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<23.12.06>
Wie man eine Lichterkette
installiert
In der beliebten Rubrik "Kleiner Weihnachtshelfer" hatte
ich im ersten Teil aufgezeigt,
wie man das
Schneeschaufeln überlebt. Da Schnee in diesem Jahr an
Weihnachten nicht zu erwarten ist, wende ich mich einem
anderen beliebten Thema zu: Lichterketten.
Zu jedem anständigen Weihnachten gehört ein Tannenbaum.
Und zu jedem Tannenbaum gehört eine festliche
Beleuchtung. Am besten sind natürlich echte Kerzen. Aber
wer schon einmal versucht hat, eine brennende Gardine zu
löschen oder einen unterversicherten Hausrat bei der
Versicherung abzurechnen, wird offenes Feuer in der Nähe
brennbarer Einrichtungsgegenstände scheuen. Es bleibt
die gute, alte Lichterkette. Damit deren Installation
nicht auf der Krankenstation, im Irrenhaus oder in langen
Diskussionen mit der Ehefrau endet, gehe man nach
folgender Anleitung vor:
1. Auswahl
Die Geschmäcker sind verschieden. Nicht jeder möchte
gleich viele Lichter am Baum haben. Aber für eine Tanne
von 2 Meter Höhe - darunter ist es mE kein Baum, sondern
ein Bäumchen - sollten es nicht weniger als 150 Lichter
sein, wenn man eine einigermaßen ausgewogene Beleuchtung
ohne dunkle Stellen anstrebt. Am besten eignen sich dann
zwei Ketten, eine zu 100 und eine zu 50 Lichtern, denn die lassen sich
flexibler einsetzen als eine lange Kette.
2. Auspacken
Dieser Punkt ist im ersten Jahr noch recht einfach, denn
ab Werk sind die Ketten (meistens) so verpackt, dass es
auch dem Laien gelingt, gleich zu Punkt 3 überzugehen.
Hat man die Kette aber bereits einmal in Gebrauch
gehabt, sieht sie meistens so aus:
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Schaubild 1: Gebrauchte Lichterkette |
Kriegsentscheidend ist
in dieser Lage, die Kette so zu entwirren, dass sich aus
ihr ein Kreis legen lässt, ohne dass die Lichter noch
ineinander verknotet sind:
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Schaubild 2: Entwirrte Lichterkette |
Gelingt es auch nach
ca. einer halben Stunde nicht, einen solchen Kreis zu
legen, sollte man den Versuch aufgeben und im Baumarkt
eine neue Kette erwerben. Allein wegen dieser
Möglichkeit empfiehlt es sich auch, die Lichter nicht
erst am 24. Dezember anzubringen, wenn womöglich alle
Geschäfte schon geschlossen sind.
3. Funktionsprüfung
Zu allererst steckt man den Stecker einmal in die Dose,
um zu überprüfen, ob die Kette wirklich funzt. Ich kann
mich an eine Geschichte von meinem Schwiegervater
erinnern, der 300 Lichter an seinem Tannenbaum hatte und
danach feststellen musste, dass sie nicht
funktionierten, weil eine der 300 in Reihe geschalteten
Glühlampen defekt war - welche auch immer! Modernere
Ketten funktionieren übrigens auch noch, wenn die eine
oder andere Lampe defekt ist.
4. Anbringen der Kette
Zweckmäßigerweise fängt man unten am Baum an und werkelt
sich langsam um den Baum herum nach oben. Unten ist der
Baum breiter, dort benötigt man also wesentlich mehr
Kerzen. Merkt man unterwegs, dass man nicht hinkommt,
lässt es sich nach oben hin wesentlich leichter
korrigieren als nach unten hin. Außerdem ist die
Steckdose zumeist unten, und würde man oben anfangen,
müsste man das Kabel vom Stecker bis zur ersten Lampe am
Baum hochlaufen lassen.
5. Die einzelnen Lichter
Wichtig ist, dass die Lichter aufrecht stehen. Sonst
sieht man sie im Extremfall gar nicht, weil ihr Licht
unter den Zweigen verborgen ist, oder sie sehen
zumindest nicht nach Kerzen aus:
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Schaubild 3:
Links eine falsch angebrachte Kerze, rechts
steht die Kerze korrekt. |
6. Platz lassen
Ein Tannenbaum besteht nicht nur aus Lichtern! Kugeln,
Schleifen, Lametta und dergleichen brauchen auch ihren
Platz. Es empfiehlt sich daher dringend, Lücken frei zu
lassen. Da man die Kugeln üblicherweise an den Enden der
Zweige anbringt, sollte man die Lichter eher etwas
weiter innen am Stamm drapieren:
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Schaubild 4: Die Lichter sind weiter innen
angebracht,
so dass
das Ende der Zweige für Kugeln udgl. frei bleibt |
7. Gesamtergebnis
überprüfen
Ist der Baum fertig bestückt, sollte man das
Gesamtergebnis eines kritischen Blickes würdigen, bevor
man die Ehefrau zur Endabnahme herbei ruft. Ideal ist,
wenn das Lichterbild die dreieckige Struktur des Baumes
wiedergibt. In diesem Fall kann man sich sicher sein,
für eine ausgewogene Beleuchtung gesorgt zu haben:
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Schaubild 5: Zweimal der fertige Baum.
Die Lichter ergeben ein Dreick. |
Die Erstellung des
abgebildeten Werkes (Baum 2,10 m, 175 Lichter) hat vom
Auspacken bis zum Endstadium ca. 90 Minuten gedauert,
und es hat - wie jedes Jahr - einen Riesenspaß gemacht!
