihm anvertrauten Geldern von "Freiheitskämpfern" (man lese: Warlords und Terroisten) an der Börse, verliert Dank James Bond die gesamte Kohle und versucht nun, diese im Rahmen eines großen Pokerturniers (Buy-In: 10 Mio. $) zurück zu gewinnen. Diese Geschichte hat einige abenteuerliche Schwächen:

- Welcher Bösewicht glaubt ernsthaft, sein Geld mit einem Pokerturnier zurück gewinnen zu können? Egal wie gut man spielt, Poker ist auch ein Glücksspiel, und auch wenn man als guter Spieler auf lange Sicht mehr gewinnt als verliert, wird man niemals den Sieg in einem bestimmten Turnier kalkulieren können.

- Bond wird als grottenschlechter Pokerspieler gezeigt. Zwar gewinnt er das Turnier mit einem straight flush, aber mit 5-7 auf der Hand hätte jeder Spieler, der bei Verstand ist, schon pre-flop die Karten hingeschmissen, erst Recht nach einer Erhöhung des Einsatzes durch die Gegner. Selbst nach dem Flop hätte er unter allen Umständen passen müssen, die Chance, tatsächlich den straight flush auf der letzten Karte zu treffen lagen irgendwo bei eins zu einer Million oder noch schlechter. Le Chiffre spielt übrigens genau so schlecht, er hätte nie und nimmer all-in gehen dürfen, wo bereits zwei andere Spieler all-in waren und er wissen musste, dass er nur die zweitbeste mögliche Hand hatte. Diese angebliche Marotte von Le Chiffre beim Bluffen war zudem total daneben, kein auch nur ansatzweise ernst zu nehmender Pokerspieler hat eine solche.

- Warum legen die Bösen bei der Verfolgungsjagd die schöne Eva Green auf die Straße, wo sie um ein Haar von Bond überfahren worden wäre, wo sie doch mit ihr gemeinsame Sache machten? Und sie mussten damit rechnen, dass nicht nur sie, sondern auch Bond bei dem anschließenden Unfall 'draufgehen würden, und mindestens Bond brauchten sie lebend, weil sie die Kombination für die Freigabe des Geldes aus ihm herauspressen wollten.

- Apropos Kombination: Was sollte das überhaupt bringen? Warum wird Bond gefoltert? Selbst wenn er Le Chiffre die Kombination verraten hätte, was hätte sie ihm genützt? Jeder wusste doch, dass Le Chiffre das Turnier verloren hatte. Die Schweizer Bankiers hätten ihn nie und nimmer an das Geld heran gelassen, auch nicht mit der Kombination.

Ich könnte noch mehr Mängel und Ungereimtheiten aufzählen, aber ich merke gerade, dass das zu viel Platz brauchen und zu lange dauern würde, deshalb soll es an dieser Stelle genug sein.

Story: 4

Die Action
Sehr positiv ist, dass man wieder von den völlig unerklärlichen und offensichtlich unmöglichen Gimmicks abgerückt ist, welche die Filme zuletzt dominierten. Man denke nur an das unsichtbare Auto aus dem letzten Film. Auch die Stunts waren wesentlich glaubhafter als in vielen anderen Filmen. Dass sie trotzdem spektakulär sein können, bewies die geniale Verfolgungssequenz am Anfang des Films. Wie zu lesen war, soll diese Rückkehr zu mehr Realität ein Hauptanliegen der Macher des Films gewesen sein, und das finde ich, wie gesagt, äußerst erfreulich. Vielleicht hat man in diesem Bestreben sogar etwas übertrieben, denn es gab weder "Q" noch auch nur eine einzige seiner "Spezialanfertigungen" zu sehen. Schade, denn dadurch fehlte dem Film ein Kultelement. Das einzige Mal, dass Bond mit ungewöhnlichem technischen Gerät umgehen musste - die Szene seiner Vergiftung - war grottenschlecht gemacht und einer der wenigen echten Tiefpunkte im Film. Dies war aber nur ein kleiner Schwachpunkt, der nicht weiter ins Gewicht fällt.

