<30.03.06>
Die zweite Chance

Nein, nein, nein. Sie hat es mir nicht leicht gemacht, echte Gefühle für sie zu entwickeln. Der erste Eindruck war jedenfalls eine Katastrophe. Aber vielleicht wird noch eine Liebe auf den zweiten Blick daraus.

Ich erinnere mich noch genau an jenen Tag, als mir ihr erster Brief ins Haus flatterte. Ungefragt, überraschend, einfach so. Ob ich nicht endlich eine Beziehung mit ihr eingehen wolle, stand da zu lesen. Ich hätte mich überhaupt nicht gemeldet, obwohl schon so lange Zeit verstrichen sei. Dabei sei es doch für mich nur von Vorteil, mich an sie zu binden, und zwar dauerhaft. Für nur 14,50 Euro im Monat - ganze zwei Euro fünfzig mehr - bekäme ich schließlich genau die selbe Leistung wie bisher bereit gestellt, nur eben nicht mehr von der Telekom, sondern von ihr, der Ish-GmbH NRW, meinem neuen Kabelnetzbetreiber.

Nein, schon die Telekom habe ich nicht geliebt, aber der Start mit Ish war noch viel schwieriger. Kaum hatte diese Gesellschaft das Kabelnetz in NRW von jener übernommen, wurde dem verdutzten Nutzer in besagtem Brief in einem nur patzig zu nennenden Ton schlicht mitgeteilt, Otto Normalverbraucher habe zwar seinerzeit mit der Telekom einen Nutzungsvertrag über einen Kabelanschluss abgeschlossen, aber jetzt sei eben Ish am Ruder, und man solle gefälligst endlich die beigefügte Erklärung unterschrieben zurücksenden, wonach man mit dem Übergang des Vertragsverhältnisses auf Ish einverstanden sei. Ach ja, und mit der kleinen Preiserhöhung um knapp 20% auch. 

Ganz abgesehen von der Verteuerung für nichts und wieder nichts war ich über den Ton dieses Anschreibens so aufgebracht, dass ich mir schon am nächsten Tag eine Satellitenschüssel kaufen wollte. Die beigefügte Erklärung von Ish hatte ich bereits zur Rücksendung vorbereitet, aber nicht unterschrieben, sondern versehen mit einer Empfehlung, in welche Körperöffnung man sie sich einführen könne. 

Nur weil ich das ganze Gewiggel mit Premiere nicht haben wollte, deren Programm ich natürlich auch über Kabel bezog und für das ich einen neuen Satellitenreceiver gebraucht hätte, habe ich es schließlich nicht zu dieser Eskalation kommen lassen. Gut, ich musste Ish erst um ein neues Formular bitten, weil das Alte mit meinem Kommentar nicht mehr zu verwenden war, aber Formulare hatten sie genug. Seitdem bucht Ish jeden Monat 14,50 Euro für die Kabelnutzung ab, und bis auf zwei Störungen - eine davon ärgerlicherweise während eines Länderspiels - haben sie sich seither nichts wieder zu Schulden kommen lassen. 

Trotzdem war und bin ich auf Ish nicht gut zu sprechen. Aber jetzt kann alles gut werden. Ish gehört ja bekanntlich zum Arena-Konsortium, das die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga erworben hat. Und was durfte ich kürzlich im Internet lesen? Der Abo-Preis soll bei lediglich 14,90 Euro pro Monat liegen, nachdem zunächst um die 20 Euro angekündigt worden waren. Für Frühbucher in NRW und Hessen gibt es bei Kabelnutzung gar einen Rabatt von satten 30 Prozent oben 'drauf, wonach das Ticket noch ganze 9,90 Euro kostet, also die Hälfte dessen, was ich zunächst einkalkuliert hatte. Zum Vergleich: Bei Premiere zahlt man gegenwärtig für das Sportabo mit Bundesligapaket mehr als das Dreifache! Selbst ich mit meinem Uraltvertrag spare im Vergleich noch 12,50 Euro. Natürlich kann man mit dem Arena-Abo während der fußballlosen Zeit herzlich wenig anfangen, aber das war bei Premiere im Grunde nicht anders, wenn man von den drei NBA-Spielen absieht, die ich im Jahr gesehen habe. Übrigens soll es bei Arena wohl 40 Kanäle inklusive geben, darunter neben vielen schon analog erhältlichen Sendern wie denen der RTL-Familie auch einige neue. Ich sehe das als Zubrot, wenn tatsächlich etwas Interessantes dabei sein sollte.

Jedenfalls habe ich gleich heute online einen Vertrag abgeschlossen und mir die günstigen Konditionen von 9,90 Euro für 24 Monate gesichert. Meine D-Box von Premiere kann ich als Kabelkunde weiter benutzen. Im Juni/Juli soll die neue Smartcard kommen. Einstecken - fertig. Sendestart ist der 11. August, also der 1. Spieltag der Saison 2006/07; ab dem 1. August wird ein Testsignal gesendet.

Schon jetzt verspricht Arena, dass es auch qualitative Verbesserungen geben soll, z.B. mehr Kameras in den Stadien. Bleibt zu hoffen, dass diese auch auf das Spielfeld gerichtet sein werden. Weiteres sei für später geplant, heißt es. Da muss man wohl abwarten, denn die Jungs werden m.E. erst einmal mit Startschwierigkeiten genug zu tun haben, bevor sie sich über Verbesserungen Gedanken machen können.

Weniger gut sieht es bei den Kommentatoren aus. Als Neuzugang steht meines Wissens nach bisher nämlich nur Günther Koch ("die Stimme Frankens") fest, bei dem ich nicht sicher bin, ob er im Fernsehen funktioniert. Seine Radioreportagen waren jedenfalls immer recht emotional. Noch dazu ist er echter "Clubberer", da wird man ihn doch hoffentlich keine Bayernspiele übertragen lassen...? Weiter im Gespräch ist praktisch die ganze Riege von Sat.1, die ja in der nächsten Saison die Champions League verlieren, insbesondere Werner Hansch als Kommentator (ächtz!) und Olli Welke als Moderator. Marcel Reif bleibt ja leider exklusiv bei Premiere, Hansi Küpper und Tom Bartels fehlten allerdings auf der langen Liste der Kommentatoren, die bei Premiere verlängert haben. Deshalb vermute ich, dass wir sie auch bei Arena hören werden. Hätte nichts dagegen, beide sind vergleichsweise gut.