Daher noch ein letzter Tipp: Man sollte während der
Arbeit keine Motorsäge zur Hand haben, denn sonst kann
man mit Sicherheit irgendwann der Versuchung nicht mehr
widerstehen, sich abzureagieren und es der Tanne samt
Kette heimzuzahlen!
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<21.12.06>
Schade, schade...
Okay, es geht nicht anders. Ich sehe es ein und füge
mich. Man kann in Deutschland als Privatmann keine
vernünftige Internet-Homepage betreiben, ohne gegen
geltendes Recht zu verstoßen oder sich gar strafbar zu
machen.
Gerade in jüngster Vergangenheit haben wieder einige
große Magazine wie FOCUS und SPIEGEL (Heft 46/06) über
Fälle berichtet, in denen arg- und wehrlose Betreiber
von privaten Homepages mit Abmahnungen überzogen wurden,
nur weil sie ein Foto verwendet hatten, dass sie von
irgendwo her aus dem Internet kopiert hatten. In einem
extremen Fall kostete die Verwendung eines Auszugs aus
einem Stadtplan als Anfahrtskizze einen Schachclub über
1000 Euro an Anwalts- und Lizenzgebühren. Grundlage
dieser Abmahnungen sind Verstöße gegen das deutsche
Urheberrecht, das selbstverständlich auch im Internet
gilt. Und wenn man ein fremdes Foto oder einen fremden
Text verwendet, verstößt man gegen die Urheberrechte des
Fremden. Findet der über eine Suchmaschine seine
urheberrechtlich geschützten Werke auf Seiten Dritter
wieder, steht man schon mit einem Bein über dem Abgrund.
Es fehlt noch ein Anwalt, und schon flattert einem eine
Abmahnung nebst Anforderung von Lizenzgebühren und
Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung ins
Haus. Die Kosten hierfür können leicht mehrere tausend
Euro betragen, denn die Anwaltskosten sind als Schaden
auch ersatzfähig, und sie bemessen sich nach dem sogen.
Streitwert, der in diesen Fälle nahezu beliebig in die
Höhe getrieben werden kann. Und selbst wenn einem der
Streitwert (gerne 30.000 Euro und mehr für die
Verwendung eines einfachen Fotos) zu hoch erscheint,
müsste man einen Prozess führen, der ein erhebliches
Risiko birgt. Und unterliegt man tatsächlich vor Gericht
(oder schließt einen Vergleich), liegen die dafür
angefallenen Kosten noch einmal in ähnlicher Höhe. Da
lässt man es lieber gleich ganz sein und zahlt.
Um es klar zu sagen: Urheberrechtsschutz muss sein. Ich
persönlich finde aber dieses Abmahnwesen, wo Anwälte für
den Aufwand von 2 Minuten für einen Schriftsatz, der
vorformuliert auf dem PC gespeichert ist und teilweise
hundertfach 'rausgehauen wird, von privaten
Homepagebetreibern vierstellige Summen einfordern,
einfach schäbig. Das mag Mindermeinung in meinem
Berufsstand sein, aber das ist mir egal.
Trotzdem, die Rechtslage gibt es her, also wird es
gemacht. Zwar will unsere Justizministerin Zypries den
Abmahnwahn eindämmen, indem die Anwaltskosten für
geringe Fälle auf 50 Euro beschränkt werden sollen. Aber
wer Frau Zypries kennt der weiß, dass das noch Jahre
dauern kann, wenn überhaupt was kommt. Und Sicherheit
gäbe eine solche Regelung auch nicht, denn selbst wenn
man die 50 Euro für den Anwalt noch riskieren wollte -
von der Forderung von Lizenzgebührens ist man
keinesfalls geschützt.
Ich habe mich angesichts dieser Ausgangslage
entschlossen, sämtliche Bereiche meiner Homepage, die
nicht zu 100% frei von Urheberrechten Dritter sind, vom
Netz zu nehmen. Das tut mir sehr Leid für alle Fans von
Horatio Hornblower, Bruce Springsteen, Bayern München,
Greg Maddux und all den anderen Helden meiner Seiten,
aber es geht nicht anders. Das Risiko ist mir einfach zu
groß geworden, denn mit der Bekanntheit meiner Seiten
steigt auch die Gefahr, dass mal ein schwarzes Schaf von
Rechtsanwalt hier vorbei schaut und noch etwas Geld
verdienen will.
Anlass war übrigens die Reaktion von nicht weniger als
drei (!) Lesern auf einen Beitrag über Eva Green, den
manch einer vielleicht schon vermisst haben wird. In
diesem hatte ich auch vier Fotos benutzt, die im
Internet zu finden waren, und besagte Leser hatten mich
darauf aufmerksam gemacht, dass dergleichen mächtig
riskant sein kann, wenn der betreffende Fanclub erst
einmal davon weiß. Deshalb ist dieser Beitrag gänzlich
aus dem Weblog verschwunden. Das erste (und letzte) Mal,
dass ich einen Beitrag komplett wieder löschen musste!
In einigen weiteren (älteren) Beiträgen musste ich ein
paar Links löschen und zwei Bilder 'rausnehmen (u.a.
leider das von Beckham beim Elfmeter), ansonsten müsste
im Bereich Weblog alles wasserdicht sein.