Action: 2

Die Weiber
Wie immer gibt es eine gute, eine ambivalente und eine böse Frau im Spiel. Die Böse sah aus wie eine Nazi-Liebessklavin, hatte kein Wort zu sprechen und war für die Geschichte völlig belanglos. Ach doch, einmal durfte sie schreien, als die farbigen "Freunde" von Le Chiffre ihr den Arm abhacken wollten. Ansonsten konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass unbedingt noch etwas Blondes durchs Bild laufen musste und dies der einzige Grund für die Existenz der Gespielin von Le Chiffre war, der zudem einen so schwulen Eindruck auf mich machte, dass eine Frau an seiner Seite ohnehin deplatziert wirken musste, egal wie sie aussieht und was sie sagt.

Eva Green, die die weibliche Hauptrolle besetzt, ist sicherlich keine natürliche Schönheit, denn ihre Stirn ist im Vergleich zum Rest ihres Gesichts viel zu lang. Aber man kann sie gut schminken, und sie hat eine atemberaubende Figur. Außerdem machen die Zickigkeit und die Ambivalenz, die ihre Rolle erforderte, sie sehr sexy. Auch fand ich, dass sie optisch gut zu Daniel Craig passte, der nun auch keine Schönheit im engeren Sinne ist.

Die dritte Dame, die Freundin eines der Handlanger von Le Chiffre, die Bond am Anfang des Films vernascht, sah aus wie eine Mischung aus Joan Collins und Selma Hayek, war also nicht mein Typ.

Weiber: 3

Die Sprüche
Zu James Bond gehört auch sein trockener Humor. Daniel Craigs Bond ist weitaus weniger smart als der von Pierce Brosnan, und so fand ich es gut, dass man ihn erstens weniger Sprüche reißen ließ und diese zweitens deutlich herber waren als bei seinem Vorgänger im Amte. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Pierce Brosnan, nackt auf einen Stuhl gefesselt und mit einem geknoteten Tau mehrmals in die Weichteile geschlagen, auf die Frage nach der Kombination mit "Ich hab' noch immer so'n jucken da unten, könnten Sie mir da bitte helfen?" antwortet. Und nach einem weiteren Schlag ins Gemächt dann noch ein "Neeeiin, etwas weiter rechts bitte" nachschiebt.

Sprüche: 2

Die Bösewichte
Bonds Gegner sind der größte Schwachpunkt dieses Films. Le Chiffre selbst wird von anderen Bösewichten (den Farbigen) unter Druck gesetzt und wirkt dadurch sehr angreifbar. Die Tränen aus Blut, die Le Chiffre weinte, waren der einzig gute Gag. Seine Handlanger bleiben völlig blass - wenn ich da nur andere Filme denke, etwa an den Beißer oder den Dicken mit der Melone.. Und der Oberbösewicht, der sich am Ende als Mastermind hinter allem entpuppt, war im Film vorher geschätzte drei Sekunden im Bild. Ich wusste beim Hinausgehen aus dem Kinosaal überhaupt nicht, wer der Typ eigentlich war. Und eine allerletzte Kritik an der Story: Wie um alles in der Welt hat er den Geldkoffer aus dem absaufenden Gebäude 'rausgeholt? Und wie um alles in der Welt passen bloß über 100 Millionen Dollar in einen einzigen kleinen, handlichen Aktenkoffer?

Bösewichte: 5

Fazit
Alles in allem bot Casino Royale gute, anspruchslose Unterhaltung. Sicherlich nicht der beste Bond, aber ganz sicher auch nicht der Schlechteste. Die grobe Richtung ist okay, und Daniel Craig ist als Hauptdarsteller entgegen aller Unkenrufe im Vorfeld gut besetzt. Beim nächsten Mal wünsche ich mir nur Bösewichte mit Ausstrahlung und eine gute Geschichte. Ach ja, Jennifer Aniston und Sarah Michelle Gellar als weibliche Darsteller hätte ich dann auch noch gerne, wenn's geht.

Gesamtnote: 2-

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