Schlecht ist natürlich, dass die Champions League weiterhin auf Premiere läuft, demnächst noch dazu exklusiv. Aber dafür kann Arena nichts, und mir ist das auch egal. Für sechs Bayernspiele abonniere ich nicht ein ganzes Jahr diesen Schrottkanal zu einem wirklich unverschämten Preis! Zumindest Zusammenfassungen von der CL werden ja nach wie vor im Free-TV gezeigt, wenn ich recht orientiert bin. Und wenn es unbedingt sein muss, gehe ich in eine Kneipe. 

Ein weiterer Nachteil von Arena wird sein, dass es Werbung geben wird. In den FAQ von Arena musste ich allen Ernstes lesen, dass immerhin die Spiele nicht durch Werbung unterbrochen würden! Na, vielen Dank dafür. Obwohl, das DSF hat ja auch diese Schallmauer schon durchbrochen. Handygame, Wetten auf das nächste Tor und was weiß ich nicht noch. Aber das ist ein eigenes Thema. Und Premiere sendet auch jede Menge Werbung vor und nach den Spielen und in der Pause. Dass die sich nach wie vor als werbefreier Sender gerieren, ist ein schlechter Witz. Bin gespannt, wie lange es den Sender überhaupt noch gibt. Premiere ohne Fußball, das ist wie Bayern ohne Ballack. ;-)

Wenn Arena alle Versprechungen einhält, d.h. pünktlich sendet und die Technik funktioniert, kann es zwischen mir und meinem Kabelanbieter vielleicht doch noch klappen mit der großen Liebe. Gebührentechnisch ist jedenfalls ein sehr erfreulicher Anfang gemacht..

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<26.03.06>
MLB Season 2006 Preview

In der Major League Baseball beginnt in Kürze die Saison 2006. Wieder werden 30 Teams je 162 Spiele absolvieren, wieder wird das ewig junge Duell zwischen Pitcher und Batter ausgefochten werden, und wieder wird es in Good Old Germany keinen Menschen interessieren.

Außer meiner Wenigkeit natürlich. Ich fiebere der neuen Saison schon entgegen, habe natürlich schon wieder das All-Access-Paket von MLB.TV abonniert und lasse mir darum eine Saisonvorschau nicht nehmen. 

Wobei, was kann man im Vorfeld einer Baseball-Saison schon groß vorhersagen? Einiges! Baseball ist nämlich auf die Dauer einer ganzen Saison gesehen sehr vorhersehbar. Das gilt beispielsweise für die Bilanzen der besten und schlechtesten Mannschaften, denn selbst die Schlechteste aller Mannschaften (2005: Kansas City Royals) gewinnt immer ein Drittel ihrer Spiele (2005: 56 von 162 oder 34%), und selbst die beste Mannschaft (2005: St. Louis Cardinals) verliert immer ein Drittel ihrer Spiele (2005: 62 oder 38%). 

Das zeigt übrigens, wie relativ ausgeglichen die Liga ist. Man stelle sich dergleichen einmal in der Fußball-Bundesliga vor ... undenkbar! Der Meister 2005 (FC Bayern) hat dort ganze 14% der Spiele verloren (5 von 34), der Letzte (SC Freiburg) ganze 8% gewonnen (3 von 34). Nimmt man die Unentschieden noch 'raus, was man bei einem ehrlichen Vergleich machen muss, da es im Baseball keine Unentschieden gibt, sind es auch nur 17% Niederlagen beim Meister (5 von 29) und 12% Siege beim Letzten (3 von 25). Niemals in der Geschichte der Liga hatte der Letzte ein Drittel seiner Spiele gewonnen. In der MLB geschieht dies plusminus 5% in jedem Jahr.

Fragt sich nur, wer die Besten und die Schlechtesten sein werden. Nun, auch das lässt sich bestens vorhersagen, viel besser jedenfalls als im Fußball. Der Grund dafür liegt in der Datenmenge: Im Fußball hat die beste Mannschaft nur 34 Spiele Zeit um sich abzuheben, im Baseball sind es 162. Je mehr Spiele, desto weniger Raum bleibt für den Zufall, also Glück oder Pech. Schauen wir uns einmal an, wie die einzelnen Mannschaften 2005 abgeschnitten haben (mit Bilanz, W=Win, L=Loss) und wie sie meiner Meinung nach 2006 abschneiden werden:
 

Endstand 2005 

Tipp 2006

AL East         W L 

AL East

New York       95 67 

New York

Boston         95 67 

Boston

Toronto        80 82 

Toronto 

Baltimore      74 88 

Baltimore

Tampa Bay      67 95 

Tampa Bay 

 

 

AL Central      W L 

AL Central

Chicago        99 63 

Chicago 

Cleveland      93 69 

Cleveland 

Minnesota      83 79 

Minnesota

Detroit        71 91 

Detroit 

Kansas City    56 106 

Kansas City

 

 

AL West         W L 

AL West 

Los Angeles    95 67 

Los Angeles 

Oakland        88 74 

Oakland 

Texas          79 83 

Seattle

Seattle        69 93 

Texas 

 

 

NL East         W L 

NL East

Atlanta        90 72 

Atlanta 

Philadelphia   88 74 

New York

Florida        83 79 

Philadelphia 

New York       83 79 

Washington

Washington     81 81 

Florida 

 

 

NL Central      W L 

NL Central

St. Louis     100 62 

St. Louis 

Houston        89 73 

Chicago 

Milwaukee      81 81 

Milwaukee 

Chicago        79 83 

Houston 

Cincinnati     73 89 

Pittsburgh 

Pittsburgh     67 95 

Cincinnati 

 

 

NL West         W L 

NL West

San Diego      82 80

Los Angeles

Arizona        77 85 

San Francisco

San Francisco  75 87 

San Diego 

Los Angeles    71 91 

Arizona 

Colorado       67 95 

Colorado

Wie man sieht, habe ich in der American League (AL) praktisch nichts verändert. Seattle wurde im letzten Jahr etwas unter Wert geschlagen, deshalb rücken sie 2006 vor die Texas Rangers. Alles andere bleibt wie gehabt. Boston könnte vor New York landen, aber ich glaube es nicht. Auf dem Papier haben die Yankees das bessere Team. Beiden kann es am Ende wahrscheinlich auch egal sein, denn der Zweite der AL East wird die Wild Card gewinnen, auf die Oakland aber auch eine Chance hat.