Weiterhin Online halten werde ich meine Biografie (die
gehört mir!), das Weblog und meine Reiseseiten. Die
"Frage des Tages" natürlich auch. Und - um noch etwas
Positives zu vermelden - ich habe sogar eine neue Rubrik
geschaffen, die "Top 10", die jetzt im Menü am
linken
Rand aufrufbar ist. Dort sind Links zu den 10 besten
Beiträgen eines jeden Jahres enthalten, die es verdient
haben, verewigt zu werden. Bei der Auswahl habe ich mich
von besonders positiven Rückmeldungen, teilweise aber
auch einfach von meinem persönlichen Geschmack leiten
lassen. Ferner habe ich darauf geachtet, dass die
ausgewählten Beiträge nicht allzu sehr auf tagesaktuelle
Dinge bezogen waren, so dass sie sich auch nach längerer
Zeit noch zu lesen lohnen.
Wenn sich irgendwann einmal etwas an der Rechtslage
zugunsten so harmloser Internet-Nutzer wie meiner
Wenigkeit ändert, werde ich sicher auch alle anderen
Bereiche wieder online stellen, aber bis dahin streiche
ich die Segel. Mit einer Träne im Knopfloch, wie sich
jeder denken kann, denn ich habe unzählige Stunden in
diese Seiten investiert und viel positives Feedback
erhalten.
Schade, schade.
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<15.12.06>
Neulich bei Karstadt
"Das Zweitschlimmste am Leben eines Prominenten ist,
wenn man ständig in der Öffentlichkeit erkannt wird. Das
Schlimmste ist, wenn man nicht mehr erkannt wird." So
sprach, glaube ich, einmal der große deutsche Philosoph
Dieter Thomas Heck. Nun bin ich kein Prominenter und
werde wie Millionen andere Normalbürger wohl nie
nachvollziehen können, ob der Satz zutrifft oder nicht.
Aber im Kleinen, im ganz Kleinen, hatte ich letzte Woche
ein Erlebnis, das mich ein bisschen von der Glitzerwelt
der Reichen und Schönen erahnen ließ. Der Reihe nach:
Ich wollte noch eben schnell bei Karstadt Geschenkpapier
einkaufen. Nun muss man wissen, dass sich der Stand mit
dem Geschenkpapier bei Karstadt in Münster direkt neben
der Bücherabteilung befindet, und da ich gerne lese,
wagte ich trotz fortgeschrittener Mittagspause noch
einen kleinen Abstecher dorthin. Mehr oder weniger
planlos in den Regalen stöbernd fiel mir plötzlich eine
recht attraktive junge Dame auf, die mich zu beobachten
schien und die verlegen zur Seite sah, als sich unsere
Blicke kreuzten.
Zwar kommt es nicht alle Tage vor, dass mich junge Damen
beobachten, aber ganz so selten ist es nun auch wieder
nicht. Berufsbedingt komme ich nämlich mit vielen
Studierenden Mitte zwanzig in Kontakt, deren Kenntnisse
im öffentlichen Recht ich als Dozent eines großen
deutschen Repetitoriums im Rahmen von Schulungskursen zu
verbessern versuche. So habe ich im Laufe der Jahre
vielen hundert Kursteilnehmern vorgestanden, und dass
ich einigen von ihnen auch privat einmal über den Weg
laufe, ergibt sich fast zwangsläufig. Dem Dozenten
außerhalb des Kurses zu begegnen scheint etwas
Besonderes zu sein, jedenfalls fällt mir gelegentlich
auf, dass man mich mustert oder hinter meinem Rücken
tuschelt.
An die erste Begegnung dieser Art erinnere ich mich noch
genau, es muss 1997 gewesen sein. Ich saß im Kino und
hörte hinter mir ein unaufhörliches Geplapper, das meine
Aufmerksamkeit erregte, weil ich mehrmals meinen Namen
vernommen zu haben glaubte. Als ich mich leicht genervt
umdrehte, um die Schnatterliesen in Augenschein zu
nehmen, blickte ich in die verdutzten Gesichter von drei
oder vier Kursteilnehmerinnen, die sich offensichtlich
über mich und meine Begleitung unterhielten und denen es
anscheinend sehr peinlich war, dass ich sie gesehen und
gehört hatte.
Der häufigste Ort der Begegnung ist jedoch die
Fußgängerzone. Kommen mir aktuelle Kursteilnehmer
entgegen, sagen sie zumeist nur kurz "Hallo", und mehr
erwidere ich dann auch nicht, weil ich mich nicht
anbiedern will. Ehemalige hingegen sprechen mich des
Öfteren an und erzählen mir locker-freundlich, wie es
ihnen nach dem Rep. so ergangen ist. Darüber freue ich
mich immer sehr, und natürlich interessiert mich auch
jeder einzelne Fall, selbst wenn ich mich manchmal an
den Namen der betreffenden Person nicht mehr erinnern
kann. Meistens muss ich das übrigens auch gar nicht,
denn viele stellen sich mir nochmals höflich vor.
Soziale Kontakte dieser Art sind eine der erfreulichsten
Begleiterscheinungen in meinem Beruf. Wen würde es nicht
freuen zu erfahren, dass aus einem grünen Anfänger etwas
geworden ist, und dass dieser grüne Anfänger auch Jahre
später offenbar noch der Meinung ist, man selbst habe
etwas dazu beigetragen?
Wenn ich mir auch Namen nicht merken kann - für
Gesichter habe ich ein sehr gutes Gedächtnis, und die
junge Dame bei Karstadt hatte ich noch nie gesehen. Der
wahrscheinlichste Fall - ehemalige Kursteilnehmerin -
schied also aus. Was könnte noch der Grund dafür sein,
dass sie mich jetzt schon zum zweiten Mal über ihren
Buchrand hinweg ansah? Hatte ich vielleicht Spinat auf
dem Hemd? Kurzer Blick, nein, alles in Ordnung. Eine
Kaufhausdetektivin? Nein, ausgeschlossen, viel zu
auffällig. Was sonst?
Nun, lange musste ich auf die Aufklärung nicht warten,
denn kaum hatte ich mir Gedanken gemacht, legte besagte
junge Dame auch schon ihr Buch zur Seite und kam auf
mich zu:
Sie: "Hallo, Entschuldigung, ich glaube wir kennen
uns".
Ich: "Zu mir oder zu Dir?"
Sie: "Bitte?"
Ich: "Ach nichts. Ich meinte nur, ich kann mich leider
gar nicht erinnern..."
Sie: "Du hast doch eine Homepage im Internet."
Ich weiß nicht, ob man es mir angesehen hat, aber an
dieser Stelle war ich platt (was nicht oft vorkommt).
Noch nie hatte mich jemand Unbekanntes in der
Öffentlichkeit auf meine HP angesprochen. Woher sie das
denn wisse, fragte ich, nachdem ich meine Fassung wieder
erlangt hatte. Nun, sie habe ihrem Freund - GRUMPF -
Karten für einen Auftritt von "Herbert Knebels
Affentheater" schenken und diese nett verpacken wollen,
habe zu diesem Zweck nach Bildern von Hebbert und
Konsorten im Internet gesucht und sei dabei irgendwie
auf meine Seite gestoßen. Dort habe sie neben den
gesuchten Bildern auch
einen Bericht von mir über eine
Lesung entdeckt, auf der sie zufällig auch gewesen sei.
Sie habe sich köstlich über den Bericht amüsiert und
schaue seitdem relativ regelmäßig auf meinen Seiten
vorbei. Ja, und an dem Foto auf meiner Startseite habe
sie mich wieder erkannt. Ich sei sehr witzig, meinte
sie. Meinen Namen kannte sie auch, ungefähr jedenfalls.
Natürlich habe ich mich artig für die Komplimente
bedankt und sicher hätte ich meinen einzigen Fan auch zu
einem Kaffee eingeladen, aber leider ließ die
fortgeschrittene Mittagspause dies nicht mehr zu. Also
habe ich ihr weiterhin viel Spaß gewünscht und mich
höflich verabschiedet.
Wie ich immer auf die Ideen für meine Artikel komme,
wollte sie zum Schluss noch wissen. Keine Ahnung, habe
ich ehrlich geantwortet. - Zurück
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<07.12.06>
Essen Motorshow
Die Motorshow in Essen ist eine der größten Messen für
Automobile und Tuning weltweit. Über 400.000 Besucher
tummeln sich an zehn Messetagen in den Grugahallen in
Essen, und wir waren letzen Sonntag mitten unter ihnen.
Nun bin ich kein großer Autokenner, wenngleich ich mich
durchaus an einem schnittigen Sportwagen oder einem
liebevoll restaurierten Oldtimer erfreuen kann. Ich bin
auch kein Seemann und kein Maschinenbauer vor dem Herrn,
und dennoch habe ich der "Boot" in Düsseldorf ebenso
schon einmal einen Besuch abgestattet wie der
Hannovermesse. Neben den jeweiligen Exponaten ist es für
mich nämlich vor allem interessant, in eine Sozialsphäre
einzutauchen, die mir im Alltag eher selten geboten
wird. Und so wie die Freizeitkapitäne auf der "Boot",
die Filzomas auf der "Artwent" und
die Ingenieure auf der Hannovermesse ein eigenes
Völkchen sind, das zu beobachten sich gelohnt hat, so
sind es auch die "Fachbesucher" der Essen Motorshow.
Ganz billig war das Vergnügen allerdings nicht, denn an
der Kasse waren stolze 16 Euro Einlass fällig. Gut, man
konnte sie offenbar verlangen, denn die Hallen waren
trotzdem proppenvoll:
Geboten wurde einem auch einiges für's Geld, denn die
Motorshow erstreckte sich auf sämtliche Hallen der nicht
gerade kleinen Essener Gruga. Vier
räumlich gut voneinander getrennte Hauptkategorien
ließen sich unterscheiden, nämlich Tuning, Oldtimer,
Straßen- und Rennautos. Diese unterschiedlichen
Kategorien zogen natürlich auch unterschiedliche
Besucher an, wobei der Tuning-Bereich der mit Abstand
interessanteste war:
Der durchschnittliche Besucher der Tuninghallen der
Essen Motorshow ist zwischen 18 und 25 Jahre alt,
männlich und Ausländer, vorzugsweise mit Vorfahren aus
dem ost- oder südeuropäischen Raum. Ich habe selten so
viele picklige Jünglinge mit Gel in den Haaren und einem
brandneuen Doppelauspuff unter dem Arm
gesehen wie an diesem Sonntag Vormittag. Die meisten jener Fahranfänger
waren in Begleitung ihrer gleich gesinnten und gleich
gestylten Kollegen, mit denen sie sich
in einer Sprache unterhielten, in der wohl einzelne deutsche
Vokabeln vorkamen, aber vorwiegend solche, deren
Bedeutung ich nicht kenne. "Boa krass ey wie dat funzt." Einige hatten auch ihre
Freundinnen mitgebracht, wobei Freundin und Kollegen
sich ausschlossen. Besagte Freundinnen entsprachen zu
95% dem Frisösen-Klischee, das offenbar gar kein
Klischee ist. Ohne Makeup, das jedem Showgirl im Moulin
Rouge Ehre gemacht hätte, ging bei den Damen
gar nichts. Und Stiefel, überall Stiefel! Knielang, vorzugsweise aus
schwarzem Leder und vorzugsweise zu Minirock oder Jeans,
wobei die Jeans stets in den Stiefeln getragen wurde.