Die einzelnen Divisionen sind in der AL in etwa gleich stark; innerhalb einer jeden Division gibt es aber ein großes Gefälle. Zwischen dem Ersten und dem Dritten liegt eine Distanz von 15, 16 und 16 Siegen (Schnitt: 15,66), zwischen dem Zweiten und dem Dritten immerhin von 15, 10 und 9 Siegen (Schnitt: 11,33). Und da alle Teams mehr oder weniger ihre letztjährige Spielstärke gehalten haben, weiß man ziemlich sicher, wer um Platz 1 und 2 kämpfen wird und wer bestenfalls Dritter werden kann.

In der National League (NL) sieht es ganz anders aus. Hier sind die Divisionen in sich ausgeglichener, die Distanz zwischen dem Ersten und dem Dritten liegt bei 7, 19 und 7 Siegen (Schnitt: 11), zwischen dem Zweiten und dem Dritten gar nur bei 5, 8 und 2 Siegen (Schnitt: 5). Dementsprechend habe ich hier auch mehr durcheinander gewürfelt. "Meine" Atlanta Braves hätte ich rational nie und nimmer auf Platz 1 der NL East setzen dürfen, denn schon im letzten Jahr haben sie die Division nur hauchdünn gewonnen, und in diesem Jahr sind die Mets noch stärker geworden und die Phillies in etwa gleichstark geblieben, während die Braves sich verschlechtert haben. Trotzdem, die Braves haben 14 Jahre am Stück ihre Division gewonnen, und ich werde nicht gegen sie wetten, bis die Serie definitiv vorüber ist.

Houston war im letzten Jahr Zweiter in der NL Central und Gewinner der Wild Card, aber nach dem Abgang von Roger Clemens werden sie dieses Jahr keine Chance haben. Schwach am Schlag und jetzt auch im Pitching dünn besetzt - das wird nichts. Die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers werden an ihnen vorbeiziehen. Im Westen wird sich LA erholen, denn die Dodgers hatten im letzten Jahr unglaublich viel Verletzungspech und haben sich zudem gut verstärkt. San Francisco wird vom wieder genesenen Barry Bonds profitieren, wenn er nicht wieder ausfällt oder im Doping-Sumpf untergeht, in dem er ganz tief 'drinsteckt (bewiesen ist aber (noch) nichts).

Das Gefälle zwischen den Divisionen war in der NL im Unterschied zur AL übrigens riesig: In der NL East hatte 2005 überhaupt kein Team eine negative Bilanz, während in der NL Central nur zwei, in der NL West gar nur ein Team eine positive Bilanz aufzuweisen hatten. Der Divisionssieger der NL West wäre in der NL East Vorletzter geworden, mit nur einem Spiel Vorsprung vor dem Letzten. Ganz so schlimm wird es 2006 nicht werden. Insbesondere die NL West wird sich bekrabbeln, während in der NL East zumindest Florida in keinem Fall mehr auf eine positive Bilanz kommen wird. Washington vermutlich auch nicht.

Für meine Tipps der regulären Saison würde ich zwar nicht die Hand ins Feuer legen, wäre aber sehr überrascht, wenn auch nur einer meiner potenziellen Divisionssieger schlechter als Zweiter würde (Ausnahme: Braves) oder eine Mannschaft, die ich auf Platz 3 oder schlechter getippt habe in die Playoffs einziehen oder gar ihre Division gewinnen würde. Wesentlich schwerer vorauszusagen ist hingegen der Ausgang der Playoffs, weil die Datenmenge hier erheblich kleiner ist. Besonders die erste Runde, die "Best-of-Five" gespielt wird, ist eigentlich kompletter Zufall. Trotzdem will ich es versuchen:

AL Division Series:
New York Yankees - Los Angeles 3:2
Chicago - Boston (WC) 2:3

AL League Championchip Series:
New York Yankees - Boston 4:2

NL Division Series:
Atlanta - Los Angeles 3:1
St. Louis - New York Mets (WC) 3:2

NL League Championship Series:
St. Louis - Atlanta 4:3

World Series:
St. Louis - New York 4:2.

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<22.03.06>
Bayern - Schalke 3:0

Am letzten Sonntag stieg in der Allianz-Arena zu München das Spitzenspiel des 26. Spieltags der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und dem FC Schalke 04. Das Beste: Bayern gewann 3:0. Das Zweitbeste: Ich war live dabei.

Ich habe schon einige Spiele des FC Bayern München live gesehen. Nicht viele, aber einige. Mein erstes Livespiel in der Bundesliga überhaupt hieß Borussia Dortmund gegen den FC Bayern, fand am 26.09.1981 im Dortmunder Westfalenstadion statt und endete 2:0 für den BVB. Die Tore erzielten Bernd Klotz in der 13. Minute und Manni Burgsmüller in der 46. Minute, wobei Burgsmüller sich noch den Luxus erlaubte, einen Elfmeter an die Latte zu knallen (75.). Ich erinnere mich nicht mehr an die Tore, wohl aber an den verschossenen Elfmeter, die schwache Vorstellung von Walter Junghans im Bayern-Tor und die Tatsache, dass ich als elfjähriger Junge ausschließlich von Dortmund-Fans umgeben war und mein Vater alle Mühe hatte, diesen zu erklären, warum ich bei den Toren nicht jubelte.

Meine anderen Livespiele - allesamt auswärts - endeten ebenso wenig erfreulich für meine Bayern, wie zuletzt das am 14.2.2004, als Bayern in Bochum gegen den VfL mit 0:1 verlor (Tor: Madsen). Noch nie war es mir vergönnt, einen Bayernsieg zu bejubeln. Ja noch nicht einmal ein Bayerntor habe ich jemals live zu Gesicht bekommen. Bis letzten Sonntag.

Da gab es glücklicherweise gleich drei Stück, auch wenn es bis zur Halbzeit nicht danach aussah. Die ersten 45 Minuten waren grottenschlecht, vielleicht die schlechtesten 45 Minuten, die ich jemals gesehen habe, live oder im Fernsehen. Und ich habe viele 45 Minuten gesehen, Freunde der Sonne! Bayern war dabei noch die schlechtere von zwei schlechten Mannschaften, Schalke hatte wenigstens zwischen der 5. und 20. Minute so etwas wie eine Druckphase, wenngleich sich aus dieser auch keine Torchancen ergaben. Bayern brachte nichts zustande - keinen Torschuss, keine Ecke, kein gelungenes Dribbling, nichts. Die Pfiffe zur Pause waren gerechtfertigt.

Im Stadion machten übrigens die Schalke-Fans mehr Stimmung als die Bayern-Fans, obwohl sie im Verhältnis 1:6 unterlegen waren. Jedenfalls bis zum 2:0, danach war Ruhe. Die Schalker hatten anscheinend extra für diese Begegnung ein neues Lied entwickelt, auf das sie mächtig stolz zu sein schienen. Jedenfalls sangen sie es unentwegt: Statt "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" gab es zur selben Melodie "Schiebt den Bayern die Schale in den Arsch". Sehr lustig. Kleine Quizfrage übrigens: Aus welchem Song stammt jene Melodie? Antwort bitte in den Kommentaren posten.

Jedenfalls kippte das Spiel in der 2. Halbzeit völlig, als dem blinden Salihamidzic der Ball nach einer Sagnol-Flanke auf die Schulter fiel und die Bayern auf diese Weise zum 1:0 kamen wie die Jungfrau zum Kinde. Anschließend schossen sie noch dreimal aufs Tor, wobei nur ein Versuch von Makaay knapp vorbei ging. Die beiden anderen Versuche saßen, und so stand am Ende ein 3:0. Hätte Schalke aus einer Standardsituation das 1:0 gemacht, hätte Bayern 0:3 verloren, garantiert. So ist Fußball.

Zwei Ärgernisse muss ich noch berichten. Beide haben mit den Medien zu tun. Das erste betrifft die Berichterstattung über die Leistung von Schiedsrichter Lutz Wagner. Folgendes trug sich zu: Um die 25. Minute herum kam der bereits mit gelb verwarnte Bajramovic an der Mittellinie knapp über der Grasnarbe angeflogen und grätschte Sagnol von hinten brutal um. Der Ball war weg, es ging nur in die Beine. Eine dunkelgelbe, nein, eigentlich eine glatte rote Karte. Unter allen Umständen hätte es aber zumindest die zweite gelbe Karte und damit gelb-rot für Bajramovic geben müssen. Bayern hätte noch über eine Stunde in Überzahl spielen dürfen. Schiedsrichter Wagner gab aber nur Freistoß, ermahnte Bajramovic kurz - und das war's. Eine Minute später wechselte Trainer Slomka - anscheinend ein guter Mann - Bajramovic gegen Rodriguez aus. Das ganze Stadion konnte sich drei Minuten lang über diese ungeheuerliche Fehlentscheidung nicht beruhigen und pfiff aus allen Rohren. Und was war nachher im Fernsehen von dieser Szene zu sehen? NICHTS! Nicht einmal das Foul wurde gezeigt (jedenfalls nicht im DSF, ich konnte nur den Zusammenschnitt dort sehen). Die Auswechslung Bajramovics wurde kommentiert mit "Slomka brachte dann Rodriguez für den schon mit gelb verwarnten Bajramovic". Kein Wort von roter Karte, kein Wort von gravierender Fehlentscheidung - nichts! Gibt es da einen Stillhaltepakt zwischen dem DFB und den Medien die Schiedsrichter betreffend, oder wie ist diese Desinformation der Öffentlichkeit zu erklären?

Damit wäre ich schon beim zweiten Ärgernis: Die Spielernoten im kicker Sportmagazin. Ich frage mich ernsthaft, ob der Notenvergeber das Spiel überhaupt gesehen hat. Der beste Mann auf dem Platz war Bordon von Schalke, der hinten alles abgeräumt hat (Note: 5). Der zweitbeste war Demichelis, der dasselbe auf Seiten der Bayern tat und gerade in der ersten Halbzeit mehr als einmal durch gutes Stellungsspiel, Ballsicherheit und Kopfballstärke glänzte (Note 4). Der schlechteste Mann auf dem Platz war Guerrero (zu Recht Note 5,5), gefolgt von Ze Roberto, der nicht einen Zweikampf gewann und keine Aktion nach vorne hatte (Note: 4). Pizarro hat auch extrem schlecht gespielt und hatte nur einen lichten Moment beim Tor (Note: 2,5). Und der Schiedsrichter bekam gar noch die Note 3. 

Schon länger sinkt der kicker in meiner Meinung, und die Ausgabe vom vergangenen Montag trug nichts dazu bei, diesen Trend umzukehren. Die Berichterstattung über das Spiel, ebenso wie die Notenvergabe, hatten mit der Realität jedenfalls nichts zu tun.

Zum Drumherum muss ich noch sagen, dass die Arena ein überragender Fußballtempel ist, in dem man sehr nah am Geschehen sitzt. Eine Karte der Kategorie 3 für 30 Euro genügt völlig, bessere Karten vermitteln auch keine bessere Sicht. Idealer als ideal geht eben nicht. Optisch ist die Fassade ein echter Knaller, sie wirkt im Original noch wesentlich beeindruckender als im Fernsehen oder auf Bildern. Den Beweis lieferten die Schalkefans, die nach Spielende zu Hunderten Fotos von der rot beleuchteten Arena machten. Wo gibt es das sonst, dass Gästefans das Stadion abfotografieren?

Verbesserungswürdig ist der Verkauf von Essen und Trinken, der ausschließlich im Stadion stattfindet und ausschließlich über eine Bayern-Karte abgewickelt wird, die man erst erwerben und aufladen muss. Bargeld wird nicht akzeptiert, EC-Karte auch nicht. Das ist für die Gästefans oder andere Besucher, die nicht regelmäßig kommen, ein echtes Problem. Großzügig waren dafür die Einlassregeln, man durfte sich seine eigenen Vorräte an Getränken (max. 0,5 Liter pro Nase) und Essen (unbeschränkt) mitbringen. Kameras waren ebenso erlaubt, solange es keine professionellen Ausrüstungen waren. Als wertvoll entpuppte sich unser Sitzkissen, denn die Hartschalensitze hatten die Kälte gut konserviert.

Über die ganze Fahrt nach München werde ich in Kürze einen Bericht mit vielen Fotos auf meinen Reiseseiten veröffentlichen. Bis zum Wochenende müsste er fertig sein.

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<17.03.06>
Geringe Mängel, Plakette erteilt

Letzte Woche war ich zum ersten Mal in meinem Leben mit meinem Auto zu einer TÜV-Abnahme. Bisher hatte ich es immer so einrichten können, dass der TÜV-Termin mit einer Wartungsfrist zusammenfiel und somit von der Fachwerkstatt gleich mit erledigt werden konnte, aber in diesem Jahr musste ich persönlich hin. TÜV Nord, Rudolf-Diesel-Straße in Münster.