Übrigens bewies sehr zu meinem Leidwesen nicht jede Passantin bei der Entscheidung
zwischen Minirock oder Jeans die nötige Demut vor der
eigenen Figur.
Über den Tuninghallen lag ein Geruch, den ich als
gelungene Mischung aus Fett und Nikotin beschreiben
möchte. Kein Wunder, denn es gab an jeder Ecke eine
Pommesbude, und die Raucherquote unter den
Tuningfreunden beträgt offensichtlich 100%. Außerdem war
es sehr stickig, ja fast heiß. Mal ein Fenster auf Kippe
zu stellen oder die Klimaanlage in Betrieb zu nehmen ist
offenbar niemandem eingefallen. Etwas besser war es in
den Oldtimerhallen und dort, wo die großen
Automobilkonzerne ausstellten, schon allein deshalb,
weil dort weniger Menschen waren. 80% des Betriebes
spielte sich im Bereich Tuning ab.
Mit Tuning kann ich persönlich übrigens nicht viel
anfangen. Richtig witzig finde ich nur die Showcars mit
Whirlpool auf der Rückbank, LCD-Monitoren in den
Kopfstützen und beleuchtetem Unterboden. Solche gab es
in Essen natürlich auch, wenngleich weniger als ich
erwartet hatte. Bei normalen Autos mit Straßenzulassung
wirkt Tuning auf mich aber in aller Regel eher prollig
als edel, selbst bei werksnahen Tunern wie AMG.
Meine persönlichen Messehighlights fanden sich daher an
anderer Stelle, vor allem bei den Oldtimern. Klare
Nummer 1 (nicht nur auf meiner Liste) war ein wunderbar
erhaltener Mercedes 300 SL, natürlich mit Flügeltüren
und natürlich in silber. Zu allem Überfluss hatte der
Aussteller jenes zum "Sportwagen des Jahrhunderts"
gekürten Automobils auch noch einige junge Damen
eingestellt, die unablässig die Motorhaube abstaubten.
Was gibt es erotischeres als Frauen in knapper
Bekleidung, die einen 300 SL abstauben? Urteilen sie
selbst, meine Damen und Herren:
Toll war auch der Stand mit allen Formel-1-Autos der
abgelaufenen Saison 2006, unter ihnen das
Weltmeisterauto von Fernando Alonso:
Aus der Nähe betrachtet wirken die Boliden geradezu
winzig. Ich würde z.B. nie und nimmer in ein solches
Cockpit passen, obwohl ich nun nicht zu den Größten und
Breitesten im Lande gehöre. In einer solchen Schleuder
mit 320 km/h über den Asphalt zu donnern muss ein irres
Gefühl sein.
Selbstverständlich waren die Formel-1-Autos ebenso
unverkäuflich wie der 300 SL und die meisten anderen
Oldtimer, unter denen viele Einzelstücke waren, die
sicherlich Millionen bringen würden. Gleichwohl ist die
Essen Motorshow in erster Linie eine Verkaufsmesse, auf
der es so ziemlich alles gibt, was mit Autos zu tun hat.
Vom Michael-Schumacher-Rennanzug für Dreijährige über
22-Zoll-Felgen in jeder Form bis hin zum kompletten
Replica-Bausatz eines Porsche 550 Spyder. Letzterer war
übrigens gar nicht einmal so teuer, für 15.500 Euro
hätte man die Karosserie schon bekommen. Gekauft habe
ich ihn mir natürlich trotzdem nicht, denn erstens würde
ich den Bausatz nie zusammen bekommen und zweitens muss
ich ja nicht unbedingt sterben wie James Dean. - Zurück
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<05.12.06>
Artvent in Herten
Was tun? Diese Frage stellt sich uns an manch
verregnetem Sonntag. Die Antwort liefert oft ein Blick
in den Veranstaltungskalender NRW. So auch an diesem
Wochenende. Es boten sich die Ausstellung "Artvent" im
Stadtschloss von Herten und die "Essen Motorshow" in der
Grugahalle an. Beide haben wir besucht, und beide hatten
ihren eigenen Charme:
Die "Artwent" sollte, wie der gewitzte Name schon
suggeriert, eine gelungene Mischung aus Kunst und Advent
darstellen. Ca. 40 Aussteller würden, so war es
prospektiert, Ausgefallenes zu bezahlbaren Preisen
anbieten. Das kann man sich ja mal ansehen, dachten wir.
Gesagt, getan. Schon auf dem Parkplatz vor dem Schloss
in Herten staunten wir dann nicht schlecht, als uns eine
schätzungsweise 70jährige Oma entgegen kam, deren
Kleidung von den Schuhen bis zum Hut ausschließlich aus
Filz bestand (in jeweils unterschiedlichen Farben
übrigens). Gut, Filz ist meines Wissens nach ein
Material, das man in der Adventszeit gerne verwendet, um
lustige Sterne zu Basteln oder Untersetzer
auszuschneiden. Aber Schuhe? Nun, jeder wie er mag, und
kalte Füße wird sie bei 13 Grad am 3. Dezember nicht
bekommen haben.
Um zum Einlass zu gelangen, musste man den Schlosshof
überqueren, auf dem bereits zwei Zelte aufgebaut waren.
Eines davon hatte Kerzen und Adventskränze zu verkaufen.