Sehr zu empfehlen ist es, dort bereits im Vorfeld einen Termin zu vereinbaren. Denn der TÜV Nord in Münster versichert, diesen Termin auf 15 Minuten genau einzuhalten. Wenn nicht, ist die ganze Untersuchung gratis! In meinem Fall betrug die Wartezeit genau 13 Minuten. Schade, drei Minuten länger und ich hätte den TÜV um 81,70 Euro reicher verlassen als so. Übrigens standen vor mir in der Warteschlange vor der TÜV-Halle noch zwei andere Fahrzeuge mit deren Besitzern, die offensichtlich keinen Termin vereinbart hatten. Über dem Hallentor hing eine große Anzeigetafel, die latent "38" anzeigte. Bei der Anmeldung bekam ich die "41" zugeteilt und reihte mich hinter die Nummern 39 und 40 in die Fahrzeugschlange ein. Nach besagten 13 Minuten sprang die "38" aber direkt auf "41" um. Nr. 39 und 40 werden sich gewundert haben, als ich ausscherte und an ihnen vorbei in die Halle einfuhr.

"Mein" TÜV-Prüfer, ein Mittvierziger mit Bart, Blaumann und Bierbauch, entpuppte sich als besonders gründlich. Licht, Gurt, Hupe, Verbandkasten und Warndreieck wurden sorgfältig in Augenschein genommen, bevor es auf die Hebebühne ging. Mit Taschenlampe und Schraubenzieher bewaffnet tätigte er sodann einige Handgriffe, murmelte ein zufriedenes "naja, ok" und ließ das Fahrzeug wieder auf den Boden herab. "Hat schon mal 'ne Hupe nicht funktioniert?" wollte ich wissen. "Is Vorschrift". Ach so.

Jetzt noch ASU. "Fahrn se ma aus der Halle raus, links um die Halle rum, da ist noch 'ne Einfahrt, da steht so'n Apparat. Setzen Se ihn ma rückwärts vor die Einfahrt, ich komm' dann gleich". Gut, bitte sehr. Ich fuhr also aus der Halle mit der Hebebühne heraus, links herum und in die Halle mit dem ASU-Gerät rückwärts 'rein. Als der Kollege vom TÜV zwei Minuten später dazu kam, murmelte er etwas von "vor die Halle, hab' ich gesagt", bat um die Autoschlüssel, fuhr den Wagen wieder aus der Halle heraus, rückwärts wieder hinein, und hielt auf exakt jenem Punkt, an dem ich ihn zuvor auch schon abgestellt hatte. Glückwunsch, Mr. Wichtig.

Fünf Minuten später war dann auch die ASU überstanden, alles im grünen Bereich. Jetzt noch die Plakette 'drauf, "ganz in Blau dieses Jahr, wie der Himmel eigentlich sein sollte, höhö, is' ja nich im Moment, ne, bitte sehr". Ach ja, und so ganz in Ordnung sei mein Fahrzeug ja nicht. Geringe Mängel habe er schon vermerken müssen in seinem Prüfbericht, die ich bitteschön umgehend zu beseitigen hätte. Eine erneute Vorführung des Wagens sei zwar nicht erforderlich, aber das entbinde mich nicht von der Pflicht, jenen Prüfbericht unbedingt zu befolgen. Der müsse auch aufbewahrt werden, damit ggf. kontrolliert werden könne, ob ich auch allen Auflagen nachgekommen sei.

Verdammt. Mängel. Ich dachte Gott weiß was wäre und sah vor meinem inneren Auge schon einen Werkstattbesuch mit vierstelliger Rechnung ablaufen, als ich meinen Blick auf den Prüfbericht sinken ließ. Und was war da zu lesen als "geringer Mangel", den es sofort zu beseitigen galt: "Der Aufkleber mit der Geschwindigkeitsangabe "max. 210 km/h" für die M+S Reifen fehlt.".

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<13.03.06>
Life's like a box of chocolate

In Deutschland gibt es über 150.000 Vereine. 50 Millionen Deutsche sind Mitglied in zumindest einem solchen, über die Hälfte davon in einem Sportverein. Ich selbst wollte da natürlich nicht hinten anstehen und war in meiner Jugendzeit gleich Mitglied in vier Vereinen, allesamt Sportvereine: Grün-Weiß-Ostönnen (Fußball), TuS Ampen und SuS Scheidingen (Tischtennis) sowie Rot-Weiß-Westönnen (Tennis). Darüber hinaus war ich Mitglied in einem Bruce-Springsteen-Fanclub, wobei ein Fanclub ja nichts anderes ist als ein (in jenem Fall nicht eingetragener) Verein.

Der Fanclub hat sich aufgelöst, und leider lassen mir meine beruflichen Pflichten auch keine Zeit mehr für sportliche Aktivitäten. Deshalb habe ich mich nach und nach vom Vereinsleben verabschiedet. Schon das Studium ließ sich mit dem Trainingsaufwand beim Fußball nicht mehr vereinbaren. Tennis ist ein Individualsport, für dessen Ausübung man - anders als in meiner Glanzzeit Mitte der 80er Jahre - mittlerweile nicht mehr Vereinsmitglied sein muss. Tischtennis habe ich noch lange nach dem Auszug von zuhause gespielt, aber irgendwann wurde mir die räumliche Distanz zwischen meinem Wohnort Münster und meinen Heimatvereinen dann doch zu weit. 

Aber man soll nie nie sagen, und seit kurzem hat die vereinslose Zeit - wenn man den Anwaltsverein nicht mitzählt - wieder ein Ende. Passend zu meiner gegenwärtigen Lebenssituation bin ich allerdings nicht in einen Sportverein eingetreten. Nein, ich bin stolzes Mitglied des Pralinenclubs Deutschland.

Besagter Pralinenclub ist eine Gemeinschaft von Pralinenfreunden, die sich in einem Verein zusammen geschlossen haben, um die köstlichsten, feinsten und kreativsten Pralinen Deutschlands zu genießen. Einmal im Monat erreicht jedes Vereinsmitglied ein Paket mit einem Pralinenkasten, gefüllt mit dreißig in dieser Zusammenstellung nirgendwo sonst erhältlichen Kreationen der besten Chocolatiers. Anbei liegt ein Fragebogen, auf dem man zu jeder Praline eine Bewertung abgeben (Noten von 1 bis 10) und einen kurzen Kommentar schreiben kann. Alle zurückgesendeten Fragebögen werden am Monatsende von treuen Vereinsmitgliedern ausgewertet, und die Praline mit der höchsten Durchschnittspunktzahl darf sich dann posthum “Praline des Monats” nennen. Die Gewinnerpraline wird ein einem ebenfalls anliegenden, farbigen Newsletter gekürt, der weitere Hinweise auf die an der aktuellen Kollektion beteiligten Chocolatiers und alle möglichen Vereinsaktivitäten beinhaltet. Die Kosten belaufen sich auf 17,90 Euro monatlich für den Pralinenkasten und den beiliegenden Newsletter. Prominentestes Mitglied des Vereins ist der in NRW recht bekannte Fernsehmoderator Jean Pütz (“Hobbythek”).

Über die Qualität der Pralinen kann ich noch nicht viel sagen, da ich meine erste Lieferung erst Mitte der Woche erhalten habe. Die dreißig Pralinen sollen - so meine ehrgeizige Planung - genau einen Monat lang halten, was zwangsläufig einen limitierten Konsum von einer Praline pro Tag bedeutet. Bisher habe ich erst zwei probiert. Die erste trug den Namen “Napoleon” (ja, manche Pralinen haben einen Namen) und schmeckte gut, aber nicht außergewöhnlich. Also eine 6 auf der Skala von 1 bis 10. Die zweite hatte einen starken Zimtgeschmack, was ich leider gar nicht mag. Pech, maximal eine 3. Bin schon sehr gespannt, wie der Rest des Kastens so mundet. You never know what you’re gonna get.

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<10.03.06>
1:4, 1:2, 1:4

Frei nach Herbert Knebel möchte ich die letzten sieben Tage wie folgt kommentieren: Es gibt Wochen, da lohnt es sich noch nicht mal 'nen Ei 'drüber zu kloppen. Da hauste am besten gleich 'ne ganze Legebatterie drüber! Die letzte Fußballwoche war nun wirklich so eine. Was schief gehen konnte, ist schief gegangen.

Alles fing mit dem schönen Länderspiel am letzten Mittwoch an. Italien - Deutschland 4:1. Selten habe ich eine Mannschaft so chancenlos gesehen wie unsere in Florenz. Nach 8 Minuten lagen wir schon 0:2 zurück, und man hätte den Fernseher eigentlich schon ausmachen können. Am Ende stand dann eine echte Klatsche zu Buche, die noch höher hätte ausfallen können, wenn die Italiener nur gewollt hätten. Vier Torschüsse, vier Tore. Wichtiger als das nackte Ergebnis dieses Spiels ist natürlich seine Bedeutung für die WM. Selbstvertrauen durch einen Sieg gegen einen “Großen” haben wir uns nun nicht geholt, das ist klar, und wir werden es uns vor der WM aller Voraussicht nach auch nicht mehr holen, denn es ist momentan kein weiteres Länderspiel gegen einen “Großen” geplant.

Trotzdem sehe ich nicht so schwarz wie viele andere. Ich erinnere einmal daran, dass unsere Innenverteidigung vor der WM 2002 auch grottenschlecht war und aus Metzelder und Linke bestand. Die waren sicher nicht besser als unsere Verteidiger heute, und trotzdem haben wir mit nur einem Gegentörchen das Finale erreicht. Warum soll die Mannschaft nicht wieder über sich hinauswachsen, wie schon 2002? Zumal vor eigenem Publikum. Südkorea hat es 2002 auch bis ins Halbfinale geschafft, und die hatten damals auch keine bessere Defensive als wir heute. Außerdem bin ich ganz generell der Meinung, dass es für eine gute Defensive in erster Linie auf das Verhalten der ganzen Mannschaft ankommt. Die Stürmer müssen früh stören, und im Mittelfeld muss alles abgeräumt werden. Wenn man so katastrophale Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung spielt wie Deisler vor dem 0:2, dann ist das nicht die Schuld der Verteidiger. Die größte Schwäche sehe ich bei langen Bällen. Da stimmt die Zuordnung nicht, und Mertesacker und Huth sind so langsam, dass ihnen jeder quirlige Stürmer davonläuft. Letzteres kann man nicht mehr beheben, ersteres wohl.

Nein, von einem Spiel lasse ich mich nicht blenden. In Frankreich haben wir gut gestanden und mit Pech nur 0:0 gespielt, obwohl der Gegner sicherlich keine schlechteren Stürmer hatte als die Italiener jetzt. Für mich ist also viel Panikmache im Spiel, geschürt von der üblichen Sensationsgeilheit der Presse.

Ich verstehe allerdings nicht, warum wir ständig auswärts spielen. In Frankreich, in Italien usw. Bei der WM haben wir HEIMSPIELE, Herr Klinsmann! Warum üben wir da nicht vor eigenem Publikum? Dass man sich beim DFB darüber offensichtlich keine Gedanken gemacht hat, ist eine grobe Fahrlässigkeit. Denn dass ein Heimspiel anders läuft als ein Auswärtsspiel, muss ich wohl nicht erst erklären. Und vielleicht wären dann auch die Ergebnisse besser.

Noch unerfreulicher war dann der Samstag mit dem 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Nicht nur, dass mein Verein, der FC Bayern München, sich eine Heimniederlage gegen den ärgsten Verfolger erlaubt hat. Nein, das wäre bei jetzt noch 8 Punkten Vorsprung in der Tabelle gerade noch zu ertragen gewesen. Aber im kicker-Managerspiel haben (bis auf Berbatov) alle meine Spieler komplett versagt. Ganze 10 Pünktchen haben sie mir eingebracht, gleichbedeutend mit dem vorletzten Platz in meiner Tippliga und Platz 170.976 von 210.000 insgesamt. Sieben davon entfallen auf Delpierre und Meira, die erst am Dienstag aktiv waren, so dass ich über das Wochenende gar nur mit 3 Punkten dastand. Und in meiner Pizza-Tipprunde bin ich von zwischenzeitlich 9 Punkten Vorsprung auf nunmehr 3 Punkte Rückstand abgerutscht. Großer Sport.