Die hätte man leicht klauen können, denn es handelte
sich um eines dieser üblichen weißen Hochzeits- und
Partyzelte, die einem beim ersten Windstoß um die Ohren
fliegen. Und auf dem Schlossplatz kumulierte sich der
ohnehin schon böige Wind zu einem regelrechten Sturm, so
dass die drei Verkäuferinnen jede an einer Zeltwand
standen und je zwei Stützpfeiler verzweifelt mit
ausgestreckten Armen festhielten, um das Zelt vor dem
Einsturz zu bewahren. Hätte ich das Zelt leer geräumt,
wäre es glatt weggeflogen, wenn auch nur eine von ihnen
losgelassen hätte um mir nachzustellen. Natürlich habe
ich nichts dergleichen versucht, aber Hilfe für die
Damen war auch nicht in Sicht. Hart verdientes Brot.
An der Kasse angelangt waren dann 2,50 Euro pro Nase
fällig, eingesammelt von einer schätzungsweise
16jährigen Schülerin, die ebenfalls eine Filzhaube trug,
welche übrigens mindestens genauso schön war wie die der
Oma auf dem Parkplatz. Vielleicht Verwandtschaft? Nein,
denn wie sich herausstellte, ist Filz überhaupt DAS
Material im Advent 2006. Jedenfalls in Herten. An
diversen Ständen wurden Handtaschen, Schuhe, Röcke,
Handschuhe, Hüte und Mützen, ja selbst Nasenwärmer aus
Filz feil geboten. Die Nasenwärmer hätte ich um ein Haar
gekauft, denn zum einen hatte ich durch den Wind draußen
einen ganz kalten Zinken, und zum anderen gab es sie im
Partnerlook. Aber wir konnten uns dann doch nicht
entscheiden, wer jetzt das mausgrau bekommt und wer
steingrau tragen muss. Jedenfalls wurde man den Verdacht
nicht los, dass die Hertener im Kollektiv eine
Filzfabrik geplündert und beschlossen hatten, ihre Beute
auf dieser Veranstaltung zu Geld zu machen.
An den wenigen Nicht-Filz-Ständen gab es nichts
Besonderes, von Kunst jedenfalls keine Spur. Eine
Ausstellerin hatte alte Zeitungen zu Pappmaché
verarbeitet, schwarz angepinselt und daraus wunderschöne
Töpfe und Teller gebastelt, die sie für nur ca. 50 Euro
pro Stück anbot. Gut, man durfte sie nicht benutzen,
denn Feuchtigkeit hätte das Werk wieder zerstört, aber
ich gehe davon aus, dass ihre potenziellen Kunden sie
auch nicht hätten benutzen wollen. Ein anderer hatte
faustgroße Steine in der Mitte durchgesägt, eine
Glasplatte dazwischen geklebt und das Ganze wieder
zusammen geleimt. Auf diese wundersame Weise gewann er
also einen Stein mit einer Glasplatte in der Mitte. Auf
meine Frage, was das denn darstellen solle, erntete ich
nur jenen verwirrten Blick, der großen Künstlern eigen
ist, wie ich vermute.
Neben den Filzklamotten, die den Verkäufern quasi aus
der Hand gerissen wurden, gab es auch noch jede Menge
andere Kleidung für die Dame Ü50 zu kaufen. Alles
Handarbeit, versteht sich. Eine Mittfünfzigerin war sich
nicht zu schade, live on stage eine Hose anzuprobieren,
auf deren Hinterteil in silber "Papa Noel" aufgestickt
war. Dass es keine Umkleidekabine gab, störte sie
offensichtlich nicht. Die Hose wurde dann aber doch
nicht gekauft, weil die Pünktchen über dem "e" von
"Noël" fehlten. Das konnte man ohne Anprobe auch nicht
feststellen, nehme ich an.
Eine unverzeihliche Sünde der Veranstalter sei zum
Abschluss nicht verschwiegen: Es gab keine Fressbuden!
Man weiß doch, dass auf jeder, aber auch jeder
Ausstellung die Fressbuden viel besser laufen als die
eigentlichen Verkaufsstände. Wenn man schon keine CPM
anbieten wollte, weil es nicht zum intendierten Niveau
gepasst hätte, so wären zumindest ein Waffelstand und
eine Bude mit Glühwein angebracht gewesen. So verließen
wir den "Artvent" in Herten ohne Filznasenwärmer, aber
mit knurrendem Magen.
Von der Essen Motorshow, die mindestens ebenso viel zu
bieten hatte, berichte ich dann ein anderes Mal. - Zurück
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<02.12.06>
Casino Royale
Der neue James-Bond-Film "Casino Royale" läuft seit
einiger Zeit im Kino. Ich bin zwar kein
besonders großer Fan der Bond-Filme, sehe sie aber hin
und wieder ganz gerne. Und wenn ein neuer
Hauptdarsteller geboten wird, zahle ich sogar an der
Kinokasse, um mir einen persönlichen Eindruck zu
verschaffen. So geschehen letzten Dienstag.