Naja, und die Krönung folgte dann gestern mit dem Bayern-Debakel in Mailand. Danach war die Sache wirklich rund, wieder ein Mittwoch, wieder Italiener und wieder 1:4. Ich höre noch die Sprüche von Olli Kahn vor dem Spiel: “Die Mannschaft wird das Spiel ihres Lebens machen” (ein Satz für’s Sprüchekabinett), “die Ausgangslage ist besser als bei einem 1:0", “das ist unser Stadion dort”, “der Geist von 2001 ist auch in dieser Mannschaft zu spüren” usw. Und dann ein derartiges Graupenspiel, bei dem man noch von Glück sagen kann, dass der Gegner einen Elfmeter ungenutzt ließ und nach 60 Minuten das Fußballspielen einstellte. Die Bayern haben praktisch drei Eigentore fabriziert, zum 0:1 durch den Katastrophenpass von Demichelis und den völlig allein am Fünfmeterraum stehenden Inzaghi, durch das 0:2, bei dem Stam völlig ungehindert flanken durfte und diesmal Shevchenko ganz allein am Fünfer stand, und das 0:3, bei dem Lizarazu und Ismael sich am eigenen Fünfer gegenseitig behindern, damit der Ball auch ja zu Inzaghi kommt, der nur noch einköpfen musste. Über den tölpelhaft von Ismael verschuldeten Elfmeter und den Konter zum 1:4 will ich gar nicht mehr reden. Nein, einen derartigen Hühnerhaufen habe ich in den letzten 5 Jahren bei Bayern nicht gesehen. Schlimm, einfach nur schlimm. Wie gesagt, für mich hat das nichts mit Mailänder Klasse zu tun. Wenn ein Stürmer in der C-Kreisliga allein am Fünfmeterraum stehen gelassen wird, klingelt’s auch. Bayern ist m.E. also ganz allein selbst Schuld. 

Dieses Versagen ist für mich noch unerklärlicher als das der Nationalmannschaft. Im ganzen Spieljahr 2005/06 haben die Bayern nie mehr als 2 Gegentore bekommen, jetzt vier plus einen Elfmeter. Und gerade das “Prunkstück” Innenverteidigung bildete die Schwachstelle. Warum? Es waren doch nur fast Nationalspieler am Werk, allein die Angst vor dem großen Namen Milan kann es also nicht gewesen sein. Ich gestehe, dass ich völlig ratlos bin. Vielleicht war es einfach Zufall, dumm gelaufen, einer dieser Tage? Jedenfalls ist man international weg vom Fenster. Im Vorfeld der Partie hatte ich noch zu einem Kollegen gesagt, dass wenn Bayern schon ausscheiden müsste, mir eine Niederlage mit drei Toren Unterschied lieber wäre als ein fallengelassener Ball in der 88. Minute. Dieser Wunsch hat sich nun erfüllt. Vielen Dank, lieber Fußballgott.

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<05.03.06>
Nix wie weg

Herbert Knebels Affentheater gastierte mit seinem zehnten Programm unter dem Titel "Nix wie weg" am 3. März 2006 im Jovel in Münster. Natürlich war ich dabei.

Im Vorfeld war ich sehr gespannt auf den Auftritt, denn ich hatte die Jungs schon über 2 Jahre lang nicht mehr live gesehen, und ihr vorheriges Programm "Gutes vom Vortach" war zudem ein "Best of". Das letzte Programm mit neuem Material, "Unter Strom", stammte aus 2001 und reichte qualitativ nicht an frühere Programme wie "Knebel on the Rocks" (1998), "Da sind wa schon wieder" (1996) und "Getzt aber in echt" (1994) heran. Es stand zu befürchten, dass der Abwärtstrend bei der Qualität und der Aufwärtstrend bei den Eintrittspreisen weiter gehen würde.

Erfreulich war zunächst, dass letzteres nicht der Fall war. Musste man für "Gutes vom Vortach" im Jahr 2003 noch 23,50 € bezahlen, waren es für "Nix wie weg" im Jahr 2006 nur 21,30 €. "Unter Strom" kostete im Jahr 2001 schon 40 DM. Die Preise sind also konstant bis leicht rückläufig. Bei einer Veranstaltungsdauer von zwei Stunden netto sind sie in der jetzigen Höhe durchaus gerechtfertigt, wenn ich sie einmal mit einem Fußballspiel oder gar den irren Summen vergleiche, die man mittlerweile für ein Rockkonzert hinblättern muss.

Inhaltlich sollte das neue Programm deutlich politischer sein als seine Vorgänger. So jedenfalls ließen Knebel und Konsorten in ihrer Pressemitteilung verlauten. Einen großen Unterschied zu früher konnte ich aber nicht feststellen. Sicher, es wurden viele aktuelle Themen angeschnitten, und sogar die Bundeskanzlerin wurde einmal erwähnt. Aber kritische Untertöne gab es früher auch schon, und von politischem Kabarett ist Herbert Knebels Affentheater noch immer so weit entfernt wie der BVB von Schalke 04. Und das ist gut so, möchte ich hinzufügen.

"Nix wie weg" ist ein sehr ausgewogenes Programm mit einem optimalen Verhältnis von Musik und Sketchen. Die Musik ist deutlich gemütlicher geworden, an die Stelle der beinharten Rocksongs sind überwiegend Gute-Laune-Nummern wie "Alice" ("Elli") von Smokie getreten. "Cocaine" ("Cholesterin") war noch das härteste Lied. Die musikalische Zugabe erinnerte mich fast ein wenig an den Schmusesong "Ich leide Schiffbruch" aus "Getzt aber in echt". Nebenbei bemerkt hatte Ozzy Ostermann in einer Solo-Nummer erstmals die Gelegenheit, seine hervorragende Stimme zu präsentieren. Der Mann kann wirklich gut singen! 

Bei den Sketchen war auffällig, dass es während des ganzen Programms nur noch Herbert, Ozzy, Ernst und den Trainer gab, also keine Nummern mehr wie den "Froschkönig", "Bel Ami" oder "Raumschiff Unterpreis", wo die vier in andere Rollen schlüpften. Das fand ich gut, denn so lustig die genannten Sketche auch waren, bedeuteten sie doch immer einen Bruch im Programm, da sie nicht zur Knebel-Welt passten. Anders der erneute Auftritt der Ehefrauen, die - wie erstmals im Programm "Unter Strom" - während eines Kaffeekränzchens über ihre Männer lästerten, denn Guste und Co. stammen ja auch aus der Knebel-Welt. 

Ein kleiner Schwachpunkt dieser ohnehin nicht ganz ausgereiften Nummer sei nicht verschwiegen: Die drei Damen bestellten im Cafe nicht, wie sonst immer, "dreimal Sand", sondern kommentarlos "Strammen Max". Hier hätte man sie in Anspielung an den Ehefrauen-Sketch von 2001 ruhig wieder Sandkuchen bestellen lassen können. Der Gag, dass Ozzy anschließend "den Max nicht stramm bekommt" und deshalb auf Toast mit Ei (!) ausgewichen wird, hätte man trotzdem noch einbauen können, wenn man ihn denn so lustig findet, dass das unbedingt sein musste. Dass es in puncto Anspielungen auch besser geht, zeigte die Eröffnungsnummer, in der die Jungs mit Walkingstöcken bewaffnet auf die Bühne kamen, die Doppelanstrengung aus Sport und Filosoffieren zugunsten eines kleinen Umtrunks unterbrachen und zu ihrem alten, noch aus dem "Indianerverein" bekannten Schlachtruf "Wo ist der Sport am schönsten? Im Verein ist der Sport am Schönsten! Zuuu-gleich!" einen Klaren aus dem Flachmann wegkippten. Der Insider hat's verstanden, der neue Fan hatte trotzdem seinen Spaß.

Am Erfreulichsten war, dass das neue Programm wirklich komplett neu war. Nur eine klitzekleine Ausnahme gab es, denn der Gag, dass das Ozonloch "die Polen schmelzen" lässt, stammt aus der Sauna-Nummer von 1994. Das haben wahrscheinlich aber nur 10 der anwesenden 1.500 Zuschauer gemerkt. Neu war zudem der auf die Erkenntnis von den schmelzenden Polen folgende Spruch, dass man sich dann wohl schon einmal nach einem neuen Fliesenleger umschauen müsse. 

Besonders witzig fand ich die Anspielungen auf die "political correctness", derentwegen man z.B. nicht mehr "Negerküsse" sagen darf. Knebel machte daraus "Afro-amerikanische Schaumkuchen". Und wo er gerade dabei war, wurde aus "Schwarzfahren" konsequenterweise "Fahren, wie die Farbigen es tun". 

Auch die Knebels hatten übrigens ihren Spaß. Mehrmals mussten sie selbst lachen und deshalb unterbrechen. Besonders eine Dame vorne im Zuschauerraum hatte es ihnen angetan, die an den unmöglichsten Stellen als einzige lachte, und dies mit einer Stimme, die an den Sänger von AC/DC erinnerte. Zum Schluss wurde es gar etwas nervig mit der Guten, und sie bekam von der Bühne herunter auch ihr Fett weg: "Bitte demnächst zehn Reihen weiter nach hinten, meine Liebe".

Ich persönlich hatte erwartet, dass es im Programm mindestens eine Nummer zur Fußball-WM 2006 geben würde, weil die Jungs doch alle Fußballfans im inneren Kreis sind. Doch bis auf eine Anspielung auf einen Gelsenkirchener Vorort ("Amerikaner, Sekten, Schalker - alles Fanatiker") gab es nichts zum Thema Fußball.

Mag auch das absolute Highlight gefehlt haben, so war es doch ein äußerst unterhaltsames Programm, über das man zahllosen Stellen Tränen lachen konnte. Während viele Kabarettveranstaltungen das Publikum bestenfalls zum Schmunzeln bringen und viele sogen. Comedy-Acts peinlich statt lustig sind, liegt Herbert Knebels Affentheater genau in der Mitte: Es darf herzlich gelacht werden, ohne dass man sich unter Niveau amüsiert.

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<03.03.06>
We shall overcome

Kaum eine Woche hat es gedauert, jetzt ist sie da: Die offizielle Pressemitteilung, dass Columbia Records in Kürze Bruce Springsteens Album Nr. 21 auf den Markt bringen wird. Aus diesem Anlass gibt es zum ersten Mal direkt in diesem Weblog Bilder zu sehen. Zunächst das Cover. Es zeigt ein verfremdetes Foto von Danny Clinch, mit dem Bruce auch schon bei "Devils & Dust" zusammen gearbeitet hat: 
 

Der genaue Titel des Albums lautet, wie auf dem Bild zu sehen, nun "We shall overcome - The Seeger Sessions". Es wird am 25. April 2006 erscheinen und zunächst 13 Songs enthalten:

1. Old Dan Tucker
2. Jessie James
3. Mrs. McGrath
4. Oh, Mary, Don't You Weep
5. John Henry
6. Erie Canal
7. Jacob's Ladder
8. My Oklahoma Home
9. Eyes On The Prize
10. Shenandoah
11. Pay Me My Money Down
12. We Shall Overcome
13. Froggie Went A-Courtin'

Allerdings wird dem Kunden noch etwas mehr geboten. So kommt das Album in den USA wieder als Dual Disc (CD und DVD in einem) heraus. Auf der DVD-Seite finden sich zusätzlich ein halbstündiges "Making of" sowie zwei Bonus-Tracks:

14. Buffalo Gals
15. How Can I Keep From Singing

Ob in Europa diesmal auch eine Dual Disc erscheint oder, wie bei Devils & Dust, eine CD und eine separate DVD in einem Paket, bleibt noch abzuwarten. Ich spekuliere auf letzteres.

Die Musik soll einen fröhlichen Grundton haben, also keinesfalls düster und nachdenklich sein. Von der vermuteten spärlichen Instrumentalisierung kann offenbar auch keine Rede sein, denn Bruce hat eine erstaunliche Armee von Begleitmusikern zusammen gestellt:
 

Hinten (von links nach rechts): Sam Bardfeld, Jeremy Chatzky, Lisa Lowell, Frank Bruno, Soozie Tyrell, Mark Pender, Charles Giordano, Ed Manion, Larry Eagle
Vorn: Mark Clifford, Patti Scialfa, Bruce Springsteen, Richie "LaBamba" Rosenberg.

Neben den E-Streetern Soozie Tyrell und Patti Scialfa kennt man vor allem Rosenberg, Manion und Pender als Mitglieder der "Miami Horns", mit denen Bruce seit 1976 immer wieder mal live zusammen gespielt hat, vor allem natürlich während der "Tunnel-of-Love-Tour" 1988, die die Horns komplett mitgemacht haben.

Das Album soll von einer kurzen Tour begleitet werden, auf der die meisten der o.g. Musiker spielen werden. Die Tour wird durch die USA und - es ist bereits offiziell! - auch durch Europa führen. Darauf darf man sich wirklich freuen, denn diese Show wird mit nichts vergleichbar sein. Neue Musiker, neues Material. Man darf gespannt sein, mit welchen eigenen Songs (oder weiteren Coverversionen) Bruce die Album-Songs anreichert. Sicher gibt es auch neue Arrangements bekannter Springsteen-Songs zu bestaunen. Da muss man doch einfach dabei sein. Hoffentlich kommt er nicht gerade zur WM..
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