Eines vorweg: Nachdem ich an dieser Stelle
neulich einen
anderen Kinofilm besprochen habe, erreichten mich einige
Zuschriften mit Beschwerden darüber, dass ich zuviel
über den Inhalt verraten hätte, ohne zuvor Spoiler-Alarm
gegeben zu haben. Nun, ich hatte den Titel
jenes
Beitrags "Deutschland, ein Sommermärchen" genannt und
gehofft, den geneigten Leser würde bereits angesichts
dieser Überschrift die Vorahnung beschleichen, dass ich
in dem Artikel den gleichnamigen Film besprechen und
nicht den Gebrüdern Grimm Konkurrenz machen würde. Da
dem aber offensichtlich nicht in jedem Fall so war,
warne ich also an dieser Stelle ausdrücklich vor
SPOILERN im nachfolgenden Text und bitte jeden Leser,
welcher sich die Spannung erhalten möchte, die
nachfolgenden Zeilen erst nach dem eigenen Kinobesuch zu
lesen. Und wenn eingefleischten Bond-Fans unter den
Lesern die nachfolgende Betrachtung laienhaft und
unwissend vorkommen mag, so liegt das daran, dass ich in
puncto Bond laienhaft und unwissend bin. Ich gebe hier
nur meine persönlichen Eindrücke wieder, entschuldige
mich bereits vorab für Defizite und bitte ausdrücklich
um Verzicht auf belehrende E-Mails. Okay, nun zur Sache:
Der Hauptdarsteller
Im Vorfeld hatte man in Bezug auf den Hauptdarsteller
Daniel Craig eigentlich nur Negatives gehört. Auf Fotos
sah er wirklich nicht aus wie der typische Bond,
jedenfalls nicht im Vergleich zu seinem Vorgänger Pierce
Brosnan, und diese Optik dürfte auch der (einzige) Grund
für die Kritik gewesen sein, denn gesehen hatte zu
diesem Zeitpunkt ja noch niemand etwas von den neuen
Film. Erklärt wurde der Personalwechsel bekanntlich
damit, dass man einen neuen, härteren Bond präsentieren
wollte, den der zynisch-smarte Brosnan nicht hätte
spielen können. Nun, dieses Ziel wurde erreicht. Craig
verkörpert einen deutlich physischeren Bond als seine
Vorgänger. Dafür fehlt ihm ähnlich wie weiland Timothy
Dalton vielleicht etwas die
Ausstrahlung, das natürliche Charisma.
Hauptdarsteller: 2
Die Story
Nachdem der Film endlich in den Kinos war, drehte sich
die öffentliche Meinung völlig. Der Film wurde praktisch
überall gelobt, und auch Craig hatte sich praktisch über
Nacht etabliert. Besonders hervorgehoben wurde, dass der
Film endlich wieder eine echte Story aufweisen sollte,
nachdem die letzten Bonds eher eine Aneinanderreihung
von Actionsequenzen waren. Jene Story geht bekanntlich
auf das allererste Buch von Ian Fleming mit James Bond
als Titelhelden zurück, so dass der Film chronologisch
vor allen anderen Filmen spielt. Eigentlich gibt es
sogar zwei Stories, denn neben der Rahmenhandlung, also
der Entwicklung von James Bond zu 007, kämpft der
Titelheld quasi nebenbei noch gegen den Bösewicht Le
Chiffre.
Den Lobeshymnen über diese Geschichte kann ich mich
allerdings überhaupt nicht anschließen. Sie ist im
Gegenteil völlig simpel: Der Bösewicht spekuliert mit
ihm anvertrauten Geldern von "Freiheitskämpfern" (man
lese: Warlords und Terroisten) an der Börse, verliert
Dank James Bond die gesamte Kohle und versucht nun,
diese im Rahmen eines großen Pokerturniers (Buy-In: 10
Mio. $) zurück zu gewinnen. Diese Geschichte hat einige
abenteuerliche Schwächen:
- Welcher Bösewicht glaubt ernsthaft, sein Geld mit
einem Pokerturnier zurück gewinnen zu können? Egal wie
gut man spielt, Poker ist auch ein Glücksspiel, und auch
wenn man als guter Spieler auf lange Sicht mehr gewinnt
als verliert, wird man niemals den Sieg in einem
bestimmten Turnier kalkulieren können.
- Bond wird als grottenschlechter Pokerspieler gezeigt.
Zwar gewinnt er das Turnier mit einem straight flush,
aber mit 5-7 auf der Hand hätte jeder Spieler, der bei
Verstand ist, schon pre-flop die Karten hingeschmissen,
erst Recht nach einer Erhöhung des Einsatzes durch die
Gegner. Selbst nach dem Flop hätte er unter allen
Umständen passen müssen, die Chance, tatsächlich den
straight flush auf der letzten Karte zu treffen lagen
irgendwo bei eins zu einer Million oder noch schlechter.
Le Chiffre spielt übrigens genau so schlecht, er hätte
nie und nimmer all-in gehen dürfen, wo bereits zwei
andere Spieler all-in waren und er wissen musste, dass
er nur die zweitbeste mögliche Hand hatte. Diese
angebliche Marotte von Le Chiffre beim Bluffen war zudem
total daneben, kein auch nur ansatzweise ernst zu
nehmender Pokerspieler hat eine solche.
- Warum legen die Bösen bei der Verfolgungsjagd die
schöne Eva Green auf die Straße, wo sie um ein Haar von
Bond überfahren worden wäre, wo sie doch mit ihr
gemeinsame Sache machten? Und sie mussten damit rechnen,
dass nicht nur sie, sondern auch Bond bei dem
anschließenden Unfall 'draufgehen würden, und mindestens
Bond brauchten sie lebend, weil sie die Kombination für
die Freigabe des Geldes aus ihm herauspressen wollten.
- Apropos Kombination: Was sollte das überhaupt bringen?
Warum wird Bond gefoltert? Selbst wenn er Le Chiffre die
Kombination verraten hätte, was hätte sie ihm genützt?
Jeder wusste doch, dass Le Chiffre das Turnier verloren
hatte. Die Schweizer Bankiers hätten ihn nie und nimmer
an das Geld heran gelassen, auch nicht mit der
Kombination.
Ich könnte noch mehr Mängel und Ungereimtheiten
aufzählen, aber ich merke gerade, dass das zu viel Platz
brauchen und zu lange dauern würde, deshalb soll es an
dieser Stelle genug sein.
Story: 4
Die Action
Sehr positiv ist, dass man wieder von den völlig
unerklärlichen und offensichtlich unmöglichen Gimmicks
abgerückt ist, welche die Filme zuletzt dominierten. Man
denke nur an das unsichtbare Auto aus dem letzten Film.
Auch die Stunts waren wesentlich glaubhafter als in
vielen anderen Filmen. Dass sie trotzdem spektakulär
sein können, bewies die geniale Verfolgungssequenz am
Anfang des Films. Wie zu lesen war, soll diese Rückkehr
zu mehr Realität ein Hauptanliegen der Macher des Films
gewesen sein, und das finde ich, wie gesagt, äußerst
erfreulich. Vielleicht hat man in diesem Bestreben sogar
etwas übertrieben, denn es gab weder "Q" noch auch nur
eine einzige seiner "Spezialanfertigungen" zu sehen.
Schade, denn dadurch fehlte dem Film ein Kultelement.
Das einzige Mal, dass Bond mit ungewöhnlichem
technischen Gerät umgehen musste - die Szene seiner
Vergiftung - war grottenschlecht gemacht und einer der
wenigen echten Tiefpunkte im Film. Dies war aber nur ein
kleiner Schwachpunkt, der nicht weiter ins Gewicht
fällt.
Action: 2
Die Weiber
Wie immer gibt es eine gute, eine ambivalente und eine
böse Frau im Spiel. Die Böse sah aus wie eine
Nazi-Liebessklavin, hatte kein Wort zu sprechen und war
für die Geschichte völlig belanglos. Ach doch, einmal
durfte sie schreien, als die farbigen "Freunde" von Le
Chiffre ihr den Arm abhacken wollten. Ansonsten konnte
ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass unbedingt
noch etwas Blondes durchs Bild laufen musste und dies
der einzige Grund für die Existenz der Gespielin von Le
Chiffre war, der zudem einen so schwulen Eindruck auf
mich machte, dass eine Frau an seiner Seite ohnehin
deplatziert wirken musste, egal wie sie aussieht und was
sie sagt.
Eva Green, die die weibliche Hauptrolle
besetzt, ist sicherlich keine natürliche Schönheit, denn
ihre Stirn ist im Vergleich zum Rest ihres Gesichts viel
zu lang. Aber man kann sie gut schminken, und sie hat
eine atemberaubende Figur. Außerdem machen die
Zickigkeit und die Ambivalenz, die ihre Rolle erforderte, sie sehr sexy.
Auch fand ich, dass sie optisch gut zu Daniel Craig
passte, der nun auch keine Schönheit im engeren Sinne
ist.
Die dritte Dame, die Freundin eines der Handlanger
von Le Chiffre, die Bond am Anfang des Films vernascht,
sah aus wie eine Mischung aus Joan Collins und Selma
Hayek, war also nicht mein Typ.
Weiber: 3
Die Sprüche
Zu James Bond gehört auch sein trockener Humor. Daniel
Craigs Bond ist weitaus weniger smart als der von Pierce
Brosnan, und so fand ich es gut, dass man ihn erstens
weniger Sprüche reißen ließ und diese zweitens deutlich
herber waren als bei seinem Vorgänger im Amte. Ich kann
mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Pierce Brosnan,
nackt auf einen Stuhl gefesselt und mit einem geknoteten
Tau mehrmals in die Weichteile geschlagen, auf die Frage
nach der Kombination mit "Ich hab' noch immer so'n
jucken da unten, könnten Sie mir da bitte helfen?"
antwortet. Und nach einem weiteren Schlag ins Gemächt
dann noch ein "Neeeiin, etwas weiter rechts bitte"
nachschiebt.
Sprüche: 2
Die Bösewichte
Bonds Gegner sind der größte Schwachpunkt dieses Films.
Le Chiffre selbst wird von anderen Bösewichten (den
Farbigen) unter Druck gesetzt und wirkt dadurch sehr
angreifbar. Die Tränen aus Blut, die Le Chiffre weinte,
waren der einzig gute Gag. Seine Handlanger bleiben
völlig blass - wenn ich da nur andere Filme denke, etwa
an den Beißer oder den Dicken mit der Melone.. Und der
Oberbösewicht, der sich am Ende als Mastermind hinter
allem entpuppt, war im Film vorher geschätzte drei
Sekunden im Bild. Ich wusste beim Hinausgehen aus dem
Kinosaal überhaupt nicht, wer der Typ eigentlich war.
Und eine allerletzte Kritik an der Story: Wie um alles
in der Welt hat er den Geldkoffer aus dem absaufenden
Gebäude 'rausgeholt? Und wie um alles in der Welt passen
bloß über 100 Millionen Dollar in einen einzigen
kleinen, handlichen Aktenkoffer?
Bösewichte: 5
Fazit
Alles in allem bot Casino Royale gute, anspruchslose
Unterhaltung. Sicherlich nicht der beste Bond, aber ganz
sicher auch nicht der Schlechteste. Die grobe Richtung
ist okay, und Daniel Craig ist als Hauptdarsteller
entgegen aller Unkenrufe im Vorfeld gut besetzt. Beim
nächsten Mal wünsche ich mir nur Bösewichte mit
Ausstrahlung und eine gute Geschichte.
Ach ja, Jennifer Aniston und Sarah Michelle Gellar als
weibliche Darsteller hätte ich dann auch noch gerne, wenn's
geht.
Gesamtnote: 2- - Zurück
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